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Medikamentöse Therapiemöglichkeiten bei vestibulären Störungen, Nystagmus und zerebellären Ataxien

Diese Übersicht konzentriert sich auf die Pharmakotherapie von peripheren und zentralen vestibulären Störungen, d. h. Behandlungsoptionen bei akuter einseitiger Vestibulopathie, Morbus Menière und Vestibularisparoxysmie sowie der vestibulären Migräne. Sie befasst sich auch mit den Fortschritten in der symptomatischen Behandlung von Kleinhirnstörungen, einschließlich der episodischen Ataxie Typ 2 (EA2) und verschiedenen Nystagmusformen.

Die Therapie umfasst medikamentöse, physio- und psychotherapeutische und selten chirurgische Maßnahmen. Die symptomatische medikamentöse Therapie sollte bei akutem heftigen Schwindel zeitlich eng begrenzt sein. Im Vordergrund steht eine Therapie mittels spezifischer Medikamente, wobei folgende Pharmakagruppen zum Einsatz kommen: 1. Antivertiginosa 2. Antikonvulsiva 3. Antidepressiva 4. Antiphlogistica 5. Antimenière-Medikamente 6. Antimigränosa 7. Aminopyridine sowie 8. Acetyl-DL-Leucin

Symptomatische medikamentöse Therapie (Antihistaminika, Anticholinergika, Benzodiazepine)

Diese Präparate sollten nur wenige Tage gegeben werden, da sie nach tierexperimentellen Befunden die gewünschte zentrale Kompensation einer akuten Funktionsstörung hemmen oder verlangsamen können und zum Teil auch ein gewisses Abhängigkeitspotenzial besitzen. Die negativen Auswirkungen auf die zentrale Kompensation wurden in einer tierexperimentellen Studie zum akuten einseitigen Labyrinthausfall gezeigt: 4-Aminopyridin war gut symptomatisch wirksam, verzögerte aber die zentrale Kompensation. Somit sind diese Medikamente nicht oder nur eingeschränkt für eine Langzeitbehandlung geeignet. Nach Abklingen der vegetativen Begleitsymptomatik (insbesondere Übelkeit/Erbrechen) sollten keine Antivertiginosa oder sedierenden Pharmaka mehr gegeben werden.

Eine medikamentöse symptomatische Therapie von im Rahmen von akuten Schwindelerkrankungen auftretenden vegetativen Begleitsymptomen mit Antivertiginosa und Sedativa ist nur bei folgenden vier Indikationen durchzuführen: 1. akute periphere oder zentrale vestibuläre Störung (Dauer der Behandlung nur wenige Tage), 2. Prävention von Nausea und Erbrechen beim benignen peripheren paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPPV) (nur kurzfristig in der Akutphase), 3. Prävention der Bewegungs-/Reisekrankheit (punktuelle Behandlung), 4. zentraler Lage-/Lagerungsschwindel mit Nausea (kurzfristige Behandlung über Tage).

Periphere vestibuläre Schwindelsyndrome

Die sechs häufigsten peripheren vestibulären Schwindelsyndrome sind:

  • Neuritis vestibularis/akute einseitige Vestibulopathie
  • Morbus Menière
  • Vestibularisparoxysmie
  • Benigner peripherer paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPPV)
  • Bilaterale Vestibulopathie
  • Perilymphfistel
Für die bilaterale Vestibulopathie und die Perilymphfistel gibt es bislang keine medikamentösen Therapieoptionen; erstere kann möglicherweise bei ausgewählten Patienten mit einem „vestibular implant“ behandelt werden, letztere in Einzelfällen durch einen operativen Verschluss („canal plugging“ bei der Dehiszenz des anterioren Bogengangs). Beim BPPV kann eine symptomatische Pharmakotherapie der Übelkeit vor Beginn des Befreiungs-/Repositionsmanövers notwendig sein. Der Effekt einer möglichen Sekundärprophylaxe mit Vitamin D wird derzeit im Rahmen einer geplanten randomisierten klinischen Studie untersucht. Bei der bilateralen Vestibulopathie wird intensives und regelmäßiges Balancetraining zur Besserung der zentralen vestibulären Kompensation empfohlen.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Medikamentöse Therapiemöglichkeiten bei vestibulären Störungen, Nystagmus und zerebellären Ataxien

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie 9/2015

 

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