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    Die neue Generation der Hirnschrittmacher. (Bild © styleuneed)

     

Essentieller Tremor: Weniger Sprachstörungen bei neuem Hirnschrittmacher

Eine neue Generation von „Hirnschrittmachern“ macht eine nebenwirkungsärmere Therapie des essentiellen Tremors ohne Einbußen bei der Effektivität möglich.

Der Arbeitsgruppe „Bewegungsstörungen und Tiefe Hirnstimulation“ um Professor Dr. Lars Timmermann und Dr. Michael Barbe von der Universitätsklinik Köln ist es gelungen, in einem interdisziplinären Ansatz die bei der herkömmlichen tiefen Hirnstimulation bei Patienten mit essentiellem Tremor auftretende Sprechstörung genauer zu analysieren. Dabei zeigten sich Möglichkeiten, die Therapie zu optimieren. So war es mit Hilfe einer neuen Generation von „Hirnschrittmachern“ möglich, über mehrere Kontaktstellen die Elektrode mit unterschiedlichen Stromstärken zu stimulieren. Bislang konnten zwar auch mehrere Kontakte aktiviert werden – allerdings immer nur mit der gleichen Stärke. Eine individuelle Stimulation durch die einzelnen Kontakte unterhalb der Nebenwirkungsgrenze war jedoch bisher nicht möglich.

 

Das ist bei der neuen Generation der Hirnstimulatoren nun anders. In der Studie unter Beteiligung der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie der Uniklinik Köln wurde nachgewiesen, dass eine individualisierte Verteilung des Stroms über zwei Kontakte bei gleicher Strommenge die gleiche Reduktion des Zitterns erwirkt - allerdings ohne eine gravierende Verschlechterung des Sprechens (Barbe MT et al., Neurology 2014, 82(7): 614-619).

 

Die Proof-of-Principle-Studie zeigt somit, dass eine individualisierte Aufteilung des Stromfelds über mehrere Kontakte eine nebenwirkungsärmere Hirnschrittmachertherapie erlaubt, ohne den gewünschten Effekt auf das Zittern zu verlieren. „Dies könnte uns in Zukunft helfen, bei Patienten mit stimulationsbedingten Sprechstörungen die Sprache zu verbessern, ohne die Wirkung auf das Zittern zu beeinträchtigen“, so der Kommentar von Dr. Barbe. Die Ergebnisse dürften sich aus seiner Sicht auch auf Patienten mit einem Morbus Parkinson oder Dystonie, die mittels der tiefen Hirnstimulation behandelt werden, übertragen lassen.