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Wertvolle Zeit bei der Schlaganfall-Versorgung sparen

Durch die Erarbeitung eines Musterablaufplans kann wertvolle Zeit bei der Versorgung von Schlaganfallpatienten eingespart werden. Das belegen die Erfahrungen von Medizinern an der Universitätsmedizin Göttingen.

Bei der Behandlung eines Schlaganfalls zählt jede Minute! Denn je länger das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt ist, desto mehr Gehirnzellen sterben ab. Das kann zu erheblichen Einschränkungen führen, wobei der Schlaganfall weltweit als die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen gilt.

Mit einem neuen Versorgungskonzept, das ein interdisziplinäres Team von Schlaganfallforschern an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) entwickelt hat, lässt sich wertvolle Zeit bei der Versorgung von Menschen mit einem Schlaganfall einsparen. Das Göttinger Konzept organisiert und beschleunigt die Arbeitsabläufe ab dem Eintreffen des Patienten in der Notaufnahme bis zur Behandlung erheblich, heißt es in einer Pressemitteilung der Göttinger Universität.

In einem Musterablaufplan für die Behandlung von akuten Schlaganfallpatienten werden dabei die Zuständigkeiten der beteiligten Ärztinnen und Ärzte koordiniert, die wichtigsten Eckpfeiler der Behandlungsmaßnahmen festgelegt und die Richtzeiten für die einzelnen Schritte zwischen Ankunft und Behandlung benannt. Die Auswirkungen eines so strukturierten Vorgehens auf die Zeit zwischen Einlieferung und Behandlung sowie auf die Prognose des Patienten hat die Arbeitsgemeinschaft „Klinische Schlaganfallforschung“ ausgewertet und publiziert.

„Durch die Standardisierung der Abläufe und die strukturierte Zusammenarbeit zwischen den einzelnen an der Schlaganfallbehandlung beteiligten Kliniken konnte die Zeit bis zur Behandlung deutlich verkürzt werden“, erläutert Dr. Katharina Schregel, Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie und Erstautorin der Publikation das Resultat. „Dadurch konnte der Behinderungsgrad von Schlaganfallpatienten erheblich reduziert werden“.

Entsprechend den Vorgaben im Musterablauflaufplan werden Patienten mit Schlaganfallsymptomen in der Notaufnahme der UMG nach ihrem Eintreffen dort unmittelbar von einem Neurologen untersucht. Dieser begleitet den Patienten zur weiteren Diagnostik im Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie. Dort werden Schnittbilder des Gehirns und der gehirnversorgenden Gefäße angefertigt, um eine Gehirnblutung als Ursache der Beschwerden auszuschließen und das verschlossene Gefäß zu identifizieren. Wird ein Gefäßverschluss gefunden, wird sofort nach der Bildgebung mit einer Lysetherapie begonnen, sofern keine Kontraindikation hierfür gegeben ist. Danach erfolgt unverzüglich der Transport in das Katheterlabor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, wo eine mechanische kathetergestützte Gefäß-Wiedereröffnung durchgeführt wird. Alle Patienten werden anschließend zur engmaschigen Überwachung und Diagnostik möglicher Ursachen des Schlaganfalls auf die neurologische Intensivstation bzw. die zertifizierte Stroke Unit aufgenommen.

Im Göttinger Schlaganfall-Ablaufplan sind dabei die Aufgaben der einzelnen Ärztinnen und Ärzte sehr genau definiert. Durch Schulungen des Personals und ständige Evaluation der Fälle wird gewährleistet, dass vorab definierte und mit internationalen Empfehlungen übereinstimmende Richtzeiten eingehalten und sogar übertroffen werden. So konnte mit dem neuen Konzept eine Zeitersparnis von 53 Minuten zwischen Ankunft der Patienten in der Notaufnahme und Behandlung erzielt werden.

Dadurch wurde auch das Behandlungsergebnis deutlich verbessert: Die Anzahl der Patientinnen und Patienten, die nach einer endovaskulären Behandlung wieder völlig beschwerdefrei sind, konnte von 1,5 Prozent vor Einführung des Ablaufplanes auf 9,1 Prozent angehoben werden. Gleichzeitig sank die Anzahl der dauerhaft sehr schwer betroffenen Patienten von 44,3 Prozent auf 36,4 Prozent.

Aktuell arbeitet die AG „Klinische Schlaganfallforschung“ der UMG daran, die Zeit zwischen Einlieferung und Behandlung weiter zu verkürzen und die Arbeitsabläufe weiter zu optimieren. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Diagnosestellung direkt im Katheterlabor mit Hilfe von Schnittbildern über die Angiographie-Anlage erfolgen kann, die auch zur weiteren Behandlung genutzt wird. Dadurch können in Zukunft weitere Minuten gespart werden, die bislang für den Transport und die initiale Diagnosestellung in der konventionellen CT oder MRT benötigt werden, heißt es in der Erklärung der Universität.


Weiterführende Informationen:


Schregel K et al., “Effects of Workflow Optimization in Endovascularly Treated Stroke Patients – A Pre-Post Effectiveness Study”PLOS ONE 2016, http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0169192

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsmedizin Göttingen, März 2017

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