• Beurteilung einer supraazetabulären Osteolyse im Röntgen und in der Computertomografie.

     

Abrieberkrankungen in der Hüftendoprothetik

Die Abrieberkrankung (particle disease) wird durch die periartikuläre Ansammlung von Abriebpartikeln und die einhergehende inflammatorische Reaktion des körpereigenen Gewebes auf diese Partikel hervorgerufen. Dadurch können Osteolysen oder Weichgewebs-veränderungen resultieren, die anfänglich meist symptomlos sind und beim Fortschreiten zu einer aseptischen Implantatlockerung, einer Fraktur, einem Bruch des Implantats infolge ungenügender knöcherner Abstützung wie auch zu schmerzhaften und destruktiven Weichgewebsreaktionen führen können.

Abriebpartikel entstehen vor allem aus der Gleitpaarung, wobei das Ausmaß des Abriebs bzw. die Partikelkonzentration im Gewebe von verschiedenen Faktoren, wie z.B. dem Material der Gleitpaarung, der Kopfgröße, dem Aktivitätslevel des Patienten wie auch von der Implantatposition abhängen. Abriebpartikel können außerdem auch noch an jeglichen modularen Verbindungen entstehen. Der Abrieb und die daraus resultierenden morphologischen Veränderungen um die Gleitpaarung ist einer der häufigsten Gründe für Revisionsoperationen in der Hüftendoprothetik.

Gleitpaarungen

Gleitpaarungen bestehen aus den in der Übersicht dargestellten Komponenten. Entsprechend resultieren Abriebpartikel aus " Polyethylen (PE), " Metall oder " Keramik.
Die verschiedenen Gleitpaarungen weisen unterschiedliche Abriebeigenschaften auf, wobei insbesondere die jeweils spezifische volumetrische Abriebrate und die biologische Aktivität der Abriebpartikel das Ausmaß von Osteolysen oder entzündlichen Weichgewebsveränderungen und damit die Partikelerkrankung beeinflussen

Abriebraten

Gleitpaarungen mit konventionellen UHMWPE (ultra high molecular weight polyethylene; cPE) werden seit den Anfängen der Hüftendoprothetik in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts verwendet. In einer Metaanalyse konnte für cPE, unter Messung der Kopfpenetration, eine mittlere Abriebrate von 0,137 mm/Jahr gemessen werden. Für das abriebärmere hochvernetzte (highly cross linked) Polyethylen (HXPE) liegt diese Rate im Mittel bei nur 0,042 mm/Jahr. Die Abriebraten von HXPE sind im Vergleich zu cPE um bis zu 90% geringer. Für hochvernetzte Polyethylene der 2. Generation (Vitamin-E-haltig) konnten Abriebraten von sogar weniger als 0,001 mm/Jahr nachgewiesen werden. Das Auftreten von Osteolysen wird bei Abriebraten von < 0,1 mm/Jahr nur sehr selten beobachtet, wodurch dieser Wert für die Abriebrate einer PE-Gleitpaarung als oberer Grenzwert herangezogen werden kann.Bezüglich des volumetrischen Abriebs wurde mithilfe von Hüftsimulationstests, unter Verwendung von 28-mm-CoCr-Köpfen, Abriebraten für cPE von 32 mm3/Mio. Zyklen und für HXPE von 9 mm3/Mio. Zyklen ermittelt.
Deutlich geringere Abriebraten existieren für 28-mm-MoM-Gleitpaarungen, die volumetrische Abriebraten zwischen 0,2 mm3/Mio. Zyklen und 2,5 mm3/Mio. Zyklen aufweisen. Noch geringere Abriebraten zeigen 28-mm-CoC-Gleitpaarungen mit 0,004 mm3/Mio. Zyklen mit einer nachgewiesenen Kopfpenetrationsrate von nur 6,7 µm/Jahr. Diese Abriebraten gelten vordergründig für optimale Bedingungen. Im Fall von zusätzlichen ungünstigen Einflussfaktoren wie Komponentenfehlstellungen mit einhergehenden unphysiologischen Randbelastungen (Edge Loading), zerkratzte Oberflächen, Subluxationen (Mikroseparation) oder Vorhandensein von Drittkörpern (third Body Wear) können diese Raten sich potenzieren und um ein Vielfaches ansteigen. Insbesondere zeigen sich MoMGleitpaarungen in ihrem Abriebverhalten gegenüber unphysiologischen Punkt-, Randbelastungen und Subluxationen als besonders sensibel und anfällig, wodurch dann um bis zu 22- bis 27- fach erhöhte Abriebraten auftreten können.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag:
Diagnostik und Behandlung von Abrieberkrankungen in der Hüftendoprothetik.

Aus der Zeitschrift Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2/2015.

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