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    Kälte wird bei der Akutbehandlung von muskuloskelettalen Verletzungen am Spielfeldrand häufig eingesetzt.

     

Beeinflusst die Kühlsprayanwendung am Fuß die dynamische Stabilisationsfähigkeit?

Einleitung

Das obere Sprunggelenk (OSG) gehört zu den am häufigsten verletzten Gelenken im Sport, insbesondere bei Ballsportarten wie Fußball, Basketball oder Volleyball. Häufig werden diese Verletzungen direkt am Spielfeldrand erstversorgt. Nicht selten kehrt ein Athlet unmittelbar nach der Behandlung ins Spielgeschehen zurück. Eine aufgrund ihrer schnellen und einfachen Anwendung häufig eingesetzte Intervention in der Behandlung von akuten muskuloskelettalen Verletzungen ist die Applikation von Kälte, auch bekannt als Kryotherapie, was sich auf das therapeutische Absenken der lokalen Gewebstemperatur durch den Entzug von Wärme aus dem Körper bezieht. Das primäre Ziel der Kälteanwendung ist eine analgetische Wirkung aufgrund abnehmender Rezeptorenempfindlichkeit und -entladungen, verringerter Nervenleitgeschwindigkeit und einem Gegenreiz zum Schmerz. Ein weiterer Effekt der Kälteanwendung ist eine Reduktion der Entzündungsreaktion und des zellulären Metabolismus.

Die durch die Kälteapplikation verminderte Nervenleitgeschwindigkeit führt einerseits zu einer Schmerzreduktion, andererseits zu einer möglichen Beeinflussung der efferenten motorischen Neurone, was Aspekte der Muskelfunktion wie beispielsweise Kraft, Ausdauer und Reaktionszeit beeinflussen kann.

Die Applikation von Kälte kann in Form von Eiswürfeln, zerstoßenem Eis, Kühlbeuteln, Kältebädern und Kühlspray erfolgen. Die Resultate verschiedener Studien zum Einfluss von Kälte auf die Wahrnehmung der Gelenksposition, der statischen und dynamischen Stabilisationsfähigkeit, Kraft und Geschwindigkeit sind widersprüchlich. Die Kälteanwendungen in den uns bekannten Studien fanden meist über einen Zeitraum von 15 Minuten oder länger statt. In zwei Studien hingegen wurde der Einfluss von kürzeren Eisanwendungen untersucht. Die Autoren fanden keinen Einfluss einer 10-minütigen Eisbeutelapplikation am OSG auf das statische Gleichgewicht, beziehungsweise einen negativen Effekt einer 10-minütigen Kühlung der ischiocruralen Muskulatur mittels Eisbeutel auf Kraft und Leistungsfähigkeit, nicht aber einer 3-minütigen Kühlung . Die Arbeitsgruppe um Bleakley beschäftigte sich in ihrem Übersichtsartikel mit der Frage, ob Athleten nach Kälteanwendungen ungefährdet ihre sportliche Aktivität wieder aufnehmen können. Aufgrund begrenzter Evidenz für einen nachteiligen Einfluss auf die Geschwindigkeit, Kraft sowie auf Wendigkeit basierende Laufübungen raten sie zu kurzen Kälteanwendungen sowie einem stufenweise stattfindenden Aufwärmen vor der Rückkehr in den Sport.

Insbesondere am Spielfeldrand wird als Kälteanwendung häufig Kühlspray verwendet. Nur eine der uns bekannten Studien von Surenkok et al. untersuchte den Einfluss von Kühlspray auf die Wahrnehmung der Gelenksposition des Knies und auf die statische Stabilisationsfähigkeit auf einer sich bewegenden Fläche. Über die Zeitdauer der Applikation machten die Autoren keine Angaben. Die statische Stabilisationsfähigkeit wurde nicht negativ beeinflusst, allerdings fanden sie einen signifikanten Unterschied in der Wahrnehmung der Gelenksposition nach der Kühlsprayapplikation. Der Einfluss auf die dynamische Stabilisationsfähigkeit wurde nicht untersucht. Da jedoch einer der häufigsten Verletzungsmechanismen am OSG die Landung in einer Inversionsposition ist, hat die Messung der dynamischen Stabilisationsfähigkeit einen größeren Bezug zum sportspezifischen Alltag.

Nach unserem Kenntnisstand gibt es Studien sowohl zur dynamischen Stabilisationsfähigkeit als auch zu sportspezifischen Aktivitäten nach Eisanwendungen. Diese stützen sich jedoch auf Untersuchungen von Kälteexpositionen über einen längeren Zeitraum, keine auf den Effekt nach einer kurzzeitigen Kälteintervention wie der Applikation von Kühlspray. Somit fehlen empirische Daten, um den Effekt von Kühlspray in sportspezifischen Situationen zu erforschen.

Ziel dieser Studie ist es zu untersuchen, ob die Kühlsprayanwendung am lateralen OSG einen Einfluss auf die dynamische Stabilisationsfähigkeit bei gesunden Probanden hat.


Probanden/Material und Methode

Studiendesign

Es wurde eine randomisierte kontrollierte und einfach verblindete Pilotstudie im Crossoverdesign (intra-individueller Vergleich) durchgeführt (ClinicalTrials.gov: NCT01 961 596).

Probanden und Probandenauswahl

Für die Studienteilnahme wurden gesunde sportliche Probanden im Alter zwischen 18 und 45 Jahren mit mindestens 4/10 Punkten auf der auf Deutsch validierten Tegner-Aktivitätsskala (TAS) rekrutiert.

Ausschlusskriterien waren Verletzungen der Wirbelsäule, des Beckens oder der unteren Extremitäten, die weniger als sechs Wochen zurücklagen, eine veränderte sensorische Wahrnehmung der unteren Extremitäten, die Einnahme von das Gleichgewicht beeinflussenden Medikamenten sowie Allergien beziehungsweise Unverträglichkeiten gegenüber Kälte oder einem der Inhaltsstoffe des Kühlsprays. Die Testungen mussten schmerzfrei durchführbar sein. Die Probanden wurden vorgängig schriftlich und mündlich über den Ablauf der Studie aufgeklärt und unterschrieben eine Einverständniserklärung. Bei der kantonalen Ethikkommission Zürich wurde die Erlaubnis zur Durchführung der Studie eingeholt (KEK-ZH-Nr. 2013 – 0359).

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Beeinflusst die Kühlsprayanwendung am Fuß die dynamische Stabilisationsfähigkeit?

Aus der Zeitschrift Sportverletzung - Sportschaden 2/2015

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