• Beeinflusst sportliche Aktivität die Revisionsrate nach Knietotalendoprothese? Analyse eines 12-Jahres-Follow-up

     

Beeinflusst sportliche Aktivität die Revisionsrate nach Knietotalendoprothese?

Der Anspruch von Patienten an Knietotalprothesen (KTEP) wächst zunehmend. Es stellt sich immer wieder die Frage, ob sportlich aktive Patienten nach Implantation einer KTEP ein erhöhtes Revisionsrisiko aufweisen im Vergleich zu Patienten ohne sportliche Aktivitäten.

Die Implantation einer Knietotalendoprothese (Knie-TEP) gehört zu den häufigsten Operationsverfahren weltweit und steht mit 127 077 Eingriffen in Deutschland 2013 an 15. Stelle der durchgeführten stationären Operationen. Die häufigste Indikation stellt die primäre Gonarthrose dar. Aufgrund der längeren Lebenserwartung und Lebensqualität der Patienten steigt auch der Anspruch an die Prothesenhaltbarkeit und -funktion. Obwohl die Standzeit der Knie-TEP mit ca. 95 % nach 10 Jahren sehr gut ist und damit mit der der Hüft-TEP vergleichbar ist, ist die Patientenzufriedenheit nach Knie-TEP deutlich schlechter. Als Behandlungsziel geben viele Patienten nicht nur Schmerzfreiheit, sondern auch die volle Funktionsfähigkeit inklusive Rückerlangen der Sportfähigkeit bzw. den Wunsch nach sportlicher Aktivität, uneingeschränkter Mobilität und Unabhängigkeit auch in höherem Lebensalter an. In unserer modernen Gesellschaft ist Sport ein wichtiger Bestandteil des Lebens, der sich positiv auswirkt auf die Gesundheit, die Lebensqualität, soziale Kontakte sowie das Selbstwertgefühl. Gerade bei älteren Patienten gewinnt der Sport zunehmend im Sinne der sozialen Integration an Bedeutung. Verschiedene Arbeitsgruppen konnten zeigen, dass die sportliche Aktivität nach Implantation einer KTEP zunimmt. Dies ist in erster Linie der postoperativen Schmerzfreiheit und der damit verbundenen gesteigerten Patientenzufriedenheit geschuldet. Die positiven Auswirkungen sportlicher Aktivität auf die Lebensqualität sind unbestritten, aber auch die modernsten Implantate halten dauerhaft nicht allen Belastungen stand. Gerade in den letzten Jahren wird deshalb zunehmend kontrovers diskutiert, inwiefern sportliche Betätigung und vor allem deren Art und Intensität Einfluss auf die Lebensdauer einer Knie-TEP hat. Beim Gehen in der Ebene können Kniegelenkskräfte vom 3 – 4fachen, beim abwärts gehen sogar vom 8fachen des Körpergewichtes auftreten. Beim Joggen steigen die Belastungen sogar bis auf das 12 fache des Körpergewichtes an. So berichten die meisten Arbeitsgruppen über einen erhöhten Abrieb und damit verbunden eine gesteigerte aseptische Lockerungsrate von Kunstgelenken durch vermehrten Aktivitätslevel mit einhergehenden gesteigerten Bewegungszyklen. In vitro zeigte sich bereits bei alltäglichen Belastungen wie Gehen oder Treppensteigen eine erhöhte Abriebrate der Inlays von Knie-TEP’s.

Auf der anderen Seite wird postuliert, dass regelmäßige sportliche Aktivität mit relativ geringer bis mittlerer Gelenkbelastung zumindest mittelfristig mit einem Follow-up von 4 Jahren keinen negativen Einfluss auf die Standzeit von künstlichen Hüftgelenkersatz zu haben scheint. Empfohlen werden daher vor allem sogenannte Low-impact-Sportarten wie Fahrradfahren, Wandern oder Schwimmen, um eine möglichst lange Prothesenstandzeit zu erreichen. Neben dem Aktivitätslevel und patientenspezifischen Einflüssen spielt sicherlich die Implantatwahl, die exakte Positionierung sowie die Operationstechnik eine entscheidende Rolle.

Es stellt sich also die Frage, ob eine vermehrte mechanische Belastung einer Prothese durch sportliche Aktivität zu einer höheren Revisionsrate führt. Wie sich die sportliche Aktivität nach Jahren im Langzeitverlauf in Bezug auf Abrieb, Lockerung oder mechanische Komplikation der Knie-TEP auswirkt, ist nach wie vor nicht vollständig geklärt.

Daher war es Ziel dieser Arbeit mit einem Langzeit-Follow-up von 12 Jahren zu untersuchen, welchen Einfluss sportliche Aktivität auf die Standzeit und damit Revisionsrate der Knie-TEP hat.

Patienten/Material und Methoden

In einer retrospektiven Studie wurden 130 Patienten mit einem Altersdurchschnitt von 69,2 Jahren zu Ihrer sportlichen Aktivität 22 Monate vor und nach KTEP Primärimplantation befragt. Die Patienten wurden aufgrund der Ergebnisse der Befragung in 2 Gruppen (A = Sport, B = No-Sport) eingeteilt. 7 Jahre postoperativ wurden dieselben Patienten erneut zu Ihrem Sportverhalten und 12 Jahre postoperativ zusätzlich zu stattgehabten Revisionsoperationen befragt.

Ergebnisse 

Von den 130 im Jahre 2005, ca. 2 Jahre nach KTEP-Implantation, befragten Patienten gaben 88 (67,7 %) an, regelmäßig Sport auszuüben (Gruppe A) während 42 Patienten (32,3 %) keinerlei Sport betrieben (Gruppe B). 2010 antworteten 87 der 130 Patienten auf die Befragung. 60 Patienten der Gruppe A waren weiterhin regelmäßig sportlich aktiv. 27 Patienten der Gruppe B gaben an, weiterhin keinerlei Sport zu betreiben. 2015 konnten von den 87 Patienten die 2010 befragt wurden immerhin noch 67 Patienten kontaktiert werden – davon 46 Patienten der Gruppe A und 21 Patienten der Gruppe B. In Gruppe A kam es 12 Jahre postoperativ bei 7 von 46 Patienten (15,2 %) zu Revisionsoperationen. In Gruppe B gaben 5 von 21 (23,8 %) Patienten Revisionsoperationen im Sinne von Wechseloperationen in den letzten Jahren an.

Diskussion

Ob und mit welcher Intensität Sport nach künstlichem Gelenkersatz ausgeübt werden kann oder sollte, ist nach wie vor nicht abschließend beantwortet und wird in der aktuellen Literatur kontrovers diskutiert. Es gibt Arbeiten, die eine reduzierte sportliche Aktivität nach künstlichem Gelenkersatz, andere wiederum ein gesteigertes Aktivitätslevel postoperativ zeigen. Sicherlich ist dies auch abhängig vom präoperativen Aktivitätslevel. Die derzeitigen Patientenempfehlungen orientieren sich lediglich an Konsensusaussagen oder Befragungen der Operateure.

Lesen Sie hier den gesamten Artikel: Beeinflusst sportliche Aktivität die Revisionsrate nach Knietotalendoprothese? Analyse eines 12-Jahres-Follow-up

Aus der Zeitschrift Sportverletzungen Sportschaden 02/2017

 

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