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Präklinische Versorgung von Extremitätenfrakturen und Luxationen

Im Rahmen der präklinischen Patientenversorgung werden Notärzte häufig mit Frakturen und Luxationen an den Extremitäten konfrontiert. Der Jahresbericht 2014 des TraumaRegisters der DGU beschreibt insgesamt 42 954 registrierte Patienten mit einem Injury Severity Score (ISS) von mindestens 16 in den Jahren 2011–2013. Hiervon hatten 29,8 % relevante Verletzungen der Extremitäten (AIS [Abbreviated Injury Scale] ≥ 3).

Frakturen und Luxationen der Extremitäten können bei fast jedem Unfallmechanismus auftreten, sodass sie im Rettungsdienst häufig als isolierte Verletzung erscheinen. In der Gesundheitsberichterstattung des Bundes sind die Verletzungshäufigkeiten dokumentiert. So zeigt sich z. B. in den Jahren 2000–2012 in Deutschland eine Häufigkeit von 165 Unterschenkelfrakturen oder 203 Femurfrakturen pro 100 000 Einwohner. Viele dieser Verletzungen werden präklinisch ohne Beteiligung von Notärzten behandelt. Besonders im Fall von eindrucksvollen offenen Verletzungen mit Blutungen oder deutlichen Dislokationen und damit verbundenen starken Schmerzen besteht eine Notarztindikation.

Auch wenn isolierte Extremitätenverletzungen nur selten eine akut lebensbedrohliche Situation darstellen, ist bereits die präklinische Versorgung äußerst wichtig für den Erfolg der späteren Rehabilitation des Patienten. Eine adäquate Therapie kann neben der Schmerzreduktion schon an der Unfallstelle helfen, Folgeschäden wie Weichteilquetschungen durch Knochenfragmentdruck, Infektionen oder Durchblutungsstörungen zu vermeiden, und sollte deshalb von jedem Notarzt beherrscht werden.

Grundlagen

Erstuntersuchung

Frakturen und Luxationen an den Extremitäten bieten häufig ein sehr eindrucksvolles Bild, zumal sie meistens mit starken Schmerzen einhergehen. Allerdings darf man sich bei der Erstuntersuchung des Patienten davon nicht beeindrucken oder ablenken lassen.

Bei der Erstuntersuchung können standardisierte prioritätenorientierte Algorithmen wie PHTLS (Prehospital Trauma Life Support) helfen. Lebensrettende Sofortmaßnahmen stehen im Vordergrund. In diesen Situationen wird auch eine offensichtliche Fraktur oder Luxation an den Extremitäten noch nicht primär reponiert. Eine offensichtlich frakturassoziierte, starke Blutung nach außen mit Kreislaufrelevanz muss allerdings sofort gestillt werden, bevor die initiale Beurteilung des Patienten fortgesetzt wird.

Starke Blutungen, die die Kreislauffunktion beeinträchtigen können, müssen sofort gestillt werden!

Primary Survey

Anschließend beginnt man mit der strukturierten Untersuchung des Patienten nach dem ABCDE-Schema, dem „Primary Survey“. Es wird eine prioritätenorientierte Untersuchung des Verletzten durchgeführt, und bei Auftreten eines Problems wird dieses sofort behoben, bevor man zum nächsten Punkt weitergeht. Somit können akut lebensbedrohliche Zustände schnell erkannt und behoben werden.

A Airway and C-Spine Protection  Atemweg sichern und HWS-Stabilisierung 
B Breathing
Beatmung und Ventilation 
C Circulation Kreislauf 
D Disability
neurologischer Status 
E Exposure/Environment
Entkleiden und Wärmeerhalt 

Um die Behandlung lebensbedrohlicher Verletzungen nicht zu verzögern, werden Extremitätenfrakturen oder -luxationen in diesem Stadium noch nicht behandelt, es sei denn, es besteht aufgrund einer starken Blutung eine Kreislaufrelevanz. Das Bedrohungspotenzial dieser Blutungen muss in der initialen Gesamtbeurteilung des Patienten daher rasch eingeschätzt werden

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Präklinische Versorgung von Extremitätenfrakturen und Luxationen

Aus der Zeitschrift Lege artis 1/2015


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