• Frakturen_D

     

Finger- und Mittelhandfrakturen gehören zu den häufigsten, leider aber auch zu den am häufigsten vernachlässigten Frakturen. So ist ein Viertel aller Fingereinsteifungen ursächlich auf eine Fraktur zurückzuführen. Der vorliegende Beitrag stellt die aktuellen Therapiekonzepte zur Versorgung von Finger- und Mittelhandfrakturen zusammen.

Epidemiologie und Ätiologie

Knöcherne Verletzungen der Phalangen und der Metakarpalia gehören zu den häufigsten Verletzungen des Menschen. Sie machen etwa 10% aller Frakturen aus. Nicht selten werden sie als Bagatellverletzung abgetan und nicht adäquat therapiert. 25% aller Fingereinsteifungen sind ursächlich auf eine Fraktur zurückzuführen.

In 50% der Fälle entstehen die Frakturen im Rahmen eines Arbeitsunfalls. Im Freizeitbereich sind es neben sportlichen Aktivitäten insbesondere körperliche Auseinandersetzungen, die häufig zu Frakturen der Metakarpalia führen (z. B. sog. Boxer-Fraktur = subkapitale Mittelhandfraktur am V. Strahl). Entsprechend finden sich diese Frakturen insbesondere bei jungen Männern. Im Kindesalter kommt es dagegen überwiegend zu Fingerfrakturen, während Mittelhand und Handwurzel deutlich seltener betroffen sind.

Anatomische Vorbemerkungen

Die 5 Fingerstrahlen sind polyartikuläre Ketten aus insgesamt 19 kleinen Röhrenknochen. Neben den 5 Metakarpalia verteilen sich an den Phalangen 12 Knochen auf die 4 dreigliedrigen Langfinger und 2 auf den Daumen. Anders als die großen Röhrenknochen sind die Fingerknochen aber nicht von ihrer Muskulatur und somit einem kräftigen Weichteilmantel umschlossen. An den Fingern gibt es lediglich einen dünnen Weichteilmantel, der mit Gefäßen, Nerven, Sehnen, Sehnengleitgewebe und Bändern auf engstem Raum eine Vielzahl funktioneller Strukturen enthält.

Die Muskulatur ist nur zu einem Teil in der Mittelhand untergebracht (intrinsisches System). Hier sind die Metakarpalia von Muskulatur bedeckt (Mm. interossei, Thenar- und Hypothenarmuskulatur). Die kräftigen Muskelbäuche der langen Beuge- und Strecksehnen liegen weiter proximal im Unterarm (extrinsisches System).

Die Finger II – V sind in Höhe der Metakarpophalangealgelenke (Fingergrundgelenke; MCP-Gelenke) durch kräftige querverlaufende Bänder miteinander verbunden, wobei sie noch eine erhebliche Beweglichkeit zwischen den einzelnen Mittelhandknochen erlauben. Die Stabilität der Gelenke wird durch die kräftigen Seitenbänder erzielt, die in Streckstellung schlaff und während des Greifens in Beugestellung angespannt sind.

Die Karpometakarpalgelenke (Daumensattelgelenke; CMC-Gelenke) sind im Gegensatz zu den MCP-Gelenken durch straffe Bänder mit der distalen Handwurzelreihe relativ fest verbunden. Die Beweglichkeit in diesen Gelenken beträgt für die beiden mittleren Finger nur wenige Grade, während sie für die beiden mobilen Randstrahlen etwa 20 – 30° ausmacht. Der Daumen nimmt eine funktionelle Sonderstellung ein. Er ist in Höhe der MCP-Gelenke von den anderen Fingern separiert und besitzt als CMC-Gelenk ein hochmobiles Sattelgelenk, welches eine Oppositionsstellung zu den anderen Fingern als wesentliches Element der Greiffunktion ermöglicht.

Auch an den übrigen Fingern sind die Gelenkverbindungen für die Greiffunktion der Hand und somit für die Beugung optimiert [2]. Der Gesamtbewegungsumfang der Finger II – V beträgt allein in den Interphalangealgelenken über 170 °. Während dabei das distale Interphalangealgelenk (DIP) noch eine gewisse Überstreckung aus der Horizontalen gestattet, wird das proximale Interphalangealgelenk (PIP) durch die kräftige palmare Platte in der Horizontalen gegen eine Überstreckung stabilisiert.

Aufgrund der anatomischen Beschaffenheit der Knochen und Gelenke, ihrer Stellung zueinander und der Vorspannung der Beuge- und Streckmuskulatur ergeben sich definierte Grundstellungen der Finger zueinander, die zur Beurteilung von etwaigen verletzungsbedingten Fehlstellungen beachtet werden müssen. So kreuzen sich die Fingerlängsachsen bei Beugung über dem Kahnbein, während in Streckstellung und Aufsicht auf die Fingerspitzen die Fingernägel nahezu parallel stehen sollten. Allein aus diesen wenigen Vorbemerkungen zeigt sich bereits die Komplexität der Anatomie der Hand, die hier nur kurz angerissen werden kann.

MERKE: Ohne fundierte Kenntnis der Anatomie ist eine erfolgreiche Behandlung von Handverletzungen nicht möglich. 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Finger- und Mittelhandfrakturen

Aus der Zeitschrift: Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 05/2019

 

Orthopädie und Unfallchirurgie up2date Jetzt kostenlos testen!

Thieme Newsletter

Quelle

Orthopädie und Unfallchirurgie up2date
Orthopädie und Unfallchirurgie up2date

EUR [D] 173,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Osteosynthese der Hand
Hartmut FörstnerOsteosynthese der Hand

Bewährte Techniken für die Praxis

EUR [D] 34,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Orthopädie und Unfallchirurgie essentials
Steffen Ruchholtz, Dieter Christian WirtzOrthopädie und Unfallchirurgie essentials

Intensivkurs zur Weiterbildung

EUR [D] 149,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Fractures of the Hand and Carpus
Michel E.H. Boeckstyns, Martin RichterFractures of the Hand and Carpus

FESSH 2018 Instructional Course Book

EUR [D] 129,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.