• Luxation, Finger, proximales Interphalangealgelenk, Reposition, Beübung, palmare Platte, Orthopädie, Unfallchirurgie

     

Fingerluxationen im PIP-Gelenk – Therapie einer sehr häufigen (Ball)Sportverletzung

Frakturen oder Bänderverletzungen an den Finger treten häufig auf, vor allem in Zusammenhang mit Traumata oder bei Sportverletzungen. Luxationen im proximalen Interphalangealgelenk sind hierbei die häufigsten Bänderverletzungen der Hand. Aufgrund des häufigen Auftretens sind die Grundsätze der Behandlung dieser Verletzungen nicht nur für den Handchirurgen von großer Relevanz.

Fingerfrakturen und -luxationen treten im Alltag, aber vor allem bei sportlichen Aktivitäten, sehr häufig auf. Beispielsweise umfassen die Mehrheit der Langfingerverletzungen im Skisport die Kapselbandläsionen. Vor allem bei der Ausübung von Ballsportarten besteht ein erhebliches Risiko, sich eine Fingerverletzungen zuzuziehen. Fingergelenke sind bei Volleyballspielern als zweithäufigste Lokalisation von einer Stauchung betroffen. Auch im Handballsport gehören Fingerverletzungen zu den häufigsten Verletzungsfolgen. Sofern diese Verletzungen nicht fachgerecht behandelt werden, besteht das Risiko der Entwicklung chronischer Schmerzen sowie der Deformität der betroffenen Gelenke bis hin zur Einsteifung. Das Wissen um die korrekte Diagnose und die therapeutischen Optionen sind daher auch für den nicht speziell handchirurgisch tätigen Arzt von Interesse. Vor allem offene operative Verfahren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer frühzeitigen Arthroseentwicklung oder Gelenkdestruktion. Bänderverletzungen an der Hand treten am häufigsten als Begleitverletzung einer Luxation des proximalen Interphalangealgelenks (PIP-Gelenk) auf.

Anatomie

Das PIP-Gelenk ist ein Scharniergelenk, das eine Bewegung um ca. 120° in der sagittalen Ebene (Extensionflexion) ermöglicht. In der axialen und frontalen Ebene sind nur minimale Bewegungsausmaße möglich. Die Stabilität des Gelenks wird durch die kongruenten artikulierenden Gelenkflächen erreicht. Der bikondyläre konvexe Kopf der proximalen Phalanx artikuliert mit der bikonkaven Basis der mittleren Phalanx. Diese knöcherne Architektur stabilisiert das Gelenk bei Rotations- oder lateralem Stress. Die laterale Gelenkstabilität wird zusätzlich über die Kollateralbänder gewährleistet. Deren Ursprung befindet sich am Kopf der proximalen Phalanx. Das Ligamentum collaterale proprium zieht an die Basis der mittleren Phalanx, das akzessorische Kollateralband setzt an der palmaren Platte an. Ersteres ist in Extensionsstellung entspannt, während letzteres bei Flexion entspannt ist. Die palmare Platte schützt das PIP-Gelenk vor Hyperextension. Sie inseriert distal an der mittleren Phalanx, ihr dünner zentraler Anteil geht in das Periost der proximalen Phalanx über. Lateral erweitert sich die palmare Platte in die sogenannten Checkrein Bänder, die Ligamenta palmare logitudinale radiale und ulnare. Bei Riss der Kollateralbänder stabilisiert die palmare Platte das Gelenk zusätzlich in der Seitebene.

Diagnostik

Bei Erstvorstellung nach Trauma sollten zunächst der Unfallhergang und bestehende Fingerverletzungen eruiert werden. Bei der klinischen Untersuchung ist neben der Schwellung und dem Schmerz besonders eine sichtbare Gelenkdeformität zu beachten. Zudem sollte das Gelenk auf die Beweglichkeit bei Extension und Flexion sowie die Stabilität (Stabilität bei Hyperextension und -flexion sowie Stabilität der Seitenbänder) getestet werden. Häufig ist eine exakte klinische Untersuchung aufgrund der Schwellung und Schmerzen nicht vollständig möglich. Daher sollte zudem eine Röntgendiagnostik erfolgen, um zwischen einer Subluxation und der vollständigen Luxation zu unterscheiden und um begleitende Frakturen, wie beispielsweise den knöchernen Ausriss der palmaren Platte zu erfassen. Hierbei sollte neben den anterior-posterior und lateralen auch eine schräge Aufnahme erfolgen, um auch kleine Frakturen nicht zu übersehen.

Gelenkluxationen können nach dorsal, volar oder lateral erfolgen, je nachdem, wie die mittlere zur proximalen Phalanx steht. Am häufigsten luxiert das PIP-Gelenk nach dorsal. Eine dorsale Luxation entsteht durch axiale Krafteinwirkung kombiniert mit einer Hyperextension. Durch diesen Unfallmechanismus kann es neben einer Ruptur der palmaren Platte zu einem Abriss der Kollateralbänder und ggf. zu einem knöchernen Ausriss der palmaren Platte kommen.

Dorsale Luxationen lassen sich in 3 Stadien einteilen: stabil, eher instabil und instabil. Bei einer stabilen Luxation sind bei voller Beweglichkeit weniger als 30 % der Gelenkfläche betroffen, das heißt, 30 % der distalen Gelenkfläche stehen nicht mehr dem kongruenten Partner gegenüber. Bei der fraglich instabilen Luxation sind 30 – 50 % der Gelenkfläche betroffen, nach Reposition bleibt das Gelenk in einer Flexionsstellung von weniger als 30° stabil. Bei instabilen Luxationen sind hingegen mehr als 50 % der Gelenkfläche betroffen. Im Gegensatz dazu wird eine volare Luxation als stabil bezeichnet, wenn weniger als 50 % der Gelenkfläche betroffen sind und das reponierte Gelenk bei vollständiger Extension nicht erneut luxiert. Bei einer instabilen volaren Luxation sind mehr als 50 % der Gelenkfläche betroffen und bei vollständiger Extension luxiert das reponierte Gelenk erneut oder befindet sich in einer Subluxationsstellung.

 

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Aus der Zeitschrift: Sportverletzung Sportschaden 03/2017

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