• Wundinfektionen – Infektionsprävention in Unfallchirurgie und Orthopädie - Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme Verlag

     

Infektionsprävention in Unfallchirurgie und Orthopädie

In Deutschland führen postoperative Wundinfektionen die Liste der nosokomialen Infektionen an. Gründe hierfür gibt es viele, z. B. werden immer mehr ältere Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr und erhöhter Anfälligkeit operiert. Doch auch die Ausbreitung multiresistenter Erreger erhöht das Risiko. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie sich postoperative Wundinfektionen vermeiden lassen.

Bei derzeit deutschlandweit mehr als 16 Mio. chirurgischen Eingriffen pro Jahr ist das Vermeiden postoperativer Wundinfektionen („Surgical Site Infection“ = SSI) eine große Herausforderung. Denn Patienten mit SSI haben eine 60% höhere Wahrscheinlichkeit, auf der Intensivstation behandelt zu werden, eine höhere Mortalität sowie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer erneuten Krankenhausaufnahme. Hierdurch entstehen eine Mehrbelastung für die Versicherungssysteme von ca. 300 Mio. Euro und 614 000 zusätzliche Krankenhausbehandlungstage pro Jahr in Deutschland. Zugleich ist der Schutz des Patienten vor SSI ein essenzielles Qualitätsmerkmal für das operative Behandlungsergebnis.

Datenlage

Mit ca. 5 Mio. Eingriffen an den Bewegungsorganen liegen Orthopädie und Unfallchirurgie an der Spitze der Eingriffsstatistik chirurgischer Fächer. Bei mehr als 370 000 gelenkersetzenden Maßnahmen pro Jahr in deutschen Kliniken und einer SSI-Rate von 1 – 2% entstehen rein rechnerisch 3700 – 7400 behandlungsassoziierte Infektionen pro Jahr. Berücksichtigt man die erhöhte SSI-Rate von bis zu 5% in sogenannten Risikokollektiven (Wechseloperationen, durchgemachte Infektionen und andere), könnte die Zahl der SSI auf 18 500 ansteigen.

Nosokomiale Infektionen

1994 wurde die NIDEP 1 als 1. repräsentative bundesweite Studie zur Prävalenz von nosokomialen Infektionen (NI) in Deutschland durchgeführt. Die Prävalenz von NI betrug damals bei internistischen Patienten 3%, bei chirurgischen Patienten 3,8%, bei gynäkologisch-geburtshilflichen Patienten 1,5% und bei Intensivpatienten 15,3%. Für die Unfallchirurgie und Orthopädie werden seit 1996 die SSI nach festgelegten Tracer-OPs (Knie- und Hüftgelenkersatz, proximale Oberschenkelfrakturversorgung, Osteosynthese des Sprunggelenks, Hallux-valgus-OP, Spondylodese) im KISS ausgewertet.

Die nationale Punktprävalenzstudie 2011 zeigte für die Gesamtprävalenz der NI (3,4%) keine statistisch signifikante Änderung gegenüber NIDEP 1, jedoch ergab sich eine neue Rangfolge: SSI lagen mit 24,7% an der Spitze aller NI. Die Ursachen für diese Verschiebung dürften vielfältig sein. Es werden zunehmend ältere Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr und erhöhter Infektionsanfälligkeit operiert. Es werden Eingriffe durchgeführt, die aufgrund moderner Operationstechniken früher nicht möglich waren.

Multiresistente Erreger

Auch die Ausbreitung multiresistenter Erreger (MRE) erhöht das SSI-Risiko, weil ein Screening nur bei Vorliegen von Risikofaktoren vertretbar ist. Sofern eine Kolonisation mit MRE unbekannt bleibt, ist die Effektivität der perioperativen Antibiotikaprophylaxe (PAP) mit Cephalosporinen der 1. oder 2. Generation nicht gewährleistet. Zugleich haben MRSA-Träger (MRSA: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) ein signifikant höheres Risiko für eine postoperative MRSA-Infektion. Sicherlich trägt auch die strukturierte Erfassung von SSI im Rahmen von Qualitätssicherungsmaßnahmen zu dieser Verschiebung bei. Schließlich ist zu berücksichtigen, dass die Prävention von SSI einer Multibarrierenstrategie mit ca. 50 Einzelmaßnahmen bedarf und damit deutlich höhere Anforderungen an das Team stellt als die Prävention der nosokomialen Pneumonie und von Harnwegsinfektionen, die in der NIDEP-Studie in der Häufigkeit vor den SSI rangierten.

Risiko minimieren

In Praxen und Krankenhäusern bedarf es daher entsprechender personeller und struktureller Ressourcen sowie prozessualer Kenntnisse und Compliance aller an der Behandlung beteiligten Berufsgruppen, um die Behandlungsprozesse so risikoarm wie möglich zu gestalten. Eine SSI ist auch bei aseptischen Eingriffen und unter Berücksichtigung aller hygienischen Maßnahmen als nicht vermeidbares Risiko einzuordnen (weder ist die Haut im OP-Gebiet vollständig dekontaminierbar noch ist eine intra- und/oder postoperative Bakteriämie durch perioperative Antibiotikaprophylaxe sicher vermeidbar). Deshalb ist die Diskussion um „Vision Zero“ bzw. „Targeting Zero“ verantwortungslos, weil sie der Laienöffentlichkeit ein Ziel vermittelt, das nicht erreichbar ist. Zielsetzung ist dagegen sehr wohl die Nulltoleranz gegenüber Hygienemängeln.

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Wundinfektionen – Infektionsprävention in Unfallchirurgie und Orthopädie

Aus der Zeitschrift Krankenhaushygiene up2date 02/2017

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