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Künstliche Bandscheibe HWS

Die zervikale Bandscheibenendoprothetik kann sehr gute Ergebnisse erzielen, wenn präoperativ eine sorgfältige Abklärung erfolgt ist und die richtige Patientenselektion getroffen wird. Dieser Artikel soll als Hilfestellung dienen, die Indikation zur Versorgung mit einer zervikalen Bandscheibenprothese zu stellen, die Implantationstechnik als auch Komplikationsmöglichkeiten erläutern und einen Literaturüberblick über das Outcome nach Versorgung mit einer zervikalen Bandscheibenprothese geben.

Weltweit werden ca. eine Million Patienten pro Jahr aufgrund degenerativer Veränderungen operativ an der Wirbelsäule mit einem versteifenden Verfahren (Fusion) behandelt. Obwohl diese versteifenden Operationsverfahren somit weltweit etabliert, akzeptiert und sicher sind, werden die potenziellen Nachteile der „Versteifung“ von Seiten der Ärzte als auch der Patienten wiederholt kritisch diskutiert. Insbesondere wird kritisiert, dass die Fusion eines Bewegungssegmentes unphysiologisch sei und den Verlust der Beweglichkeit im betreffenden Bewegungssegment zur Folge hat. Es wird postuliert, dass diese segmentale Unbeweglichkeit zu einer Überlastung der benachbarten Bewegungssegmente führt, wodurch eine verfrühte Degeneration in den Nachbarsegmenten eintreten kann.

Bei monosegmentaler Fusion werden hohe Fusionsraten beschrieben, wobei aber als potenzielle Komplikationen das Implantatversagen, die Implantatsinterung und Ausbildung einer Pseudarthrose (insbesondere bei Stand-alone Cage-Implantation) mit nachfolgender Re-Kyphosierung und insuffizientem sagittalem Alignement beschrieben werden.

Eine Möglichkeit, diese Probleme zu vermeiden, stellt die Verwendung einer Bandscheibenprothese dar. Die Bandscheibenprothese soll nach operativer Entfernung der Bandscheibe und erfolgter Dekompression des Spinalkanals die Höhe des Segmentes bewegungserhaltend wiederherstellen, damit die Facettengelenke entlasten und zu einer foraminalen Dekompression beitragen. Es wird postuliert, dass durch die erreichte Wiederherstellung des sagittalen Profils bei erhaltener segmentaler Beweglichkeit die Degeneration der Anschlusssegmente verlangsamt oder sogar verhindert werden kann.

Die Erstbeschreibung einer Bandscheibenprothese wird Fernström zugeschrieben, der 1966 die Implantation einer Edelstahlkugel in den Bandscheibenraum beschrieb, obwohl Reitz und Joubert bereits 1964 eine Studie über 75 Implantationen eines Bandscheibenersatzes veröffentlichten. Die Implantation dieser ersten einfachen „Bandscheibenprothese“ war mit vielen Problemen wie z. B. Hypermobilität und Sinterung behaftet.

Nach Weiterentwicklung des Prothesendesigns galten Bandscheibenprothesen zur Jahrtausendwende als große Hoffnungsträger. Es wurden viele verschiedene Modelle von unterschiedlichen Herstellern, insbesondere an der Lendenwirbelsäule verwendet. Der Hype der Bandscheibenprothesen wurde jedoch durch hohe intraoperative und postoperative Komplikationen aufgrund der anspruchsvollen Operationstechnik als auch durch ernüchternde klinische Ergebnisse gedämpft, sodass insbesondere die lumbale Bandscheibenendoprothetik zunehmend kritisch betrachtet wurde.

Durch die daraufhin intensivierte Forschungs- und Entwicklungsarbeit von Medizinern und Industrie konnte in den letzten 10 Jahren Einiges am Design, der Funktionalität und der Implantationstechnik insbesondere der zervikalen Bandscheibenprothesen verändert werden. Die modernen zervikalen Bandscheibenprothesen bestehen in der Regel aus einer Metall-Kunststoff- (ultrahochmolekulares Polyethylen) Gleitpaarung. Nur bei wenigen Prothesen kommt eine Gleitpaarung „metal-on-metal“ zum Einsatz.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Künstliche Bandscheibe HWS

Aus der Zeitschrift Die Wirbelsäule 04/2018

 

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