• Orthopädische Untersuchung des Fußes © Robert Przybysz - Fotolia.com

     

Die orthopädische Untersuchung des ausgewachsenen Fußes

Wie bei allen Körperregionen sind die ausführliche Anamnese und die klinische Untersuchung des Fußes zur Diagnosefindung und zur Einleitung einer weiterführenden Diagnostik unabdingbar. Die zahlreichen anatomischen Strukturen des Fußes sind der manuellen Untersuchung durch den gering ausgeprägten Weichteilmantel gut zugänglich. Dazu sind differenzierte und fundierte anatomische Kenntnisse unbedingt erforderlich sowie die Untersuchungserfahrung, um einen Normbefund von einer pathologischen Auffälligkeit unterscheiden zu können. Obligat ist auch die Untersuchung der nicht betroffenen Gegenseite. Zur zielführenden Diagnostik gehört ein strukturiertes Vorgehen.

Dieses Update soll dazu beitragen, eine Untersuchungsabfolge nachvollziehbar durchführen zu können, um zur richtigen Diagnose zu gelangen oder bei unklaren Fällen die Fülle der Möglichkeiten einschränken zu können.

Abkürzungen

CC: Calcaneocuboid
D: Digitus
DIP: distales Interphalangealgelenk
HV: Hallux valgus
HZ: Hammerzehe
IM-Winkel: Intermetatarsalwinkel zwischen den Metatarsalia
IP: Interphalangealgelenk
MT: Metatarsale
MTP: Metatarsophalangealgelenk
NC: Naviculocuneiform
OSG: oberes Sprunggelenk (Tibiotalargelenk)
PIP: proximale Interphalangealgelenk
TC: Subtalargelenk (Talokalkaneargelenk)
TMT: tarsometatarsal
TN: talonavikular
USG: unteres Sprunggelenk (TC, TN, CC)

Begriffsbestimmung

Die bei der Untersuchung des Fußes relevanten Begriffe sind in Tabelle 1 definiert.

Begriff Definition 
Spreizfuß    Verbreiterung des Vorfußes durch fächerförmige Aufspreizung des 1. und 2. Mittelfußknochens mit Vergrößerung des Intermetatarsalwinkels I zu II von > 12°
Hallux valgus HV  Fehlstellung der in sich geraden Großzehe im Großzehengrundgelenk durch lateralisierenden Zug der Extensor- und Flexorsehnen bei Spreizfuß
Hallux valgus interphalangeus
  Fehlstellung der Großzehe im Großzehengrundglied bzw. dem Interphalangealgelenk mit lateraler Achsenabweichung
Hallux rigidus
HR Einsteifung des Großzehengrundgelenks bei fortgeschrittener Arthrose
Hallux limitus
HL Bewegungseinschränkung des Großzehengrundgelenks bei beginnender oder mittelgradiger Arthrose und/oder Elevation des Metatarsale I
Hammerzehe
HZ flexible oder rigide Flexion im PIP bei Überstreckung im DIP mit (Sub-)Luxation im MTP
Klauenzehe   flexible oder rigide Flexion im PIP bei Überstreckung im DIP mit (Sub-)Luxation im MTP 
Krallenzehen   flexible oder rigide Flexion im PIP und DIP mit (Sub)Luxation im MTP, fehlender Bodenkontakt der Zehenkuppe 
Mallet-Zehe   flexible oder rigide Flexion im DIP 
Curly Toe   nach medial eingerollte, meist noch flexible Zehe im DIP (häufig D IV, V) 
Schneiderballen  Bunionette  spiegelbildliches Gegenstück des Hallux valgus mit vergrößertem Intermetatarsalwinkel IV zu V in Kombination mit einem Digitus quintus varus 
Knick-Senk-Fuß  Pes planovalgus  planovalgus
Abflachung des Längsgewölbes
Rückfußvalgus
medioplantare Ausrichtung des Talus 
Hohlfuß Pes cavus/Pes excavatus  Überhöhung des Längsgewölbes
Rückfußvarus 
Pes metatarsus adductus    Adduktionsstellung der Metatarsalia (meist MT I, II, III, IV, selten auch MT V) 
Sichelfuß  Pes adductus  Pes metatarsus adductus mit Rückfußvarus 
Chopart-Gelenk    tarsotalare Gelenke (talonavikular und kalkaneokuboid) 
Lisfranc-Gelenk    Tarsometatarsalgelenke I–V 

Anamnese

Am häufigsten führt die Patienten der Schmerz zur Vorstellung beim Arzt. Allerdings sind auch nicht schmerzhafte angeborene oder erworbene Fehlstellungen mit einer kontinuierlichen oder plötzlichen Veränderung der Fußform Anlass, die Expertise eines Spezialisten einzuholen.

CHECKLISTE
ANAMNESE BEI SCHMERZEN 

  • Seit wann? (akut/chronisch)
  • Schmerzlokalisation
  • kontinuierlich/intermittierend
  • zunehmend/abnehmend
  • Schmerzcharakter?
  • stechend
  • spitz
  • dumpf
  • punktuell
  • flächig
  • ausstrahlend
  • kribbelnd
  • brennend
  • Anlaufschmerz
  • Belastungsschmerz
  • Bewegungsschmerz
  • Ermüdungsschmerz
  • Ruheschmerz
  • Nachtschmerz

Oft hat man nach der Anamneseerhebung schon eine Verdachtsdiagnose bzw. es stellt sich die grobe Richtung der Problematik dar.

CHECKLISTE
EIGENANAMNESE DES PATIENTEN

  • Fehlstellung angeboren/erworben
  • Trauma einmalig/rezidivierend
  • Trauma direkt/indirekt
  • Unfallhergang akut/länger zurückliegend
  • Vorbehandlung konservativ (welche? wann?)
  • Voroperationen (welche? wann?)
  • Sozialanamnese
  • Beruf
  • Sport (Sportart, Trainingsumfang)
  • Begleiterkrankungen (Diabetes mellitus, Rheuma, Gicht, neurologische Erkrankungen etc.)
  • Medikamente
  • Schuhe/Schuhzurichtungen
  • Einlagen
  • Gehhilfe
  • Bandagen, Schienen

PRINZIPIEN
VERDACHTSDIAGNOSE 
Es ist sinnvoll, die Verdachtsdiagnose dem Patienten jedoch noch nicht mitzuteilen, damit man sich selber alle Möglichkeiten offenhalten kann, den ersten Eindruck durch die folgende Inspektion und körperliche Untersuchung zu erhärten oder zugunsten einer Differenzialdiagnose zu verwerfen.

Inspektion

Die seitenvergleichende Inspektion des Fußes beginnt mit der Beobachtung des Patienten beim Eintreten. Es schließt sich die Untersuchung unter Belastung am stehenden Patienten, danach im Liegen (Sitzen) an. Dazu sollten immer beide Füße und Beine bis mindestens bis zum Knie sichtbar sein (Hose hochkrempeln). In einigen Fällen ist das Freimachen des gesamten Beins wichtig, d. h. Hose, Strumpfhose, Stützstrümpfe ausziehen, alle Verbände und Pflaster entfernen.

Zeitmangel sollte kein Grund sein, auf die Inspektion und Untersuchung beider Füße im Seitenvergleich zu verzichten.


Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Die orthopädische Untersuchung des ausgewachsenen Fußes

Aus der Zeitschrift Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 6/2015

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