Wie hoch ist das Risiko einer Gewebeschädigung?

Bei Sportlern mit Verstauchungen des Sprunggelenks ist häufig das vordere Ligamentum ibulotalare betrofen. Nur wenige größere MRT-Studien beschreiben die Schädigung der angrenzenden Strukturen. F. W. Roemer et al. führten eine Studie durch, in der die MRTs von akuten Verstauchungen des Sprunggelenks ausgewertet wurden.

Einleitung

Schädigungen des vorderen ibulotalaren Ligaments, dem schwächsten der 3 lateralen Knöchelligamente, sind vor allem bei Fußballspielern eine häuige Ursache für Fehlzeiten. Als Konsequenz der Verstauchung des Sprunggelenks treten weitere strukturelle Schädigungen auf, so die des medialen Ligamentkomplexes oder ossäre Läsionen. Daten zur Prävalenz dieser zusätzlichen Befunde sind allerdings rar, da MRTs nicht routinemäßig zur Bewertung von Verstauchungen des Sprunggelenks eingesetzt werden. Die Autoren stellten fest, dass in fast 70 % der Fälle geringgradige, partielle oder komplette Schädigungen am lateralen Ligamentkomplex vorlagen.

Ziel der retrospektiven Studie war es, die strukturellen Verletzungsmuster bei Athleten festzustellen, die sich wegen Verstauchungen des Sprunggelenks einer MRT unterzogen. Weiterhin wollten sie das Risiko der Begleitverletzung umgebender Gewebestrukturen bestimmen.

Material und Mehtode

Insgesamt werteten die Autoren 261 Scans von einheimischen Athleten mit akuten Verstauchungen des Sprunggelenks aus. Dabei bewerteten sie die Verletzungsmuster der lateralen und syndesmotischen Ligamente, damit einhergehende Verletzungen des Ligamentum deltoideum und der Sprungbandstrukturen sowie des Sinus tarsi, Schädigungen der Flexoren, der Peroneussehne und des Extensor retinaculum. Weiterhin evaluierten sie traumatische und nichttraumatische
osteochondrale und knöcherne Veränderungen an der Struktur des Tarsus sowie Gelenkergüsse.

Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 22,5 ± 4,9 Jahren. 88,1 % waren Männer, vorwiegend aus einem Fußballclub (84,7 %). Die durchschnittliche Zeit von der Verletzung bis zur Durchführung eines MRTs betrug 5,7 ± 4,8 Tage. Ausgehend von einer Beteiligung der lateralen Ligamente und der Syndesmosebänder (Syndesmosis tibioibularis; tibioibulare Ligamente), deinierten die Forscher verschiedene Verletzungsmuster. Das Risiko von Begleitverletzungen bestimmten sie mittels logistischer Regression. Sie setzten Knöchel mit keinen oder nur geringgradigen Verletzungen der lateralen Ligamente und keinen Schäden an den Syndesmosebändern als Referenz ein.

Ligamentum ibulotalare anterius häuig vollständig rupturiert

Hinsichtlich der Verletzungsmuster fanden sich 105 Knöchel (40,2 %) mit keinen oder geringgradigen Verletzungen der lateralen Ligamente (Außenbänder). 103 Knöchel (39,5 %) mit einer vollständigen Ruptur des vorderen Ligamentum ibulotalare ohne syndesmotische Schädigungen. 53 Knöchel (20,3 %) wiesen syndesmotische Verletzungen mit oder ohne Schäden an den Außenbändern auf. Bei 20 Sprunggelenken (7,7 %) fanden die Untersucher akute osteochondrale Läsionen der lateralen Taluswölbung. 1,1 % der Scans zeigten chronische laterale osteochondrale Läsionen. Das Risiko talarer Knochenläsionen erhöhte sich bei Knöcheln mit kompletten lateralen Ligamentrupturen um mehr als das 3-fache (adjustiertes Chancenverhältnis aOR: 3,43), jedoch nicht bei verstauchten Knöcheln, bei denen die Syndesmose involviert war. Das Risiko von damit einhergehenden Verletzungen des Ligamentum deltoideum nahm im Vergleich zu Patienten mit keinen oder nur geringgradigen Verletzungen bei Knöcheln mit kompletter Schädigung der Außenbänder zu (aOR: 4,04).

Fazit

Zusammengefasst ergibt sich, dass etwa 20 % der hier untersuchten Scans von Athleten mit akuten Verstauchungen des Sprunggelenks syndesmotische Schädigungen, unabhängig von einer Beteiligung der lateralen Ligamente, aufwiesen. Dahingegen zeigten mehr als die Hälfte Verletzungen der lateralen Ligamente ohne Beteiligung der Syndesmose. Gleichzeitige treten häuig osteochondrale Schädigungen des Talus und Verletzungen am Ligamentum deltoideum auf. Unter den Begleitverletzungen war die talare Kontusion der häuigste Befund. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Rolle talarer Kontusionen hinsichtlich der Entwicklung posttraumatischer chronischer osteochondraler Läsionen weiterer Untersuchungen bedarf.

Sports Med 2014; 42: 1549–1557

 

Erschienen in