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Entzündungsreaktionen aus Sicht der Osteopathie

Dieser Artikel scheint auf den ersten Blick wenig mit der Osteopathie zu tun zu haben, er behandelt jedoch ein ganz zentrales Thema unserer täglichen Arbeit: Wenn wir auf das Gewebe Druck oder Zug ausüben, haben wir häufig gar keine Vorstellung von all den Mechanismen, die unter unseren Händen ablaufen. Am Beispiel des Entzündungsprozesses wollen wir aufzeigen, welche Ebenen unsere Hände beeinflussen können.

Die Organisation des Körpers, die über Jahrmillionen Schritt für Schritt in ihrer Komplexität zugenommen hat, ist als wundersam zu bezeichnen. Die ersten lebenden Zellen bewegten sich frei in ihrer damaligen Umgebung, wogegen sich die Zellen in unserem Körpergewebe nicht in dem Maße bewegen können und darauf angewiesen sind, dass sich ihre flüssige Umgebung um sie herum bewegt. Es ist sicherlich kein Zufall, dass die Konzentration der Mineralsalze im Meerwasser und die unserer interstitiellen Flüssigkeit nahezu identisch sind. Wir tragen also den urzeitlichen Ozean in uns, und ein erheblicher Teil unserer täglichen Arbeit richtet sich an genau diesen inneren Ozean und sein ungehindertes Strömen um die Zellen. Still riet uns, immer ein lebendiges Bild vor Augen zu haben, wenn wir unsere Hände an den Patienten legen. Diese Bilder waren und sind immer noch die der menschlichen Anatomie. Doch die moderne Wissenschaft liefert uns durch die Histoanatomie noch feinere und präzisere Bilder. Daher möchten wir uns nun insbesondere den Entzündungsprozess auf der Zellebene anschauen und darstellen, wie unsere Hände ihren Einfluss von der Oberfläche der Haut bis tief hinein in den Zellkern ausdehnen können.

Entzündung und Gewebeflüssigkeit
Wir möchten die Entzündungsmechanismen und -kontrolle im Zusammenhang mit den Gewebsflüssigkeiten und ihrer Dynamik beleuchten. Dabei ist es auch wichtig, auf die Überschneidungen hinzuweisen, die zwischen dem Entzündungsgeschehen und der Manuellen Medizin vorliegen, z. B. bei der Tensegrity, Biotensegrity, ebenso im Hinblick auf die mechanische Spannungsweiterleitung, auf die Faszien und Fibroblasten.

Die Entzündungsreaktion ist der „Werkzeugkasten“, den der Körper dazu nutzt, während einer endogenen oder exogenen Aggression die Homöostase zu bewahren. Sie hat sowohl alarmierende als auch kontrollierende Aspekte und schließt verschiedene, spezifisch geordnete Interaktionen zwischen Zellen und gelösten Stoffen ein. Die Reihenfolge der an der Entzündungsstelle ankommenden Zellen ist dabei abhängig von der Art sowie dem Ort des auslösenden Ereignisses und von der Migrationsfähigkeit der Zellen selbst. Die im Gewebe anwesenden Stoffe, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen, sind u. a. unspezifische Faktoren (H+, K+, Entzündungsfaktoren wie Zytokine und Histamin) sowie spezifische Antikörper.

Schauplatz der Entzündung ist das vaskularisierte Gewebe, vielmehr das Bindegewebe (Faszien). Die Faszien, die stark vernetzt, locker, fett oder straff sein können, haben mechanische, nutritive, synthetisierende und immunologische Funktionen, die eng miteinander verknüpft sind und nur aus didaktischen Gründen einzeln betrachtet werden. Alle Faszien bestehen aus denselben histologischen Strukturen: aus der Grundsubstanz, aus Fasern (Kollagen, Elastin, Retikulin) und Zellen (Fibroblasten, Makrophagen, Mastzellen, Plasmazellen, weiße Blutzellen, Adipozyten).

In den 1990er-Jahren beschrieb Ingber den Weg der Mechanotransduktion, den Prozess also, bei dem mechanische Energie in elektrische oder biochemische Signale umgewandelt wird (Spannungsweiterleitung): Dabei setzt sich Zug oder Druck auf der Haut (Makroumgebung) durch die extrazelluläre Matrix fort in Zug oder Druck an der Plasmamembran (Mikoumgebung), die wiederum mit dem inneren Zytoskelett in Verbindung steht und diesen mechanischen Reiz bis tief in den Zellkern überträgt, wo mechanosensitive Gene ein Signal erhalten und ausgelesen werden (Nanoumgebung). Letztendlich zeigt Ingber durch seine Anwendung des Tensegrity-Modells auf die Architektur lebenden Gewebes, dass mechanischer Stress in den Faszien die Chemie des Körpers beeinflusst.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Entzündungsreaktionen aus Sicht der Osteopathie

Aus der Zeitschrift: DO - Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 03/2015

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