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Palpation zwischen Struktur und Energie

Qualität und Informationsgehalt palpatorischer Befunderhebung sind abhängig von der Bereitschaft, subjektive, sich aus Transsensus und nonverbaler Interaktion ergebende Informationsebenen ernst zu nehmen und zu erschließen. Aus der Erfahrung der Ortho–Bionomie lohnt es, die Wahrnehmung eigener Interaktionsreaktionen im Kontakt mit den Patienten als Informationsquelle zu schulen. Eine vom Intellekt gesteuerte Fokussierung und die Analyse der Eindrücke eröffnen neue Kausalitäten und Therapiewege.

Palpation ist eine Kunst. Unsere palpatorischen Fähigkeiten wachsen und differenzieren sich ein Leben lang. Die Erfahrung als Ausbilder zeigt, dass die palpatorische Information nicht nur eine Frage der Sensorik ist. Es gibt keinen Grund, warum nicht alle gesunden Menschen einen annähernd gleich guten Tastbefund erheben sollten.

Palpation – eine Frage der Begriffsbildung

Es ist oft der Mangel an Begriffsbildungen, der uns daran hindert, die wahrnehmbaren bzw. die wahrgenommenen Informationen zu differenzieren und bewusst zu machen. Ohne eine sprachliche, damit auch begriffliche Unterscheidung kann sich die Wahrnehmung fein differenzierter Informationen nicht weiterentwickeln.

„Information ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht.” Dieser Satz aus der systemischen Wirtschaftstheorie lässt sich auf unsere Arbeit übertragen. Die Palpationsbefundung hängt ab von einer gelungenen intellektuellen Zuordnung sensorischer Wahrnehmungen.

Den Rahmen unserer Fähigkeit, Reizinformationen bewusst zuzuordnen, bilden kulturelle, psychische und weltanschauliche Faktoren.

Einige Beispiele: Bei normalem Hörvermögen ist es einem Deutschen kaum möglich, bedeutunggebende Klangfärbungen chinesischer Wörter zu hören, weil er nicht weiß, was er hören soll. Ähnliches gilt für die Palpation. Spezifische Stress– und Traumawahrnehmungen unter der Palpation (s.u.) werden im Rahmen einer Gegenübertragung oder aus weltanschaulichen Gründen instinktiv ausgeblendet. Unter weltanschaulich verstehe ich hier unser individuelles Bild von der Wirklichkeit. Was aus „wissenschaftlichen Gründen” nicht plausibel ist, was nicht sein darf, wird ausgeblendet.

Der letzte Faktor ist bedeutsamer, als es viele realisieren oder zugeben möchten. Manche beschränken die Palpation auf sog. objektive Befunde. Damit glauben sie sich in „der wissenschaftlichen Gemeinde” einen Rest von Anerkennung erhalten zu können. Subjektive Wahrnehmungsanteile werden nicht registriert, negiert und dadurch einer qualitativen Interpretation entzogen. Die objektiven Befunde decken nur ein geringes Spektrum unserer palpatorischen Möglichkeiten ab. Bei Überschreiten der Grenze des objektiven Befundes tun häufig die Beteiligten so, als ob der subjektiv, interaktiv erhobene Befund etwas Objektives sei wie z. B. die objektive Palpation des Ligamentum coronarium dexter.

Qualitativ, also subjektiv erhobene, klinisch relevante Informationen als objektiven Palpationsbefund zu bezeichnen, ist zwar psychologisch verständlich, führt aber zu kaum auflösbaren Verwirrungen. Das Verdrängen dieser sehr realen Situation erschwert es jüngeren Therapeuten, ihre Palpationsfähigkeiten gezielt und zugleich selbstkritisch zu verfeinern.

Ich möchte Sie zu einem Versuch mit einem Partner einladen. Das Erleben ist erhellender als viele Worte.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Palpation zwischen Struktur und Energie

Aus der Zeitschrift: DO - Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 02/2009

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