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Deutschlandweites Vergiftungsspektrum im Kindes- und Jugendalter

Hintergrund

Akute Vergiftungsfälle machen ca. 5–10% der Notfalleinsätze in Deutschland aus, wobei in ungefähr der Hälfte der Fälle Kinder und Jugendliche betroffen sind. Nicht selten ist die erste Anlaufstelle besorgter Eltern der behandelnde Kinderarzt, in dessen Verantwortlichkeit die Entscheidung über das weitere Vorgehen liegt. Umso wichtiger ist für den Pädiater das Wissen um die in der Altersgruppe<18 Jahre häufigsten Noxen, deren Risikoeinschätzung und Initialtherapie. Darüberhinaus kommt dem Pädiater auch eine wichtige Rolle bei der Aufklärung der Eltern seiner Patienten über primär- und sekundärpräventive Vorkehrungen zu, die gerade in der Gruppe der (Vor-)Schulkinder einen Hauptansatzpunkt darstellen, um die Anzahl der Vergiftungen zu verringern oder deren Schwere in ihrem Verlauf zu mildern. Verfahren der primären Giftentfernung dienen der Verringerung bzw. Verhinderung der Giftresorption und orientieren sich nach der Aufnahmepforte des Giftes. Im Falle einer oralen Giftaufnahme ist die nebenwirkungsarme Gabe von 0,5–1 g/kg Körpergewicht Aktivkohle das Mittel der ersten Wahl – sofern die aufgenommenen Giftstoffe an Aktivkohle binden. Alkohole, Säuren, Laugen, Metalle und anorganische Ionen werden nicht ausreichend von Aktivkohle absorbiert und stellen damit die seltene Ausnahme dar, bei der eine Kohlegabe nicht sinnvoll ist. Demgegenüber bleibt das Auslösen von Erbrechen wie auch die Magenspülung angesichts möglicher schwerer Nebenwirkungen (z. B. Aspiration, Pneumonie), wenigen Ausnahmefällen unter strenger Indikationsstellung nach Rücksprache mit einer Giftnotrufzentrale (GIZ) vorbehalten. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Homepage der Gesellschaft für Klinische Toxikologie www.klinitox.de verwiesen, auf der die Kontaktdaten sämtlicher GIZen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz aufgeführt sind. Nach der zunächst symptomatischen Sicherung der Vitalfunktionen gemäß dem in dargestellten ABC(DE)-Schema nimmt in der Präklinik die Asservierung potentiell ingestierter Noxen (z. B. Tablettenblister, Gefäße von Putz-Reinigungsmitteln, Pilzreste, usw.) sowie die Antidottherapie eine zentrale Stellung ein. Diese kann – abhängig von der eingenommenen Substanz und dem klinischen Bild – nach Rücksprache mit einer GIZ (hier: Angabe von Alter, Körpergewicht des Patienten/Kindes, sowie Art, Menge und Zeitpunkt der Aufnahme der toxischen Substanz) sowohl innerklinisch von ärztlichem Personal, im Falle einfach zu handhabender und nebenwirkungsarmer Antidota, wie Aktivkohle und Entschäumer, aber auch präklinisch von Laien oder (geschulten) Ersthelfern verabreicht werden.

Rationale und Zielsetzung der vorliegenden Arbeit

Derzeit existieren in Deutschland GIZen in Berlin, Bonn, Erfurt, Freiburg, Göttingen, Homburg, Mainz und München. Seit 1995 sind alle GIZen aufgrund des Beschlusses des Europarates (Resolution 90/C329/03, rev. 24.11.95) angehalten, als Datengrundlage für länderübergreifende Verbraucherschutzinitiativen jährliche Berichte über ihre Tätigkeit zu erstellen.

Ziel der aktuellen Untersuchung ist es, über einen Zeitraum von 5 Jahren (2012–2016) retrospektiv Daten zu Vergiftungsfällen bei Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen GIZen Deutschlands überregional auszuwerten. Zusätzlich zu allgemeinen Basisdaten der Vergiftung sollen dabei altersgruppenspezifisch die häufigsten Noxen identifiziert und exemplarisch Therapieempfehlungen für besonders häufige Vergiftungen gegeben werden. Schließlich soll eine isolierte Auswertung der Münchner Datenbank über einen längeren Zeitraum von 2002 bis 2016 im Hinblick auf die jährlichen Anruferzahlen sowie das Vorhandensein klinischer Symptome ungeachtet deren Schweregrades einen längerfristigen zeitlichen Verlauf dieser Parameter aufzeigen.

Methoden

Für die vorliegende retrospektive Datenerhebung wurden Daten aus 6 GIZen in München, Berlin, Erfurt, Göttingen, Homburg (nur die Jahre 2013–2016) und Mainz ausgewertet. Mittels einer Datenbankabfrage wurden jeweils für definierte Altersgruppen (Säuglinge≤12 Monate, Klein- und Vorschulkinder ab 13 Monate bis≤6 Jahre, Schulkinder ab 7 Jahre bis≤13 Jahre, Jugendliche ab 14 Jahre bis≤17 Jahre) Geschlecht, Akuität der Vergiftung, Ätiologie der Vergiftung, Ingestionsweg und Schweregrad, sowie eine Auflistung aller beteiligten Hauptnoxen mit ihrer Häufigkeit erhoben. In die Abfrage wurden alle Fälle eingeschlossen, bei denen das Alter der betroffenen Person<18 Jahren war. Zusätzlich hierzu wurde für die GIZ München die Anzahl der Anrufe zu den Altersgruppen<18 Jahre im Zeitraum von 2002–2016 mit Angabe der Anrufergruppe (Laien, Kliniken, niedergelassene Ärzte, Rettungsleitstellen, Apotheken oder Sonstige (z. B. Altenheime, Behinderteneinrichtungen, Polizei, Medien, Militär usw.)) und mutmaßlichem Schweregrad der Symptomatik abgefragt.

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Aus der Zeitschrift Klinische Pädiatrie Ausgabe 04/2018

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Quelle

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