• Ertrinkendes Kind

     

Ertrinkungsunfälle bei Kindern und Jugendlichen

Ertrinkungsunfälle bei Kindern und Jugendlichen sind durch eine besondere Ambivalenz gekennzeichnet.

Auf der einen Seite gehören sie zu den tragischsten Situationen der pädiatrischen Notfall- und Intensivmedizin, in denen die Betroffenen – oft bedingt durch einen kurzen Moment der Unachtsamkeit bei den verantwortlichen Betreuungspersonen und noch dazu in einem Kontext, der eigentlich durch Spiel und Spaß gekennzeichnet sein sollte – zu schwerem Schaden kommen; denn trotz moderner Intensivmedizin besteht hier weiterhin ein hohes Risiko für Tod oder bleibende Behinderung.

Auf der anderen Seite gibt es vor allem im Kleinkindesalter immer wieder Fälle, in denen die Geretteten trotz hoffnungslos erscheinender Ausgangsbedingungen – insbesondere nach sehr langen Submersionszeiten in eiskalten Gewässern – dennoch unversehrt oder weitgehend unversehrt überleben; solche „an ein Wunder grenzenden“ Fälle lassen sich mit bestimmten pathophysiologischen Besonderheiten in dieser Altersgruppe erklären.

Auf die Besonderheiten von Ertrinkungsunfällen im Kindes- und Jugendalter und die daraus resultierenden Konsequenzen für die notfallmedizinische Versorgung soll im Folgenden – neben vielen anderen, auch für das Erwachsenenalter gültigen Aspekten – schwerpunktmäßig eingegangen werden.

Epidemiologie

Im Jahr 2014 wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Global Report on Drowning veröffentlicht, der unter das Motto „preventing a leading killer“ gestellt wurde. Zu den dort dokumentierten Key Facts (s. a. Infobox) gehört, dass weltweit 350 000 – 400 000 Ertrinkungstote pro Jahr zu beklagen sind, womit das Ertrinken zu den 10 häufigsten Todesursachen zählt. Dabei ist die Häufigkeit in Entwicklungs- und Schwellenländern etwa 3× so hoch wie in den einkommensstarken Industrienationen, wo immerhin noch eine jährliche Inzidenz tödlicher Ertrinkungsunfälle von ca. 2 auf 100 000 Einwohner angenommen wird.

Über die Hälfte der Ertrinkungsopfer sind unter 25 Jahre alt, wobei eine zweigipflige Altersverteilung mit einem ersten Maximum im Kleinkindes- und einem zweiten im Adoleszenten- bzw. jungen Erwachsenenalter zu beobachten ist; das erste ist durch den für dieses Alter charakteristischen Erkundungsdrang, das zweite durch die ebenfalls alterstypische Selbstüberschätzung zu erklären. In der westlichen Welt steht das Ertrinken damit an 2. Stelle der tödlichen Unfälle bei Kindern und Jugendlichen.

Generell besteht eine ausgeprägte „Knabenwendigkeit“, d. h. dass männliche Personen doppelt so häufig betroffen sind wie weibliche, was sich bemerkenswerterweise nicht nur auf das Adoleszenten- und junge Erwachsenenalter, sondern auch schon auf das Kleinkindesalter bezieht.

Bei heranwachsenden und (jungen) Erwachsenen gehört der Alkoholkonsum im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten am Wasser zu den wichtigsten Risikofaktoren für Ertrinkungsunfälle. Da sich solche Aktivitäten in den mittleren Breiten naturgemäß hauptsächlich während der Frühjahrs- und Sommermonate abspielen, liegt hier auch ein saisonaler Gipfel solcher Unfallereignisse.

In Deutschland lag die Zahl der Ertrunkenen laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) im Jahr 2016 auf dem höchsten Stand seit 10 Jahren. Als besondere Risikogruppe erwiesen sich dabei jugendliche Migranten, die aufgrund fehlender oder ungenügender Schwimmkenntnisse und mangelnden Verständnisses der oft nur auf Deutsch formulierten Baderegeln verunglückten, was zu einer Vielzahl höchst dramatischer Situationen auf den pädiatrischen Intensivstationen führte.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Ertrinkungsunfälle bei Kindern und Jugendlichen

Aus der Zeitschrift: Pädiatrie up2date 04/2018

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