• Hüftdysplasie

    Dysplasie-Koxarthrose

     

Update Hüftreifungsstörung – Diagnostik und Behandlung

Die Hüftdysplasie ist die häufigste angeborene Störung des Bewegungsapparates und stellt eine relevante Ursache für die körperliche Behinderung im Kindes- und Erwachsenenalter dar. Durch die Sonografie ist es möglich, den Zeitpunkt der Diagnose in die ersten Lebenstage zu verschieben und somit früh mit der Behandlung zu beginnen. Dieser Beitrag stellt neue Erkenntnisse in der Diagnostik und Behandlung der Hüftreifungsstörung vor.

Der im deutschen Sprachraum verwandte Begriff der kongenitalen Dysplasie ist inkorrekt: Es handelt sich hierbei nicht um eine Missbildung, sondern um eine Reifungsstörung – also um einen Fehler in einem dynamischen Prozess. Folgerichtig ist inzwischen international der Begriff der „developmental dysplasia of the hip“ (DDH) gebräuchlich. Die DDH ist eine relevante Ursache für die körperliche Behinderung bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen. Unterschiedliche Schweregrade der DDH führen zu unterschiedlichen klinischen Symptomen. Eine schwere Dysplasie mündet bereits im Kindesalter oftmals in eine Luxation. Milde Formen hingegen verursachen oft erst im Erwachsenenalter Abnützungserscheinungen und Schmerzen, wobei aufgrund fehlender Langzeitstudien ein solcher Zusammenhang noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist. Schätzungen zufolge sind 9% aller Hüftgelenksersatz-Operationen wegen vorbestehender DDH notwendig – in der Altersgruppe unter 60 Jahre sogar 29%.

Früher wurde die Diagnose primär mittels klinischer und radiologischer Methoden gestellt. In den letzten 40 Jahren hat sich jedoch mit der Anwendung der Sonografie sukzessive eine Methode entwickelt, welche die Zuverlässigkeit erheblich verbessert hat und es erlaubt, den Zeitpunkt der Diagnose in die ersten Lebenstage zu verschieben. Das ermöglicht somit auch einen früheren Behandlungsbeginn. Untersuchungen haben gezeigt, dass Hüftgelenke in den ersten Lebenswochen ein erhebliches Nachreifungspotenzial aufweisen. Dieser Umstand macht es plausibel, dass ein früher Therapiebeginn zu einer kürzeren Behandlungsdauer führt.

Die weltweit unterschiedlichen diagnostischen und therapeutischen Algorithmen und Richtlinien erschweren die Interpretation von Studien und Publikationen. Hinzu kommen diskursive Beurteilungen in Bezug auf die Wertung von Screeningprogrammen (Methode, generell – selektiv) und deren Wirtschaftlichkeit. Im deutschsprachigen Raum hat sich bezüglich der Diagnostik die Ultraschallmethode von Prof. Reinhard Graf etabliert. Sie überzeugt durch:

  • einfache Anwendung
  • Möglichkeit der Quantifizierung der DDH
  • hohe Reproduzierbarkeit

Neue pro- und retrospektive Untersuchungen im Rahmen eines Hilfsprojektes in der Mongolei haben bestehende Erkenntnisse nicht nur ergänzt, sondern auch – bezüglich Diagnostik und Therapie – zu Vereinfachungen angeregt, die der genannten internationalen Diskussion neue Impulse gibt. Dies führt dazu, dass das konservative Management der DDH zunehmend in pädiatrische Hände übergeht.

Anatomie
Das Hüftgelenk ist die bewegliche Verbindung des Femurs mit dem Becken. Es besteht aus einer Gelenkpfanne und dem nussförmigen Femurkopf, welcher zentral durch das kräftige Lig. capitis femoris verankert ist. Ossär wird die Gelenkpfanne durch Os ilium, ischiadicum und pubis gebildet. Sie ist mit einer Knorpelschicht ausgekleidet (Facies lunata), welche kranial von einer Faserknorpellippe (Labrum acetabulare) und kaudal vom Lig. transversum abgeschlossen ist. Gelenkkapsel, Muskelmantel und ein kräftiger Bandapparat sorgen zusätzlich für Stabilität und ermöglichen den aufrechten Gang.

Pathoanatomie/Pathophysiologie
Der Umstand, dass weniger als 50% der Hüftkopf-Oberfläche von der Pfanne umschlossen ist, ermöglicht zwar eine hohe Beweglichkeit, lässt andererseits aber eine gewisse Elastizität zu. Das führt dazu, dass auch schön ausgebildete Gelenke im Laufe der Zeit und in Abhängigkeit von der mechanischen Beanspruchung abgenutzt werden. Dennoch ist davon auszugehen, dass 30% der Hüftersatz-Operationen bei Erwachsenen jünger als 60 Jahre auf eine DDH zurückzuführen sind. Diese wiederum umfassen ein Spektrum von Anomalien, die verschiedene Schweregrade – von Unreifestadien bis hin zur schwersten Form, der vollständigen Hüftluxation – einschließen.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Update Hüftreifungsstörung – Diagnostik und Behandlung

Aus der Zeitschrift: Pädiatrie up2date 04/2017

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