• Kind verschluckt sich

     

Leitlinien Fremdkörperaspiration und -ingestion

Die vermutete Aspiration bzw. Ingestion von Fremdkörpern gehört zu den relativ häufigen Verdachtsdiagnosen in der pädiatrischen (Akut-)Medizin. Zu differenzieren ist zwischen Fremdkörperaspiration und Fremdkörperingestion.

Bei der Aspiration kommt es zur Einatmung von Fremdkörpern in die Atemwege (Larynx, Trachea oder Bronchien), während bei der Ingestion das Verschlucken von Fremdkörpern in den Verdauungstrakt (Hypopharynx, Ösophagus, Magen oder Dünndarm) vorliegt. 

Insbesondere die Fremdkörperaspiration weist eine relevante Morbidität und Mortalität auf. Zudem kam es in letzten Jahren zu einer auffälligen Häufigkeitszunahme der Ingestion von Magneten, bei der die Gefahr einer Nekrose und Darmperforation zwischen den Magneten besteht. Akute Relevanz besitzen darüber hinaus bei der Ingestion Fremdkörperinkarzerationen im Hypopharynx und im Ösophagus (meist proximale Ösophagusenge), z. B. Münzen, Batterien. Gefährlich sind zudem unbemerkte Ingestionen mit Impaktion im Ösophagus.

Essentiell für Patientensicherheit und Versorgungsqualität nach Fremdkörperaspiration bzw.-ingestion sind reibungslos funktionierende interdisziplinäre Strukturen, Absprachen, Prozesse und Prozeduren, inkl. einer fundierten Indikationsstellung zu Dringlichkeit, Ort und Technik der diagnostischen und therapeutischen Endoskopie.

Ziel dieser Leitlinie ist die strukturierte Beschreibung der wesentlichen organisatorischen, diagnostischen und therapeutischen Aspekte bei der interdisziplinären, (akut-)medizinischen Versorgung von Kindern nach Fremdkörperaspiration und –ingestion.

Epidemiologie und Charakteristik

Von der Fremdkörperaspiration sind meist Kleinkinder im Alter zwischen 6 Monaten und 4 Jahren betroffen; Jungen etwa doppelt so häufig wie Mädchen.

Aspirierte Objekte sind überwiegend Nahrungsmittel (v. a. Nüsse, Weintrauben, Karotten), bei älteren Kleinkindern auch kleine Spielzeugteile und Gebrauchsgegenstände (z. B. Schrauben, Nadeln). Das rechtsseitige Bronchialsystem ist etwas häufiger betroffen als das linksseitige.

Ingestierte, im Ösophagus verkeilte oder sekundär kritische Objekte sind u. a. Batterien, Münzen, Magnete oder größere Nahrungsmittel. In den USA rechnet man mit 4,6 Knopfbatterie-assoziierten Vorstellungen pro 100 000 Einwohner pro Jahr, wovon 76,6% auf Ingestionen entfallen. Diese Zahlen sind kontinuierlich ansteigend. Epidemiologische Daten für Deutschland liegen nicht vor. Zwischenfälle mit Ingestionen von Magneten aus seltenen Erden werden seit ca. 1995 berichtet, mit offenbar steigender Inzidenz. In den USA kam es zwischen 2002 und 2011 zu geschätzt 16 000 Ingestionen solcher Magnete. Einzelne Todesfälle aufgrund von Darmperforationen sind beschrieben.

Bei der Präsentation und Symptomatik nach Fremdkörperaspiration bzw. –ingestion kann zwischen akut (< 24 h nach dem Ereignis), subakut (> 24 h) oder chronisch (Wochen, Monate) unterschieden werden.

Die Atemwegsverlegung kann bei der Fremdkörperaspiration entweder inkomplett (meist) oder komplett (selten) sein, bzw. sekundär durch einen Larynx und/oder Trachea komprimierenden proximalen Ösophagusfremdkörper oder durch eine sich entwickelnde Fremdkörper-bedingte Atemwegsinfektion. Bei vorbestehender (narbiger) Ösophagusenge, z. B. nach Verätzung oder nach Korrektur einer Ösophagusatresie, kann es zum Bolusstopp mit plötzlicher Symptomatik kommen. Da bei der Ösophagusatresie (fast) immer auch eine Tracheomalazie vorliegt, kann die Symptomatik rasch auch Atemwegssymptome hervorrufen.

Die Mortalität nach Fremdkörperaspiration ist überwiegend ereignisnah und beträgt bis zu 3,4%. Die innerklinische Mortalität im Rahmen der tracheobronchialen Fremdkörperendoskopie wird in verschiedenen Studien mit 0,21–0,94% angegeben.

Die Mortalität nach Ingestionen ist insbesondere von den mechanischen und physikalischen Eigenschaften der Fremdkörper abhängig. In einer großen multizentrischen Fallserie aus den USA wurden bei 56 535 beobachteten Knopfbatterie-Ingestionen 13 Todesfälle beschrieben, sämtlich bei Kindern unter 3 Jahren und bei unbemerkter bzw. verzögert behandelter Impaktion im Ösophagus.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Interdisziplinäre Versorgung von Kindern nach Fremdkörper aspiration und Fremdkörperingestion

Aus der Zeitschrift Laryngo - Rhino - Otologie 5/2016

Call to Action Icon
Laryngo - Rhino - Otologie Jetzt abonnieren!

Newsletter Pädiatrie

  • Thieme Newsletter - Wissen das sich anpasst - Jetzt kostenlos registrieren

    Jetzt kostenlos anmelden

    Mit brandaktuellen News und Neuerscheinungen, Schnäppchen und tollen Gewinnspielen sind Sie up to date und immer einen Schritt voraus.

Quelle

Laryngo - Rhino - Otologie
Laryngo - Rhino - Otologie

EUR [D] 360,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Checkliste Pädiatrie
Reinhold Kerbl, Ronald Kurz, Reinhard Roos, Lucas Wessel, Karl ReiterCheckliste Pädiatrie

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Praktische Pneumologie in der Pädiatrie - Therapie
Matthias Griese, Thomas NicolaiPraktische Pneumologie in der Pädiatrie - Therapie

Behandlung, Rehabilitation, Prophylaxe - Fallbeispiele

EUR [D] 79,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Praktische Pneumologie in der Pädiatrie - Diagnostik
Matthias Griese, Thomas Nicolai, Robert Dalla Pozza, Christoph Döhlemann, Richard de la ChauxPraktische Pneumologie in der Pädiatrie - Diagnostik

Rationale Differenzialdiagnostik

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Taschenatlas Notfallmedizin
Hans Anton Adams, Andreas Flemming, Lars Friedrich, Heiner RuschulteTaschenatlas Notfallmedizin

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.