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Medienprävention im frühen Kindesalter

Im frühen Kindesalter haben die Auswirkungen eines dysregulierten Medienkonsums besonders prekäre Auswirkungen. In allen Entwicklungsdimensionen ist dieses Alter ein besonders wichtiges und prägt grundlegend die weitere Entwicklung in späteren Jahren.

Mehrere Faktoren spielen diesbezüglich eine Rolle – der wichtigste ist zweifelsfrei, dass Kinder, die einen zu hohen Medienkonsum haben, zu wenig Zeit mit den „analogen“ Entwicklungserfahrungen verbringen – dreidimensionale, feinmotorische, grobmotorische, aber auch soziale und im Besonderen sozial wechselseitige Erfahrungen.

Die langfristigen Auswirkungen von „Reizüberflutung“, sofortiger Bedürfnisbefriedigung ohne große Anstrengung“, „Defiziten in wichtigen und prägenden Kreativ- und sonstigen Sinnes-Erfahrungen (haptisch etc.) stimmen den Entwicklungsmediziner bedenklich; sind logisch, aber noch nicht beweisbar. Kinder im frühen Kindesalter haben selbst nicht die Regulationskompetenzen, um den Medienkonsum vernünftig zu gestalten, daher kommt der Präventionsarbeit mit den Eltern höchste Wichtigkeit zu. Für Kinder mit Entwicklungsstörungen und körperlichen wie geistigen oder seelischen Handicaps ist das Thema aus mehreren Aspekten besonders relevant: Segen und Fluch, Nutzen und Gefahr liegen besonders nahe beieinander. Hilfsmittel auf der einen Seite und große Gefährdung, die sowieso vorhandenen Probleme noch größer zu machen, wie z. B. eine Aufmerksamkeits- oder soziale Problematik. Somit ist es ureigenste Arbeit in der Begleitung der Kinder im Laufe ihrer Entwicklung, auf dieses Thema einen Fokus zu legen. Neben der genauen Erhebung des Entwicklungsstandes als Basis für die Auswahl und die Rahmenbedingungen (Zeit, Begleitung etc.) braucht es regelhafte Strukturen, den Medienkonsum zu erheben und bei Bedarf auch therapeutisch anzugehen. Ebenso kommt der Prävention höchste Wichtigkeit zu.

Ausgangslage

Gerade im Bereich der chronisch erkrankten Kinder und Kinder mit Behinderungen wissen wir um veränderte Gewohnheiten, was die Bildschirmzeit angeht. Nachgewiesenermaßen verbringen z. B. Kinder mit einer Epilepsie mehr Zeit vor dem Bildschirm als Altersgleiche ohne Epilepsie. Auf der anderen Seite gibt es auch Evidenz für die Vorteile der Nutzung von Medien im Alltag und die Vorteile der mediengestützten Therapiebegleitung (Anfallskalender etc.) liegen auf der Hand.

Eine im Alltag häufig verwendete Diagnose ist „Dysregulierter Medienkonsum“; weder in der ICD10 noch in der DSM 5 ist dies wirklich treffend abgebildet. (Vorhanden: Diagnose „Gaming disorder“ bzw. „Störung durch Spielen von Internetspielen“).

Klare Empfehlungen gibt es durchaus, die einfachste ist die „3–6–9–12-Regel“ (Bildschirmmedien nicht unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6 Jahren, kein Smartphone vor 9 Jahren – dabei auf eingeschränkte Funktion und eingeschränkten Zugang zum Internet achten. Keine unbeaufsichtigte Computer-/Internetnutzung vor 12 Jahren). Für Kinder mit Entwicklungsbeeinträchtigungen aller Art gibt es keine „Referenzzeiten“. Und die „Risikofaktoren“ für einen umso längeren und intensiven Konsum sind immens – Bedarf vieler Wiederholungen zum Erfassen der Inhalte; Suche nach intensiven Reizen, mehr oder weniger „barrierefreier Zugang“ zu Inhalten … Es ist weit einfacher, auf einen Bildschirm zu tippen und damit ein Tiergeräusch auszulösen, als es selbst zu produzieren. Und wer noch keine Sprache beherrscht, kann sich mithilfe der Geräte u. U. ausgesprochen treffend ausdrücken. Die Facilitation von Kommunikation, Spielerleben und Reizerleben spielt u. U. eine immense Rolle.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Medienprävention im frühen Kindesalter aus entwicklungsneurologischer Sicht
aus der Zeitschrift Kinder- und Jugendmedizin 04/2020

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