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Psychosomatische Störungen im Kindes- und Jugendalter

Psychosomatische Störungen im Kindes- und Jugendalter stellen immer auch ein Risiko für die weitere Persönlichkeits- und Bildungsentwicklung dar. Ihre Untersuchung und Behandlung sollte primär durch Kinder- und Jugendpsychiater erfolgen. Der regelhaften kinderärztlichen Versorgung kommen dabei wesentliche und oft weichenstellende Aufgaben zu.

„Schon wieder dieser Junge, dem kann ich doch nicht helfen“, „Oje, das passt heute ja überhaupt nicht rein“, „Der geb’ ich schnell ’ne Krankschreibung, hoffentlich löchert sie mich nicht mit Fragen“ oder „Warum gibt diese Mutter denn keine Ruhe mit dem Kind?“ – Vielleicht fühlen Sie sich beim Lesen solcher Gedanken an Gefühle von Verunsicherung, Überforderung, Ärger oder gar Wut erinnert, wenn Ihnen Patienten mit sogenannten Psychosomatischen Störungen in den Sinn kommen.

Schätzungen zur Folge haben somatoforme Störungen eine Lebenszeitprävalenz von 13,1 %, für funktionelle Störungen liegt die Lebenszeitprävalenz sogar bei 25 %. Bei der Betrachtung von Patienten mit langwierigen chronischen Verläufen somatoformer Störungen im Erwachsenenalter geben 75 % einen Beginn ihrer Beschwerden vor dem 20. Lebensjahr an. Vor diesem Hintergrund kommt Kinderärzten eine besondere Bedeutung bei der Ersteinschätzung des Störungsbildes, bei differenzialdiagnostischen Erwägungen und bei der weichenstellenden Einleitung therapeutischer Maßnahmen zu.

Der enge und vielschichtige Zusammenhang zwischen körperlichem und psychischem Befinden ist offensichtlich und für Jedermann alltäglich spürbar. Und obwohl dies nicht nur für Zustände von Wohlbefinden („…ich könnte Bäume ausreißen!“), sondern auch für Zustände von Unbehagen gilt („…mir wird übel und ich bekomme Bauchkrämpfe, wenn ich nur dran denke…“ als Ausdruck von Angst), ist ein körperliches Symptom oft leichter zu akzeptieren als ein psychisches. Hier spielen Wahrnehmungs- und Bewertungsprozesse eine entscheidende Rolle, und zwar sowohl die eigenen als auch jene der umgebenden Menschen.

Schon erste Erfahrungen beim Durchmachen und Bewältigen einfacher Kinderkrankheiten (z. B. Infekte) können dem Betroffenen das Phänomen des sogenannten Krankheitsgewinns und die Möglichkeiten zu seiner Instrumentalisierung erfahrbar machen. Dies kann der Fall sein, wenn beispielsweise die Angst vor einer Klassenarbeit am nächsten Schultag zeitlich mit einem Magen-Darm-Infekt zusammenfällt und so das erkrankungsbedingte Zuhausebleiben-Müssen auch den Aspekt eines Zuhausebleiben-Dürfens erhält – durch die damit verbundene Reduktion der Angst vor der Klassenarbeit. Dieser primäre Krankheitsgewinn kann noch durch einen sekundären verstärkt werden, indem das Kind nun zuhause besondere Zuwendung, Pflege oder stimulierende Ablenkung erfährt. Die Versuchung, Krankheit in diesem Sinne zu nutzen, steht in einem engen Zusammenhang mit Haltungen und Einstellungen des Kindes, für deren Ausrichtung aber elterliche Modelle und Bewertungen ausschlaggebend sind. Davon hängt ab, ob die auf die krankheitsbedingt vermiedene Klassenarbeit bezogene Erleichterung als unerlaubt empfunden und vielleicht verschwiegen werden muss, oder ob das schulische Problem und das eigene Krankheitserleben in einer unterstützenden und feinfühligen Elternbeziehung kommuniziert und abgewogen werden kann. Wird die Ambivalenz des Kindes nicht wahrgenommen und die Krankheitsposition einseitig bekräftigt, so kann dies die Entstehung einer Somatisierungsstörung begünstigen.

In der Allgemein- oder Kinderärztlichen Praxis sind solche Patientenkontakte oft kräftezehrend, benötigen Geduld und Gespräch – und damit eine Ressource, die angesichts der heutigen Kostenstrukturen eng bemessen ist: Zeit.

In der vorliegenden Übersicht haben wir zu Beginn einen besonderen Akzent auf die Darstellung entwicklungspsychologischer und neurobiologischer Grundlagen für das Verständnis psychosomatischer Störungen gelegt. Im darauf folgenden Abschnitt gehen wir auf die Definition, die Klassifikation und die klinischen Erscheinungsformen der Dissoziativen Störungen und der Somatoformen Störungen ein, um schließlich einige Schlussfolgerungen und Anleitungen für die Praxis zu geben und mit kurzen Fallskizzen zu veranschaulichen.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Psychosomatische Störungen im Kindes- und Jugendalter

Aus der Zeitschrift Pädiatrie up2date 2/2016

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