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Qualität und Inanspruchnahme von Kindervorsorgeuntersuchungen

Kindervorsorgeuntersuchungen sind seit vielen Jahren eine geschätzte Präventionsmaßnahme und unterliegen einer ständigen Erweiterung. Die Inanspruchnahme hängt vom sozialen Status der Familien ab. Die Dokumentation erfolgt unter anderem im sogenannten Gelben Vorsorgeheft. Derzeit werden in Deutschland die erhobenen Daten nicht epidemiologisch genutzt oder die Präventionsmaßnahmen evaluiert.

Im Rahmen der LIFE-Child-Studie, einem Projekt des „Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen“ der Universität Leipzig, werden bis zu 10 000 gesunde Kinder und Jugendliche im Alter von 0 – 18 Jahren und 2000 schwangere Frauen ab der 24. Schwangerschaftswoche aus dem Raum Leipzig untersucht. In weiteren Kohorten werden Jugendliche mit Übergewicht und mit psychischen Problemen untersucht. Die LIFE-Child-Studie wurde von der Ethikkommission der Universität Leipzig zugelassen (Reg. No. 264 -10- 19 042 010). Außerdem ist sie unter der Studiennummer NCT02 550 236 registriert.

Für die hier bearbeitete Fragestellung wurden 3480 Probanden eingeschlossen, von denen 90,6 % zum Stichtag 27.1.2016 ein Gelbes U-Heft vorlegten. Gründe für ein Nichtvorlegen des Gelben Heftes waren neben Versäumnis auch mitgebrachte fremdländische Hefte. Die vorliegenden Gelben Hefte wurden gescannt und in eine auswertbare computerisierte Datenbank übertragen (n = 3154). Die Erfassung orientierte sich am Format des Gelben Heftes: Zur systematischen Erfassung der sehr variablen Einträge in den Diagnosen- und Bemerkungsfeldern wurde eine Diagnoseliste mit Mehrfachauswahl angelegt, die häufige Diagnosen im Kindes- und Jugendalter abfragte (z. B. Auffälligkeiten der psychosozialen, motorischen und sprachlichen Entwicklung, Auffälligkeiten des Sehens und des Hörens).

Diese Auffälligkeiten sind keinesfalls im Sinne einer Diagnose nach gängigen Klassifikationssystemen zu verstehen und wurden für die vereinfachte Erfassung folgendermaßen definiert: „Psychosoziale Auffälligkeiten“ repräsentieren die Summe von Bemerkungen im Gelben Heft, die emotionale Auffälligkeiten beschrieben. Man kann diese Gruppe keiner allgemeingültigen Definition zuordnen, da Symptome verschiedener Dimensionen wie auffälliges soziales Verhalten, Bindungsstörungen, Hyperaktivität, Depression oder Vorstufen dieser Erkrankungen zusammengefasst wurden. Diese Entscheidung musste auch im Folgenden getroffen werden, da bei allen untersuchten Zielkrankheiten die Grenzwerte zwischen Normvariante, Auffälligkeit und Pathologie nicht klar definiert sind. Unter dem Begriff „Auffälligkeiten der Sprachentwicklung“ sind alle Bemerkungen zu verstehen, die auf ein auffälliges Ergebnis im Sprachtest hindeuteten, Hinweise auf logopädische Behandlung gaben oder sonstige Notizen zu Störungen der Sprach- und Sprechentwicklung. Die Problemgruppe „Auffälligkeiten der motorischen Entwicklung“ fasst alle Niederschriften zusammen, die sich auf eine gestörte Entwicklung der Fein- und Grobmotorik bezogen. Im Speziellen sind das Hinweise auf Nichterreichen bestimmter Meilensteine wie Sitzen, Hochziehen, Laufen, Pinzettengriff oder auch Defizite der Grafomotorik. Zu „Hörstörungen“ zählen Bemerkungen über einen auffälligen Hörtest und sonstige Minderungen des Hörvermögens. Dasselbe gilt für „Sehstörungen“. Hierzu gehören ebenfalls Anhaltspunkte für eine Überweisung zum Augenarzt, Schielen, jegliche Minderung des Sehvermögens und auffällige Ergebnisse im Sehtest. Im Gelben Heft findet sich zu diesen Erkrankungen jeweils pro Untersuchung linksseitig eine Auflistung von Auswahlfeldern, die ebenfalls bei der Datenerhebung berücksichtigt wurden. Andere Diagnosen wurden, wenn nötig, in ICD-10 transformiert und ebenfalls festgehalten. Zur Vereinfachung der Erfassung erfolgte keine Unterscheidung zwischen Verdachts- und gesicherten Diagnosen.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Qualität und Inanspruchnahme von Kindervorsorgeuntersuchungen in Deutschland

Aus der Zeitschrift DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift

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