• Amblyopie und Refraktionsfehler

     

Update Augenheilkunde – Amblyopie und Refraktionsfehler

Der Pädiater sieht sich in seiner täglichen Arbeit mit einem sehr breiten Spektrum verschiedenster Erkrankungen und Beschwerden seiner jungen Patienten konfrontiert. Auch die vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen verlangen Fachwissen aus vielen Bereichen der Medizin, um dem Anspruch gerecht zu werden.

Amblyopie

Die Amblyopie bezeichnet eine entwicklungsbedingte Verminderung der Sehkraft. Diese Sehschwächen werden zu 90% durch

  • Brechungsfehler der optischen Medien des Auges,
  • Schielen oder der
  • Kombination aus beiden


verursacht. Seltener liegt die Ursache der Amblyopie in einer optischen Deprivation, wie sie z. B. bei einer kongenitalen Katarakt oder Ptosis auftreten kann.

Die Amblyopie-Prävalenz betrug in einer großen Kohortenstudie in Deutschland 5,6% (Gutenberg Gesundheitsstudie). Sie ist damit deutlich höher als in anderen entwickelten Ländern, in denen vergleichbare Studien zum Vorkommen der Amblyopie durchgeführt wurden [2]. Kritisch anzumerken ist, dass die Prävalenzzahlen in einer Population Erwachsener erhoben wurden und somit die Situation vor einigen Dekaden beleuchtet. Dennoch erscheint es zumindest fraglich, ob das derzeitige System der Früherkennungs-Untersuchungen den Erwartungen an ein Amblyopie-Screening hinreichend gerecht wird. Aktuell erfolgen die U-Untersuchungen bevorzugt über den Pädiater oder Hausarzt. Die Kinder werden dabei auf unterschiedliche Erkrankungen und Entwicklungsstörungen untersucht. Erst bei der U7a – zwischen dem 34. und 36. Lebensmonat – ist es vorgesehen, die Sehschärfe zu prüfen. Zwar wird bereits für die U5 die Prüfung von

  • Fixationsverhalten,
  • Okulomotorik,
  • Augenstellung,
  • Pupillenreaktion,
  • Funktion der Tränenwege,
  • Hornhautdurchmesser und
  • sonstigen Bulbusanomalien


vorgeschrieben, die Ärzte sind jedoch nicht immer für deren Untersuchung geschult. Dies trifft insbesondere auf die Durchführung des – in den neuen Kinderrichtlinien verankerten – Brückner-Tests zu. Hinzu kommt, dass die genannten Untersuchungen enorm zeitaufwendig sind und nicht kostendeckend vergütet werden. Das System der gesetzlichen Krankenkassen geht sogar so weit, dass eine weiterführende augenärztliche Untersuchung nur dann abgerechnet wird, wenn dabei auch eine Störung gefunden wird.

Es stellt sich die Frage, ob diese – auf gesundheitsökonomische Aspekte reduzierte – Sichtweise dieser Vorsorgeuntersuchung gerechtfertigt ist. Der eigentliche Nutzwert eines Amblyopie-Screenings liegt langfristig darin, eine beidseitige Sehbehinderung im weiteren Lebensverlauf zu vermeiden. Das Risiko, durch den Verlust des funktionell besseren Auges eine Sehbehinderung zu entwickeln, ist bei Patienten mit einer einseitigen Amblyopie erhöht, da nur ein Auge eine normale Sehschärfe hat. In der Rotterdam Eye Study wurde aus einer 5520 Personen umfassenden Subkohorte das Lebenszeitrisiko berechnet, eine beidseitige Sehbehinderung (Visus < 0,5) zu erleiden. Es betrug für Nichtamblyope 10% und für Betroffene 18%. Stellt man die Kosten der Amblyopie-Vermeidung den jährlichen Kosten einer Sehbehinderung gegenüber, lässt sich – vereinfacht betrachtet – folgender Schluss ziehen: Ein Seh-Screening ist in der Kindheit dann kostendeckend, wenn die betroffene Person zum Zeitpunkt des Eintritts einer beidseitigen Sehbehinderung eine Restlebenserwartung von mindestens 5 Jahren hat. Davon ist aus heutiger Sicht – bei einer stetig steigenden Lebenserwartung – auszugehen.

In einer von der Bertelsmann-Stiftung geförderter Studie waren 28% von 665 augenärztlich und orthoptisch untersuchten Kindergartenkindern – im Alter von 3,5 – 4,5 Jahren – auffällig. Allerdings wurden 70% dieser Kinder zuvor bei den U-Untersuchungen als unauffällig eingestuft. Auf diese Mängel des bestehenden Früherkennungssystems haben die zuständigen Berufsverbände bereits mehrfach hingewiesen. Umso wichtiger erscheint es, Untersuchungsmethoden in den klinischen Alltag der Kinderärzte zu integrieren, die einerseits eine hohe Sensitivität bei der Erkennung amblyogener Faktoren besitzen, um entsprechend gefährdete Kinder frühzeitig einer augenärztlich-orthoptischen Untersuchung zuzuführen, andererseits müssen sie hinreichend spezifisch sein, um Gesunde korrekt zu identifizieren. Als Grenzwerte für amblyogene Refraktionsfehler sind aktuell folgende Werte etabliert:

  • Hyperopie: 3,5 Dioptrien (dpt)
  • Astigmatismus: 1,5 dpt
  • Anisometropie: 1,5 dpt

Brückner-Test

Ein einfacher und sehr wertvoller Test für ein Screening von Kindern auf amblyogene Faktoren ist der Brückner-Test. Der Arzt beobachtet bei dieser – ab der U2 vorgeschriebenen – Untersuchung den roten Fundusreflex des Patienten durch ein direktes Ophthalmoskop. Trübungen der optischen Medien können am besten aus einer Entfernung von 0,3 m erkannt werden, ein Strabismus aus 1 m und Refraktionsanomalien aus 4 m. Über den Seitenvergleich des Fundusreflexes und Beurteilung auf dessen Helligkeit und Homogenität kann der Untersucher auf amblyogene Faktoren rückschließen.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Update Augenheilkunde – Amblyopie und Refraktionsfehler

aus der Zeitschrift: Pädiatrie up2date 23/017

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