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Vegetarische Kostformen in der Kinderernährung?

Vegetarische Kostformen finden sich verbreitet in armen Ländern, in denen Fleisch (und Fisch) knapp und nur für wenige Familien regelmäßig verfügbar sind. Seit Jahren zeigt sich auch in wohlhabenden Ländern ein Trend zu vegetarischer Ernährung. Dieser Trend ist meist auf ethische und weltanschauliche Einstellungen zurückzuführen; oft wird er aber auch gesundheitlich begründet.

2007 waren in Deutschland nach der Nationalen Verzehrstudie II 1,6 % der Bevölkerung Vegetarier, vegan ernährten sich danach etwa 0,1 % der Bevölkerung. Bei Selbstangaben sind die Prozentzahlen deutlich höher. Etwa 7 – 10 % der deutschen Bevölkerung geben in Umfragen an, dass sie sich – in nicht näher definierter Art – vegetarisch ernähren. Und etwa 1 % der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre bezeichnete sich 2015 selbst als Veganer oder als jemand, der weitgehend auf tierische Produkte verzichtet. In dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KiGGS 2003 – 2006 definierten sich 5 – 6 % der Kinder und Jugendlichen als Vegetarier. Bei genauerer Abfrage des Lebensmittelverzehrs waren es nur 1 – 2 %.

Viele sich vegetarisch ernährende Eltern wünschen eine entsprechende Kost auch für ihre Kinder. Aus pädiatrisch-ernährungswissenschaftlicher Sicht müssen diese Kostformen genau angeschaut werden. Es muss geprüft werden, ob durch sie alle wachstums- und entwicklungsbedingten hohen und spezifischen Nährstoffbedürfnisse des Kindes- und Jugendalters ausreichend und sicher gedeckt werden können.

Ernährungskonzepte des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE)

In Deutschland hat das FKE wissenschaftlich basierte Ernährungskonzepte für das gesamte Wachstumsalter entwickelt, die am neuen Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE) der Universitäts-Kinderklinik Bochum weitergeführt werden. An den „Ernährungsplan für das erste Lebensjahr“ schließt sich nahtlos das Konzept der „Optimierten Mischkost für Kinder und Jugendliche“ an. Dieses kann gleichzeitig Basis für die Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit sein.

Beiden Konzepten liegen wissenschaftliche Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr zugrunde. Unter Berücksichtigung bestehender Ernährungsgewohnheiten werden diese in praktische Richtlinien für die Lebensmittelauswahl in der Familie umgesetzt. Dabei werden auch Gesichtspunkte zur Prävention ernährungs(mit)bedingter Krankheiten wie Adipositas, Herzkreislaufkrankheiten und Diabetes berücksichtigt. Dies geschieht z. B. über die Qualität der Fett- und Kohlenhydratzufuhr und die Betonung auf pflanzliche Lebensmittel.

Grundlage für Ernährungsberatung
Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat diese lebensmittelbasierten Konzepte mit durchkalkulierter Nährstoffzufuhr als vorbildlich für die Kinderernährung in Europa herausgestellt. Der „Ernährungsplan für das erste Lebensjahr“ und die „Optimierte Mischkost“ sind wissenschaftliche Referenzinstrumente für die Kinderernährung in Deutschland. Durch die praktische und lebensnahe Formulierung sind sie Grundlage für die tagtägliche Ernährungsberatung durch Kinder- und Jugendärzte und für Ernährungsfachkräfte auf dem Gebiet der Kinderernährung.

Ernährung im ersten Lebensjahr
In der Säuglingsernährung wird zwischen dem 5.–7. Lebensmonat als erste Beikost ein Gemüse-Kartoffel-Brei eingeführt. Wichtig ist, dass über einen Fleischzusatz Eisen mit hoher Bioverfügbarkeit zugeführt wird, da in diesem Alter die Eisenvorräte der Säuglinge erschöpft sind.

Standard für Kinder und Jugendliche: ausgewogene Mischkost
In der Ernährung von Kindern und Jugendlichen stehen pflanzliche Lebensmittel im Vordergrund. Sie sollen reichlich verzehrt werden. Tierische Lebensmittel werden in moderaten Mengen als Träger spezifischer Nährstoffe empfohlen. Das sind z. B. Kalzium und Jod in Milch(-produkten), Eisen und Zink in Fleisch, Jod und langkettige, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren in Seefisch. Das Konzept dieser „Optimierten Mischkost“ vereint das präventive Potenzial einer pflanzenbetonten Kost mit der Sicherheit einer ausreichenden Nährstoffversorgung.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Vegetarische Kostformen in der Kinderernährung?

Aus der Zeitschrift: DMW 04/2018

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