• Frühgeborenes in den Armen seiner Mutter

     

Wärmepflege bei Frühgeborenen

Der Zusammenhang zwischen Hypothermie und erhöhter Mortalität ist seit mehr als einem Jahrhundert bekannt. Dabei ist die Aufnahmetemperatur ein bedeutender Prädiktor für die Mortalität von Früh- und Neugeborenen. Eine Hypothermie bei Frühgeborenen begünstigt die Entstehung von Hirnblutungen, die Notwendigkeit respiratorischer Unterstützung, Late-Onset-Septitiden, Hypoglykämien und Azidose.

Die WHO und UNICEF betonen, dass Prävention und Management der Hypothermie eine der Schlüsselinterventionen zur Reduzierung der neonatalen Morbidität und Mortalität ist. Außerdem werde die Hypothermie des Neugeborenen mehr durch fehlendes Wissen als durch fehlendes Equipment verursacht.

Der hohe Stellenwert einer normalen Körpertemperatur Frühgeborener für eine niedrige Morbidität und Mortalität schlägt sich in den aktuellen ERC-Leitlinien vom 15.10.2015 nieder. Bereits an 2. Stelle nach dem Abnabeln wird auf die optimale Körpertemperatur eingegangen und in Folge das Wärmemanagement bei Früh- und Reifgeborenen ausführlich besprochen.

Die Häufigkeit der Hypothermie bei Frühgeborenen konnten Laptook et al. an 5277 Frühgeborenen mit < 2500 g Geburtsgewicht durch folgende Aufnahmetemperaturen belegen:

  •  < 35 °C bei 14 %
  • 35 – 35,9 °C bei 33 %
  • 36 – 36,9 °C bei 42 %
  •  > 37 °C bei 11 %

Jedes Grad Celsius Unterschreitung der normalen Aufnahmetemperatur erhöhte die Mortalität um 28 % und die Rate der Late-Onset-Septitiden um 11 %. In einer multivariaten Analyse konnte kein Zusammenhang zwischen Hypothermie und dem Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis, der Beatmungsdauer und einer schweren Hirnblutung Grad III und Grad III + nachgewiesen werden.

Miller et al. konnten in einer großen Kohortenstudie an Frühgeborenen < 1500 g Geburtsgewicht bei 56 % eine Aufnahmetemperatur < 36,5 °C nachweisen. Das Risiko für eine Hypothermie war bei Kaiserschnitt, mit sinkendem Geburtsgewicht und niedrigem APGAR-Score erhöht und sank bei Spontangeburt, „spätem“ Blasensprung und antenataler Steroidgabe.

De Almeida et al. konnten an 1764 Frühgeborenen zwischen 22 und 33 SSW eine Hypothermie (< 36,0 °C) bei 44 % der Frühgeborenen 5 min postnatal und bei 51 % bei Aufnahme auf der Intensivstation nachweisen. Risikofaktoren hierfür waren:

  • Raumtemperatur < 25 °C
  • Körpertemperatur der Mutter < 36 °C bei der Geburt
  • fehlende Wärmeschutzmaßnahmen wie Plastikfolie, warme Tücher, Mütze
  • kalte Atemluft

Die Hypothermie war assoziiert mit einer 1,6-fachen Erhöhung der Mortalität.

Thermoregulation

Wärmebildung
Der Fetus produziert durch einen höheren Metabolismus Wärme und hat intrauterin eine um ca. 0,5 – 0,6 °C höhere Körpertemperatur als die Schwangere. Die Plazenta fungiert dabei als Wärmetauscher. Mit der Geburt vollzieht sich der Übergang aus der intrauterinen wärmegeschützten in die extrauterine thermal ungeschützte Umgebung. Die Körpertemperatur des Neugeborenen ist 0,5 – 1,0 °C höher als die der Mutter. Das etwa 37 °C warme Fruchtwasser wird durch die mehr oder weniger kalte Lufttemperatur von etwa 25 °C ersetzt. Die feuchte Haut des Neugeborenen führt bereits unmittelbar nach der Geburt durch die entstehende Verdunstungskälte zu einem Wärmeverlust mit einer Rate von 0,58 kcal/ml Wasserverlust. Die peripheren Thermorezeptoren in der Haut und die zentralen Thermorezeptoren im Hypothalamus sind über einen Feedbackmechanismus verantwortlich für die Erkennung einer Hypothermie. Ebenfalls halten sie die normale Körperkerntemperatur um die 37 °C über die folgenden Reaktionsmechanismen aufrecht – als Antwort auf „Kältestress“ stehen 2 Reaktionsmechanismen zur Verfügung:

Durch das sympathische Nervensystem wird über eine periphere Vasokonstriktion der Arteriolen in der Haut (1. Effektororgan) weniger „warmes“ Blut in die Peripherie perfundiert und die Körperkerntemperatur stabilisiert.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Wärmepflege bei Frühgeborenen

Aus der Zeitschrift: Neonatologie Scan 01/2017

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