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Zinkmangel als Ursache eines „Dekubitus“ beim Frühgeborenen?

Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko, einen Zinkmangel zu erleiden, da bedingt durch die fehlende intrauterine Reifung die Zinkspeicher in der Leber nicht gefüllt werden können. Bei einem eutrophen weiblichen Frühgeborenen von 25+5 Schwangerschaftswochen zeigten sich ab dem 14. Lebenstag ein perinealer und perianaler „Dekubitus“. Zahlreiche lokale Therapieversuche blieben erfolglos. Die Diagnostik erbrachte einen erniedrigten Serum-Zinkspiegel, sodass mit einer Substitution begonnen wurde. Bereits nach wenigen Tagen begannen die Defekte zu heilen und waren nach drei Wochen vollständig abgeheilt. Trotz regulären Nahrungsaufbaus mit Formula-Nahrung war der Zinkbedarf in diesem Fall vermutlich aufgrund unvollständiger Resorption nicht gedeckt worden. Der Fall macht auf eine latente Unterversorgung von Frühgeborenen mit Zink aufmerksam und unterstreicht die Notwendigkeit von Kontrollen, besonders bei entsprechenden Hautsymptomen.

Zink ist ein für viele Körperfunktionen wichtiges Mineral, welches im Ernährungsbewusstsein oft etwas im Hintergrund steht. Schätzungen zufolge sind mehr als 25% der Weltbevölkerung von einem Zinkmangel bedroht. Im Körper eines erwachsenen Menschen befinden sich ca. 2–3 g Zink, wovon täglich ca. 1% ausgetauscht wird. Während der Pränatal- und Wachstumsphase ist der Zinkbedarf bezogen auf das Körpergewicht deutlich erhöht, da Zink u. a. eine wichtige Rolle in der Genexpression, Replikation und Zellvermehrung spielt. Zink ist ferner ein wichtiger Bestandteil zahlreicher Enzyme, so der Alkalischen Phosphatase (AP), und wird hauptsächlich in Haut, Knochen und Haaren eingelagert. Bei Zinkmangel kann ein Teil des hier gespeicherten Zinks wieder mobilisiert werden, sodass sich der Serum-Zinkspiegel auch bei unzureichender Zinkzufuhr über die Nahrung oft noch im unteren Normbereich befindet.

Vom oral zugeführten Zink können üblicherweise nur 10–40% im Gastrointestinaltrakt resorbiert werden. Im Unterschied hierzu ist die Bioverfügbarkeit des Zinks aus der Muttermilch wesentlich höher, sie beträgt bis zu 80%. Bei einem erhöhten Zinkbedarf aufgrund des starken Wachstums in der Neugeborenen- und Säuglingsperiode zeigt sich dies besonders bei nicht gestillten Säuglingen, die einen deutlich höheren Bedarf (bezogen auf die Allgemeinbevölkerung) in der Nahrung aufweisen. Es stellt sich die Frage, ob dieser Bedarf mit den verfügbaren Neu- bzw. Frühgeborenen-Nahrungen ausreichend gedeckt werden kann.

Fallbericht

Die Patientin wurde nach 25+5 Schwangerschaftswochen bei vorzeitigen Wehen sowie vorzeitigem hohem Blasensprung mit einem Geburtsgewicht von 980 g spontan geboren. Im Rahmen der Frühgeburtlichkeit und bei Nachweis von Ureaplasmen im mütterlichen Vaginalabstrich erfolgte eine Therapie mit Ampicillin und Gentamycin bis zum 10. sowie mit Clarithromycin bis zum 14. Lebenstag. Im Verlauf wurde eine Besiedlung mit 3 MRGN E. coli im Konjunktival-, Rachen- und Analabstrich nachgewiesen, eine parallel bestehende Konjunktivitis ließ sich mit Gentamycin-Augentropfen erfolgreich behandeln. Darüber hinaus traten keine größeren Frühgeburts-assoziierten Komplikationen auf. Der Nahrungsaufbau erfolgte auf mütterlichen Wunsch von Beginn an mit Formula-Nahrung, eine teilparenterale Ernährung erhielt die Patientin bis zum 11. Lebenstag.

Ab dem 14. Lebenstag zeigte sich erstmalig eine Hautläsion im perinealen und perianalen Bereich. Diese bestand aus zwei je etwa 5 mm im Durchmesser großen Hautdefekten bei ca. 3 und 9 Uhr in etwa 5 mm Abstand zum Anus, deren Größe und Färbung im Verlauf variierte. Die betroffenen Areale waren dabei stets scharf begrenzt und deutlich gerötet, zeitweise leicht bis stärker nässend, jedoch nicht blutig. Im Verlauf der stationären Behandlung blieben diese trotz intensiver Lokaltherapie mit u. a. Cavilon™ Gel, Zinkpaste, Bepanthen® Wund- und Heilsalbe und schwarzem Tee weitgehend unverändert. Phasenweise zeigte sich eine leichte vorübergehende Besserung des Lokalbefundes, im Verlauf blieb dieser jedoch bestehen.

 

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Aus der Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie 06/2019

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