• Kinder, Säuglinge, 135°-Bauchlage, SIDS, Kinästhetik, Atmung, Entspannung, Zwerchfell, Sauerstoff, Pflege

     

Die 135°-Bauchlage aus der Perspektive der Kinästhetik

Entgegen der zurzeit geltenden Empfehlungen, Neugeborene und Säuglinge wegen der Gefahr des plötzlichen Kindstodes – SIDS – nur auf dem Rücken liegend zu lagern, ist es im klinischen Bereich oft unabdingbar, Frühgeborene und kranke Neugeborene auch auf den Bauch zu legen. Warum das so ist, dazu soll dieser Artikel einen kleinen Einblick aus Sicht der Kinästhetik geben. Hierbei stehen die pulmonale Situation sowie die Selbstwahrnehmung der Patienten im Fokus. Darüber hinaus soll exemplarisch aufgezeigt werden, wie der sehr komplexe Transfer aus der Rückenlage in die 135°-Bauchlage sicher durchgeführt werden kann und worauf dabei methodisch zu achten ist.

In vielerlei Hinsicht kann es sinnvoll oder notwendig sein, Patienten in Bauchlage zu bringen. Frühgeborene und respiratorisch erkrankte Neugeborene zeigen in Rückenlage häufig eine inadäquate oder insuffiziente Atmung. Dies kann beispielsweise durch eine Unreife der Lunge, eine Infektion oder zu viel Fruchtwasser begründet sein, das die Leistungsfähigkeit der Lunge beeinträchtigt.

Die Bauchlage reduziert (wie auch die 135°-Lage, auch: Bauch-Seitlage) die Inzidenz für Apnoen und Bradykardie. Sie ermöglicht eine bessere Zwerchfellbeweglichkeit und mindert eine „Ermüdung“ des Zwerchfells. Der positive Effekt auf die Sauerstoffsättigung ist vor allem bei sauerstoffabhängigen Kindern zu beobachten. Auch nach der Nahrungsgabe zeigt sich ein Vorteil der Bauchlage gegenüber der Rückenlage.

In vielen Fällen wird die inkomplette Bauchlage (135°-Lage) der kompletten Bauchlage (180°-Lage) vorgezogen. Zum einen wird die 135°-Lage von wachen Patienten als komfortabler empfunden, zum anderen ist sie von Pflegenden einfacher herzustellen. Das Dekubitusrisiko an druckgefährdeten Regionen des Gesichts ist in 135°-Lage geringer. Ebenso minimiert sie das Risiko der Dislokation von Zu- und Ableitungen (insbesondere wie im hier gezeigten Beispiel nasale Magensonden und Trachealkanülen bzw. Endotrachealtuben), da diese besser zugänglich bleiben. Dadurch ist auch eine bessere Möglichkeit zu nasal-oralem und endotrachealem Absaugen gegeben, das aufgrund des verbesserten Sekretabflusses aus basalen Lungenbereichen notwendig werden kann. Die verbesserte Oxygenierung wird auf eine homogenere Verteilung des Atemvolumens in der Lunge zurückgeführt. Ebenso wird eine positive Wirkung auf die Wiederbelüftung atelektatischer Areale beschrieben. Nach der Geburt werden viele Babys zur besseren Adaption in Bauchlage gelegt, im bestmöglichen Fall direkt auf die Brust eines Elternteils. Dies wirkt sich außerdem begünstigend auf die Bindung aus.

Die Ziele der Positionierungen sind:

  • Die Beugung wie bei der Embryonalhaltung zu fördern
  • Bewegungen der Extremitäten zur Körpermitte zu fördern
  • Eigenaktivität und Körperfunktionen der Kinder zu fördern (auch Atmung und Verdauung sind anspruchsvolle Aktivitäten bei Frühgeborenen)
  • Begrenzungen zu schaffen, um die Eigenwahrnehmung zu fördern
  • Sicherheit und Geborgenheit zu fördern
  • Unruhe durch Begrenzungen zu minimieren und den Kindern die Möglichkeit zur Eigenregulierung zu geben

Über die medizinisch begründeten Indikationen hinaus gibt es also weitere Argumente für die 135°-Lage, die sich auf Aspekte der Bewegungsförderung, der Selbstwahrnehmung und der Abgrenzung beziehen.

Wie bereits in der JuKiP 5/2017 im Artikel „Aus der Rücken- in die Seitenlage“ beschrieben, unterscheidet Kinästhetik zwischen Beugeseiten (auch: Vorderseiten) und Streckseiten (auch: Rückseiten) von Körperteilen, abhängig von deren Beschaffenheit und Beweglichkeit (Bewegungsexperiment 1 + 2).

Bewegungsexperiment 1

Halten Sie Ihre Hand locker geöffnet vor sich. Erproben Sie nun, wie weit Sie Ihre Hand maximal weiter öffnen können. Dabei strecken sich Ihre Finger weiter in Richtung Handrücken, dieser stellt also die Streckseite der Hand dar. Demzufolge bildet die Handinnenfläche die Beugeseite der Hand. Erproben Sie nun die mögliche Beugebewegung der Hand. Sie ist großräumiger möglich und endet bei der geballten Faust. 

Bewegungsexperiment 2

Stellen Sie einen Alltagsgegenstand vor sich hin (zum Beispiel einen Apfel). Versuchen Sie nun, den Gegenstand durch Kontakt nur mit den Streckseiten (also Rückseiten) Ihrer Hand aufzunehmen und ihn zu benutzen (zum Beispiel in den Apfel zu beißen). Ist dies mit einer Hand überhaupt möglich oder benötigen Sie beide Hände? Wie gelingt Ihnen die Aktivität? Ist die Streckseite für derartige Aktivitäten/Manipulationen im Umfeld gut oder weniger gut geeignet? 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Die 135°-Bauchlage aus der Perspektive der Kinästhetik

Aus der Zeitschrift: JuKIP 02/2018

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