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Gefährliche Rückstände im Klinikabwasser?

In fast allen deutschen Gewässern lassen sich mittlerweile Konzentrationen von Arzneimitteln nachweisen – ein mögliches Risiko für die Umwelt. Pflegende des Ortenau Klinikums arbeiten im Projekt Sauber+ daran, diese Rückstände zu vermeiden.

Beruf und Hobby zu verbinden ist für Ingrid Modes normalerweise kaum möglich. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin ist Stationsleitung in der Urologie im Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach – und in ihrer Freizeit Fliegenfischerin. „Ich fische überall auf der Welt und begegne dabei extremer Wasser-verschmutzung. Das Thema liegt mir sehr am Herzen“, erzählt sie. Als im Klinikum 2012 mit Sauber+ ein Projekt startete, in dem es um die Wasserqualität ging und Pflegefachkräfte als Kuratoren gesucht wurden, war Ingrid Modes sofort dabei.

Versteckte Stoffe im Urin

Als Pflegefachkraft auf der urologischen Station trägt sie einen kleinen Teil zu Sauber+ bei, ein Projekt, das sich mit den Rück-ständen von Medikamenten in Abwasserströmen aus Einrichtungen des Gesundheitswesens beschäftigt. Sauber+ gehört wiederum zu dem geheimnisvoll klingenden Projekt „RiskWa“ – dahinter verbirgt sich die vom Bundesministerium für Forschung und Bildung ins Leben gerufene Förderungsmaßnahme „Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf“. Eines der Ziele ist es, schadstoffbelastete Abwässer aus Einrichtungen des Gesundheits-wesens zu reduzieren. Diplom-Ingenieur Markus Herrel, Projektkoordinator und Umwelt-beauftragter am Ortenau Klinikum, erklärt: „Das Projekt ist sehr interdisziplinär. Neben der Suche nach Möglichkeiten, den Schadstoffeintrag zu reduzieren, erproben wir zum Beispiel neue Klärtechniken oder prüfen, ob es sinnvoll ist, Kliniken mit Vorkläranlagen auszustatten.“ Für Sauber+ stellte das Ortenau Klinikum einen Doktoranden ab: An sechs ausgewählten Standorten – darunter eine Psychiatrie, ein Pflegeheim und ein Ärztehaus – erfasste er den Verbrauch von Medikamenten und berechnete die Ausscheidung von Arznei-mittelrückständen in das Abwasser. „Nur das, was die Patienten einnahmen“, betont Markus Herrel. Denn was oft vergessen wird: Nicht nur übrig gebliebene Tabletten, die in der Toilette landen, belasten das Wasser. Patienten scheiden auch die geschluckten Medikamente über den Urin und die Fäzies wieder aus – bei manchen Wirkstoffen gelangt so ein hoher Anteil unverändert wieder in die Umwelt, bei anderen nur ein kleiner. Diese Ausscheidungsraten sind in der Literatur vorhanden. Damit war eine Berechnung der Medikamente im Ortenauer Klinik-Abwasser mithilfe der Daten des Doktoranden möglich. Für die Berechnung der Arzneien im Abwasser wählten die Forscher 52 Medikamente aus, zum Beispiel alle Antibiotika, Schmerzmittel wie etwa Diclofenac, Abführmittel, Antidepressiva und andere neurologisch wirksame Arzneien wie Quetiapin oder Gabapentin. Die Ergebnisse werden nun mit denen von privaten Haushalten verglichen; noch sind die Untersuchungen aber nicht ganz abgeschlossen.


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