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    Bei gemeinsamen Aktivitäten wie beim Spazierengehen oder beim Sitzen im Café ergeben sich vertraute Gespräche zwischen Pfleger und Patient.

     

Psychiatrische Pflege ohne Mythos

Die Psychiatrische Pflege ist für Berufskollegen aus der Somatik ein Buch mit sieben Siegeln. In ihren Köpfen schweben Bilder von einem bequemen Job, bei dem sich niemand das Kreuz verrenkt. Hingegen berichten Medien oft von einer lebensgefährlichen Arbeit hinter verschlossenen Türen. Tatsächlich bilden beide Vorstellungen die Realität verfälscht ab. Denn der Alltag der psychiatrisch Pflegenden ist weniger dramatisch, dafür aber anspruchsvoll und vielseitig.

An einem sonnigen Frühlingstag schlendern zwei Menschen durch den Park. Vorbei an einem schneeweiß blühenden Kirschbaum mit süßlichem Duft. Sie bleiben vor dem Beet mit purpurroten und leuchtend gelben Tulpen stehen, bis sie sich schließlich vor dem Teich auf eine Bank setzen. Während die beiden vertrauensvoll miteinander sprechen, erarbeiten sie zusammen, welche nächsten Schritte geplant werden müssen, damit der Patient mehr Sicherheit gewinnt. Zukünftig soll er sich zutrauen, allein kleine Spaziergänge zu unternehmen, seinen Tag zu strukturieren und die depressive Symptomatik zu lindern.

Um diese Psychopathologie zu beschreiben, werden in der psychiatrischen Fachsprache Begriffe wie „verminderte Schwingungsfähigkeit“ und „Affektivität“ verwendet. Affektivität meint in diesem Zusammenhang die Beschreibung von Gefühlen, Emotionen und Stimmungen. Schwingungsfähigkeit bedeutet, ob sich der psychisch kranke Mensch hinsichtlich seiner Stimmung an ein Gespräch, eine Situation oder an die Umwelt anpassen kann.

Regine Kuck gehört zu den Menschen, die solche Patienten begleiten. Als ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet sie auf der allgemein psychiatrischen Akutaufnahmestation in der Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Lengerich. Sie betreut vor allem Menschen mit akuten Krisen, Schizophrenie, Depression, Angststörungen, Demenz oder Suchterkrankungen.

Den Genesungsprozess gestalten
Gemeinsame Aktivitäten mit Patienten dienen natürlich nicht der Entspannung des Pflegepersonals, im Gegenteil: Während sie spazieren gehen oder im Café sitzen, ergeben sich in vertrauter Atmosphäre Gespräche zu Alltagsfragen, Lebensproblemen, Problemen im Stationsablauf. Pflegende achten währenddessen darauf, wie die Patienten außerhalb der Einrichtung interagieren, sie vermitteln die Kontaktaufnahme zu Angehörigen und fördern soziale Kontakte. Sie trainieren stützende Tagesstrukturen ein, erkennen Krisensituationen frühzeitig und intervenieren. Diese Vielfalt in ihrer Arbeit gefällt Regine Kuck. Alle Aktivitäten begleiten und gestalten den Genesungsprozess. Sie erlebt die Menschen in unterschiedlichen Situationen und achtet darauf, dass auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Erste Erfahrungen in der Psychiatriepflege sammelte Kuck während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres direkt nach dem Abitur. Nahtlos schloss sie die Ausbildung an und entschied sich, nachdem sie einen Einblick in die unterschiedlichen Fachbereiche gewonnen hatte, für die Psychiatrie. Mehr Zeit für die Menschen als in der Somatik, das war ein Argument für ihren Entschluss. Auf die Frage nach dem schwierigeren Umgang mit psychisch Kranken, insbesondere für Neulinge, erwiderte sie: „So kompliziert ist es nicht. Neue brauchen nur reichlich Zeit, damit sie sich einarbeiten und spezifisches Wissen aneignen können.“

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