• Scheinbar ist die Bezeichnung „Patientenkaffee“ ein eher negatives Qualitätsmerkmal im Sinne von schwach, kraftlos oder mangelhaft. (Bild: Fotolia, lemik)

     

Brunos Welt im Urlaub

Lieber Bruno,
hast Du schon mal „Patientenkaffee“ getrunken?
Kürzlich haben wir in der Klinik eine Fortbildung durchgeführt. Dafür haben wir auch Kaffee gekocht, wie sich das für so eine richtig gute Fortbildung gehört. Wahrscheinlich sind wir beide nicht so gut darin, Kaffee zuzubereiten. Jedenfalls wurde von den Teilnehmenden in der Fortbildung gefragt, ob es sich bei dem von uns zubereiteten Kaffee um „Patientenkaffee“ handle.
Der Grund für diese Frage lag darin, dass der Kaffee, den Rückmeldungen zufolge, nicht schmecken würde beziehungsweise nicht stark genug sei. Scheinbar ist die Bezeichnung „Patientenkaffee“ ein eher negatives Qualitätsmerkmal im Sinne von schwach, kraftlos oder mangelhaft.
Die Frage ist nun, ob das für andere Kompositionen mit dem Wortstamm „Patient“ ebenfalls gilt, also zum Beispiel Patientenessen“, „Patiententabak“ oder „Patientengeschirr“?
Was ist der Unterschied zwischen „Patientenkaffee“ und „normalem“ Kaffee? Ist er vielleicht anders aufgebrüht, serviert oder gar koffeinfrei? Und warum gibt es überhaupt diesen Unterschied?

In einer Zeit, in der über Augenhöhe und Partnerschaft gesprochen wird und nicht zuletzt durch die UN-Behindertenrechtskonvention eine Diskussion über Gleichheit in Gang gesetzt wurde, erscheinen diese etablierten Begrifflichkeiten doch eher diskriminierend.
Vermutlich leitet sich diese Assoziation auch von der Bedeutung des Wortes „Patient“ ab. Im Lateinischen bedeutet „patiens“ soviel wie geduldig, aushaltend oder ertragend. Scheinbar trifft diese Beschreibung auf das Gefühl beim Genuss des von uns zubereiteten Kaffees zu?
Gestern haben wir schließlich noch den Superlativ zu „Patientenkaffee“ kennengelernt. Die Steigerung (im negativen Sinne) zu „Patientenkaffee“ scheint „Fair-Trade-Kaffee“ zu sein, denn dieser schmeckt, nach Angabe der Mitarbeitenden, wohl noch viel schlechter als besagter „Patientenkaffee“.

Wir wünschen Dir noch einen schönen Urlaub.

Die Daheimgebliebenen
Regine Groß und André Nienaber

PS: Brauchen wir in diesem Sinne eigentlich noch „Patienten-WCs“?

Psychiatriepflege und Psychotherapie
Stephanie Amberger, Sibylle Roll, Secil Akinci, Borwin Bandelow, Markus BangerPsychiatriepflege und Psychotherapie

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