• Demenz und Ethik – Personen mit Demenz im Akutkrankenhaus

     

Demenz und Ethik – Personen mit Demenz im Akutkrankenhaus

Soll der Umgang mit Menschen mit Demenz menschenwürdig sein, müssen wir diese als Personen wahrnehmen und dürfen sie nicht aus dem „Club der Personen“ ausschließen. Wir müssen uns über unsere eigenen Ängste und Formen der Abwehr hinausbewegen.

In Deutschland werden gegenwärtig jährlich mehr als 8 Millionen Patienten im Alter von über 65Jahren beispielsweise wegen eines Knochenbruchs, eines Harnwegsinfekts oder einer Lungenentzündung stationär behandelt. Von diesen Patienten leiden 40 % an kognitiven Beeinträchtigungen und 20 % an einer Demenz, was bei der Aufnahme in den wenigsten Fällen bekannt ist.

Im Verlauf eines stationären Aufenthalts kommt es häufig zu einem „weiteren Selbstständigkeitsverlust“, zur „Verschlechterung des kognitiven Status und zu einem vermehrten Auftreten problematischer Verhaltensweisen“ – insbesondere sog. „herausforderndem Verhalten“ (z. B. nächtliche Unruhe oder Verirren auf der Station sowie das Ablehnen von Nahrung) –, die oftmals eine wesentlich längere und mit hohen Kosten verbundene Aufenthaltsdauer zur Folge haben.

Pflege zwischen Systemlogik und Lebenswelt

Die Ursachen einer Verschlechterung des kognitiven Status und eines vermehrten Auftretens von klinischen und verhaltensbedingten Komplikationen sind unter anderem das Fehlen vertrauter Bezugspersonen, eine veränderte und unübersichtliche Umgebung, starre ökonomische, vorwiegend an den Krankenhausroutinen ausgerichtete Abläufe und nicht zuletzt das im „Spannungsfeld zwischen Systemlogik und Lebenswelt“ gefangene ärztliche und pflegerische Personal.

Das Bedrohliche im Antlitz der Demenz

Insbesondere auf chirurgischen Stationen, in denen die prä- und postoperative Pflege im Vordergrund steht, wird das klinische Fachpersonal im Umgang mit Patienten mit Demenz nicht selten vor die zusätzliche Herausforderung gestellt, sich im pflegerischen Umgang mit den eigenen, meist unbewussten Ängsten konfrontiert zu sehen – und vor diesem Anblick zurückzuweichen.

Hier ist vor allem die Angst zu nennen, selbst gebrechlich und in hohem Maß von anderen abhängig zu werden, die Angst vor einem sich über lange Zeit hinziehenden Sterbeprozess, die Angst vor dem Tod an sich, und vielleicht auch die Angst, das eigene Leben nicht bewusst genug gelebt zu haben.

Was soll ich tun?

Ob wir einen menschenwürdigen Umgang insbesondere mit Patienten mit Demenz pflegen, hängt für den Sozialpsychologen und Psychogerontologen Tom Kitwood (1937–1998) wesentlich davon ab, ob es uns gelingt, „uns über unsere eigenen Ängste und Formen der Abwehr hinauszubewegen, so dass wahre Begegnung eintreten und lebensspendende Beziehungen wachsen können“, oder ob wir diese Menschen aus dem „Club der Personen“ ausschließen. Worauf Kitwood hinaus will, ist, dass es nicht nur im Hinblick auf die Bewältigung unserer Ängste, sondern auch hinsichtlich unseres Umgangs mit Patienten mit Demenz klüger wäre, wenn wir unseren Begriff der „Person“ im Sinne der Aufklärung neu überdenken würden.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Demenz und Ethik - Personen mit Demenz im Akutkrankenhaus

Aus der Zeitschrift: GGP - Geriatrische und Gerontologische Pflege 01/2017

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