• © Hannes Gerwers

     

Die Pflege braucht Pflege

„Pflege am Boden“ heißt ein unabhängiger Zusammenschluss von Pflegenden, die sich schon 2013 gemeinsam mit Unterstützern für zehn Minuten lang in vielen Städten Deutschlands symbolisch auf den Boden gelegt haben. Unsere Autorin Franziska Schwalbe fragt sich, wie angesichts der hohen Arbeitsbelastung, der schlechten Arbeitsbedingungen, der geringen Wertschätzung und der fehlenden Stimme in der Politik die Pflege noch zu retten ist.

Die Einführung der DRGs (Diagnosis Related Groups) gab den Anstoß für die Entwicklung des Gesundheitswesens zur Gesundheitswirtschaft. Der Patient muss sich lohnen, auch wenn das heißt, immer mehr Patienten in derselben Zeit zu behandeln. Folge dieser Entwicklung ist die Erhöhung der Fallzahlen und die gleichzeitige Reduktion der Kosten, und das oft zulasten des Personals. Doch nicht nur die finanzielle Schieflage vieler Kliniken ist Grund für das Nichtbesetzen notwendiger Planstellen. Unbeliebte Arbeitszeiten, die Unwissenheit über Aufstiegsmöglichkeiten und eine geringe oder falsche Wertschätzung in der Gesellschaft („Ich könnte das nicht“) sind Auslöser für niedrige Ausbildungszahlen.

Welche Möglichkeiten bleiben der Pflege, damit dieses Berufsfeld wieder mehr Wertschätzung in der Gesellschaft erfährt? Welche Rolle spielt die Pflege in der Politik, deren Aufgabe es ist, die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu gewährleisten und zu sichern? Und wie kann sich die Pflege auf beruflicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene Gehör verschaffen?

Der Weg in eine Gesundheitswirtschaft

Das Krankenhaus wird als Wirtschaftsunternehmen betrachtet. Viel Kritik geht zulasten des Ökonomisierungsprozesses, der mit der Einführung der Fallpauschalen (DRGs) seinen Anfang nahm. Die Abkehr von den noch bis 2003 bestehenden Tagessätzen – also einer Tagespauschale, die, egal wie lang der Patient im Krankenhaus verblieb, von den Krankenkassen entrichtet wurde – ist Auslöser für das Einführen wirtschaftlicher Instrumente im Gesundheitswesen. Das heißt: Prozesse optimieren, unnötige Tätigkeiten reduzieren, deckungs- und gewinnorientiertes Handeln. Die Personalkosten machen rund 20 % der Gesamtausgaben eines Krankenhauses aus. Da liegt die Vermutung nahe, dass im Personalbereich große Möglichkeiten bestehen, um Kosten zu sparen. Hinzu kommen die Reduzierung der Verweildauer, ein schnelleres „Durchschleusen“ der Patienten sowie die Erhöhung der Fallzahl im Krankenhaus, die in den Jahren von 1991 bis 2012 um knapp 28 % gestiegen ist. In den Ausbau wettbewerblicher Strukturen und Imagekampagnen – vor allem im Kampf um den „Kunden“ Patient – werden zunehmend höhere Investitionen gesteckt, statt in die Schaffung einer qualitätserhaltenden Personalplanung zu investieren.

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Quelle: intensiv 02/2015; Die Pflege braucht Pflege; Franziska Schwalbe