• Erfahrungsbericht Eine Intensivpatientin erzählt - intensiv 2-12

    "Beim Aufwachen glaubte ich wirklich an den Tod meines Sohnes."

     

Eine Intensivpatientin erzählt

Wie geht es einem Menschen, der eine lange Zeit auf der Intensivstation verbringen muss? Was erlebt und empfindet er? Im folgenden Interview berichtet eine ehemalige Patientin über ihre Erfahrungen während ihres mehr als zweimonatigen Aufenthalts auf einer Intensivbettenstation. Anlass für das Interview war eine krankenhausinterne Fortbildungsveranstaltung.

Die Patientin (im Folgenden Frau Gruber genannt) war zum Zeitpunkt des Auftretens der Erkrankung 31 Jahre alt, Mutter von zwei Söhnen und arbeitete in einer Bankfiliale in Wien. Die Aufnahmediagnose auf der Intensivstation lautete Guillain-Barré-Syndrom.

Das Interview mit Frau Gruber ist gekennzeichnet durch eine sehr konstruktive und reflektierte Beschreibung des Erlebten. Von besonderer Bedeutung ist für Frau Gruber, dass sie sich nicht als belehrender Mensch zeigen möchte und sich darüber im Klaren ist, dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben.

Grüß Gott, Frau Gruber. Zuerst einmal herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft, mit mir dieses Interview zu führen und uns an Ihren Erfahrungen und Gefühlen teilhaben zu lassen. Darf ich Sie bitten, uns Ihren Krankheitsverlauf zu schildern?

Mit 31 Jahren, also im Herbst 2003, bekam ich eine Lähmungserscheinung nach einer Virusinfektion. Ich war schon fast zwei Wochen im Krankenstand und hatte unter starken Schmerzen festsitzende Herpesbläschen im Hals und starken Husten. Etwas Nennenswertes werde ich wohl nie vergessen: Ein Schluck Eistee hatte ein ganz seltsames Gefühlserlebnis ausgelöst. Ich fror blitzschnell, spürte die Ameisen auf der Schädeldecke kraxeln, runter in den Rücken und zurück rauf spürte ich im Hals, auf der Zunge und in den Kopf hinein ein wanderndes, pelziges, fast schon haariges betäubendes noch nie erlebtes Gefühl, das mich total verwunderte. Beim Abendessen versuchte ich etwas Fleisch zu essen - vergeblich, denn es war mehr ein Würgen. Dann wollte ich ein Glas Wasser trinken - es schoss mir allerdings gleich aus der Nase. Die Lähmung zog sich dann über den Kehlkopf runter. Die Selbstlaute verschwanden beim Sprechen. Meine Kollegin verstand mich am Handy nicht mehr und alarmierte die Rettung.Ich fühlte mich schon schwach und die Lähmungen waren nun auch in den Fingerspitzen, als ich im Krankenhaus auf der Hautambulanz wegen des brennenden weiß gepunkteten Hautausschlags am Bein landete. Danach kam ich in die HNO-Ambulanz. Man schien ratlos zu sein. Ich war drei Stunden im Krankenhaus unterwegs, danach riss der Film. Teilszenen sind hängen geblieben: Ich war noch fähig, mir den Speichel mittels eines Schlauches abzusaugen. Ich lag im Bett auf der Neurologie und schrieb, was ich sagen wollte, auf einen Zettel nieder. Es war mir unmöglich zu sprechen. Dann fiel mir aber auch bald der Bleistift aus der Hand, ich sah nur noch Doppelbilder, schlief dazwischen immer wieder ein. Permanent wurde ich auf Reflexe kontrolliert, die immer schwächer wurden, und befragt. Eine Ärztin sagte mir, sie hätten einen Verdacht auf Miller-Fisher-Syndrom, das habe auch die Entnahme der Flüssigkeit aus dem Rückenmark ergeben. Ich sei in guten Händen und werde in ein anderes Krankenhaus verlegt, da sei ich sehr gut aufgehoben. Dort wurde ich direkt auf der Intensivstation aufgenommen. Mir war das allerdings nicht richtig bewusst, die letzten Szenen, die ich mitbekam, waren als man mir die intravenösen Zugänge setzte. Dann wurde ich in den Tiefschlaf versetzt. Das Zwerchfell war gelähmt, die Atmung setzte aus und ich wurde künstlich beatmet. Viele Komplikationen folgten. Zwischen dem Abendessen und dem Einschlafen lagen zwei Tage!

Lesen Sie hier das ganze Interview mit einer Intensivpatientin

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