• Es braucht oft so wenig

    Nicht geschimpft ist Lob genug (Bild: Fotolia, Sunny studio)

     

Es braucht oft so wenig

Es braucht oft so wenig – Nicht geschimpft ist Lob genug (schwäbisches Sprichwort)

Wenn ich Schlagersänger oder Rockstar, Buchautor oder erfolgreicher Sportler, gestandener Schauspieler oder wenigstens erfolgversprechender Schauspielnachwuchs wäre, dann hätte ich eine alljährliche Chance einen Preis zu bekommen. Dieser Preis könnte in Tiergestalt als Bambi, Henne oder bayrischer Löwe daherkommen oder wie eine Stimmgabel, ein Komet oder ein visualisiertes Echo aussehen. Wenn ich dann noch über die Landesgrenzen hinaus bekannt und erfolgreich sein würde, hätte ich sogar die winzig kleine Hoffnung, einmal den allseits berühmten und begehrten Oscar oder gar einen Nobelpreis in Empfang nehmen zu dürfen.  

Aber ich kann weder singen noch schauspielern, bin sportlich eine Niete und habe keine nennenswerten Leistungen vollbracht, auf welchem Gebiet auch immer. Na ja, und für einen Preis für mein Lebenswerk bin ich dann doch noch ein bisschen zu jung. Ich will mich aber nicht beschweren, denn immerhin gehört mir ein 504-Millionstel des Friedensnobelpreises von 2012. Das ist ja schon mal was, und als ganz normale Krankenschwester kann ich auch nicht viel mehr erwarten. Denn wer hat schon einmal von Ehrungen für eine Verkäuferin, Lehrerin, Postzustellerin, Straßenbahnfahrerin, Bibliothekarin, Physiotherapeutin, Apothekerin, Bäckerin oder Landwirtin gehört? Ich nicht. Dabei sind es doch oft gerade diese ganz normalen und unscheinbaren Berufe, die in der Werbung ganz weit vorn sind, wenn es um Dankbarkeit und Anerkennung geht. Da bekommt schon mal die Bäckereiverkäuferin oder der Postbote eine Merci-Packung zugesteckt. Das muss dann aber auch ausreichen. Nichts mit rotem Teppich, Laudationen, Dankesreden, Rahmenprogramm und After-Show-Party.

Unser ehemaliger Chefarzt, kein Freund großer Worte, reagierte einmal nach einem Hinweis von mir auf die guten Leistungen der Pflegekräfte mit dem oben genannten Spruch. Von da an haben meine stellvertretende Stationsleitung Michaela und ich die Dinge selbst in die Hand genommen. Seitdem ehren und danken wir uns und unseren Kolleginnen und Kollegen eben selbst.

Einmal im Jahr richten wir beide für unsere Station und alle dazugehörigen Mitarbeiter ein großes Fest aus. Meist ist es eine Weihnachtsfeier. Wir hatten aber auch schon ein Frühlingsfest oder eine asiatische Nacht. Es gibt offizielle Einladungen und einen entsprechenden Empfang, bevor es in den festlich dekorierten Raum geht. Die Tische sind feierlich gedeckt. Es gibt ein Drei-Gänge-Menü und Gastgeschenke. Anschließend, und im Laufe der Zeit schon heiß erwartet, ein von mir und Michaela gestaltetes Rahmenprogramm. Wir sind uns dabei oft für nichts zu schade. Wir haben Gstanzl gesungen (für die Nicht-Bayern: bayrischer Spottgesang im Drei-Viertel-Takt), ein Märchen über unsere Station geschrieben und vorgetragen oder eine Nachrichtensendung (über unsere Station und unser Haus, versteht sich) gestaltet. Bei unserer letzten Weihnachtsfeier haben wir eine Preisverleihung à la Bambi, Echo & Co. auf die Beine gestellt. Wir hatten alles: passende Musik, Vorstellung der Nominierten, einen Preis, Laudationen für die Preisträger und Dankesreden. Es gab Preise für den Shootingstar der Station, es gab den Fashion-, Familien- und Toleranzpreis, Preise für beste Haupt- und Nebenrolle, Karriere und Charity und neben dem Preis für das Lebenswerk noch einige Sonderpreise.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag Es braucht oft so wenig

 

 

 

intensiv
intensiv

Fachzeitschrift für Intensivpflege und Anästhesie

EUR [D] 65,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.