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    »Ein Viertel der über 65-Jährigen nimmt fünf oder mehr verordnete Präparate.«

     

Fatale Mischung

Älteren Menschen wird häufig eine regelrechte Tablettenflut verschrieben – schädliche Wechselwirkungen sind oft die Folge. Welche das sind und was Sie als Pflegende tun können, erfahren Sie hier.

In drei von 1000 Fällen verschreiben Ärzte einen Medikamenten-Cocktail, der lebensgefährliche Folgen haben könnte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Die Forscher hatten hierfür rund 65 Millionen verordnete Medikamente für die insgesamt 24 Millionen AOK-Versicherten aus dem ersten Quartal des Jahres 2012 unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich auch heraus, dass etwa ein Viertel der über 65-Jährigen regelmäßig fünf oder mehr ärztlich verordnete Arzneimittel einnahm. Bei fast jedem Fünften der über 65-Jährigen war ein Präparat dabei, das ältere Menschen möglichst vermeiden sollten. Fast jedem zweiten Patient war nicht bekannt, dass die Kombination verschiedener Arzneien verstärkt Wechselwirkungen nach sich ziehen kann.

Viel hilft nicht immer viel

Heikel ist, dass ältere Menschen oft in Behandlung mehrerer Ärzte sind. „Die verschreiben aus ihrer Perspektive natürlich die richtigen Präparate, nur wissen sie nicht, welche Medikamente der Patient sonst noch nimmt“, sagt Prof. Petra Thürmann, Klinische Pharmakologin am Klinikum Wuppertal und Dozentin an der Universität Witten/Herdecke. Häufig kämen noch irgendwelche Mittelchen dazu, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt. Daraus resultiert ein Pillen-Mix, der besonders für alte Leute gefährliche Folgen haben kann. Sie reichen von Magenbeschwerden über Kreislaufprobleme bis hin zu Herzrhythmusstörungen, Verwirrung, Desorientierung, Schwindel und Gangunsicherheit. Schätzungen zufolge sind zehn bis fünfzehn Prozent der Klinikeinweisungen älterer Menschen auf Arzneimittel zurückzuführen. Dagmar Heilhecker-Hoff, die als Fachkrankenschwester für Rehabilitation (Schwerpunkt Geriatrie und Ernährungsmedizin) in der Akutgeriatrie der Asklepios Paulinenklinik Wiesbaden arbeitet, bestätigt: „Ein alter Patient, der vielleicht schon schlecht sieht und aufgrund seiner Medikation auch noch wackelig auf den Beinen ist, hat natürlich ein hohes Sturzrisiko. Ein Sturz geht bei ihm dann häufig mit einer Schenkelhalsfraktur und einer Einweisung ins Krankenhaus einher.“ Es drohen also ganz andere Konsequenzen auf eine leichte Nebenwirkung als bei einem jüngeren Menschen. Immer wieder beobachtet die Pflegende, dass Senioren aufgrund solcher Wechselwirkungen ihre Selbstständigkeit verlieren. „Danach folgt dann leider nicht die Entlassung nach Hause, sondern der Einzug in die Seniorenresidenz.“ Auf der Station von Dagmar Heilhecker-Hoff bespricht der Chefarzt deshalb bei der Kurvenvisite alle Arzneimittel und wägt ab, ob diese möglicherweise unerwünschte Reaktionen auslösen könnten. „Die Patienten nehmen bei uns über den Tag verteilt bis zu acht Präparate“, berichtet sie. Bei mehr als fünf Medikamenten verstärken sich die Wechselwirkungen deutlich. Außerhalb der Klinik kann hiervor ein neuer Trend schützen: Mittlerweile suchen sich viele ältere Patienten eine Stammapotheke. „Bei einer Neuverordnung können die Apotheker dann die Arzneien in den Computer eingeben und schauen, welche Kombinationen negative Effekte erzeugen könnten. Dafür gibt es eine spezielle Software“, erklärt Heilhecker-Hoff. Hilfreich ist auch die neue elektronische Gesundheitskarte, auf der die Daten des Patienten hinterlegt sind: Ärzte und andere Heilberufler erhalten Einblick in die verordnete Arznei sowie in sämtliche Laborbefunde und Arztbriefe.

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