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Das geht auch digital

Keine Fiktion mehr: Sondenentwöhnung über das Internet – ist das möglich? Dieser Artikel beschäftigt sich mit einem internetbasierten Programm, das Kinder beim Übergang von der Sonden- zur oralen Ernährung unterstützen soll. Vor- und Nachteile, technische Umsetzung und Zielgruppen werden beleuchtet, Ergebnisse berichtet, der Einsatz in der Praxis vorgestellt und der Text mit einem Fallbeispiel abgerundet.

Sondenernährung, egal ob über eine transnasale oder perkutane Sonde, die entweder im Magen oder Darm endet, ist aus der Intensivmedizin und vielen Bereichen der Pädiatrie nicht mehr wegzudenken. Ihre lebenserhaltende Funktion ist unbestritten und sichert in vielen Fällen – trotz schwerer medizinischer Erkrankungen und deren Behandlungen – das Überleben und Gedeihen von Säuglingen, Klein- und Schulkindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Die Richtlinien der europäischen Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Erährung (ESPHGAN) geben einen Überblick über die verschiedenen medizinischen Indikationen für eine Sondenlegung in der Pädiatrie:

  • Inädaquate orale Einfuhr (durch z. B. Schluckstörung, neurologische Erkrankungen, Tumore),
  • Störungen der Digestion und Absorption (wie z. B. Malabsorptionssyndrome, Lebererkrankungen, Kurzdarmsyndrom),
  • Störungen der gastrointestinalen Motilität (z. B. Hirschsprung-Krankheit, Pseudoobstruktion),
  • Erhöhter nutritiver Bedarf bzw. Verlust (z. B. bei entzündlicher Darmerkrankung, nach Traumata),
  • Gedeihstörung oder chronische Unterernährung (z. B. bei Anorexia nervosa),
  • Morbus Crohn,
  • Stoffwechselstörungen.


Vor einer geplanten Sondenlegung wären im Rahmen einer ausführlichen Aufklärung mit den Kindseltern die Dauer der enteralen Ernährung und deren zu erwartende Ziele zu fixieren. Leider wird insbesondere die Beendigung der Sondenernährung anfangs oft nicht besprochen. Unterschieden wird grundsätzlich zwischen permanenter oder temporärer Sondenernährung. Kinder, die an schweren Stoffwechselstörungen leiden, die eine Nährstoffzufuhr erfordern, die durch alleinige orale Ernährung nicht sichergestellt werden kann, sowie Kinder, die z. B. durch eine schwere Hirnschädigung nicht in der Lage sind sicher zu schlucken, werden permanent (in den meisten Fällen lebenslang) über eine Sonde ernährt. Im Gegensatz dazu gibt es viele Krankheiten oder Umstände im Kindesalter, die eine nur vorübergehende Sondenernährung notwendig machen. Allen voran sei hier die Frühgeburtlichkeit genannt. Frühgeborene werden aufgrund ihrer Unreife oft über Wochen oder Monate über eine Sonde und dann vollständig oral ernährt. Selbiges gilt z. B. für Kinder, die während onkologischer Erkrankungen einer Sondenernährung bedürfen, oder für jene, die etwa zur Vorbereitung eines chirurgischen Eingriffs (häufig: kardiologische Operationen) sondiert werden.

Jene Patienten, die also eine primär als temporär geplante Sondierung erhalten, sollten nach Erreichen des Ziels dieser erstmalig oder wieder völlig oral ernährt werden.

Bei manchen Patienten passiert dieser Übergang zur natürlichen oralen Ernährung schrittweise und „wie von selbst“, in manchen Fällen gelingt dieser komplexe Prozess leider nicht. Bei den Kindern, bei denen der Übergang nicht gelingt, kann sich eine Sondendependenz entwickeln, die durch eine medizinisch nicht indizierte Abhängigkeit charakterisiert ist. Das bedeutet, dass ein Kind sondenernährt wird, obwohl die medizinische Situation einen Übergang zur vollständigen oralen Ernährung erlauben würde. Die Kinder zeigen charakteristische Symptome wie Verweigerung der oralen Nahrungsaufnahme, orale und taktile Aversion. Zudem zeigt sich oftmals eine schlechte Verträglichkeit der Sondenernährung, die Kinder würgen und erbrechen häufig, es kann in weiterer Folge zur mangelnden Gewichtszunahme und Untergewichtigkeit kommen.

Kinder, die eine Sondendependenz entwickelt haben, benötigen interdisziplinäre fachliche Betreuung und Hilfe. Diese wird je nach Herkunftsland von Pädiatern, Logopäden, Diätologen, Psychologen oder Ergotherapeuten angeboten. In manchen Ländern gibt es auch ausgebildete Esstherapeuten/„feeding therapists“.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Das geht auch digital

Aus der Zeitschrift JuKiP 06/2016

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