• Gute Nacht

    Insgesamt ist zwar die Anzahl der Patienten pro Pflegekraft in der Nacht zurückgegangen, doch die Betreuung ist viel engmaschiger als vor 20 Jahren.

     

Gute Nacht?

Die Pflegewissenschaftlerin Prof. Christel Bienstein hat in den Jahren 1993 und 2013 Studien zum Nachtdienst im Krankenhaus durchgeführt. Im Interview erklärt sie, wie sich der Dienst im Dunkeln verändert hat.

Prof. Bienstein, können Sie sich noch an Ihren eigenen Nachtdienst erinnern?
Oh ja, sehr gut: Ich machte damals Nachtwache auf zwei chirurgischen Stationen mit insgesamt 70 Patienten. Ich hatte immer Angst, dass ich einen Patienten plötzlich tot auffinde. Einmal ist auch ein frisch operierter Mann während meiner Nachtwache verstorben – ich kam zu spät. Sterbende Menschen baten mich oft darum, nicht alleine bleiben zu müssen. Das war leider nicht immer möglich, weil wir einfach zu viele Patienten hatten. Heutzutage haben wir zum Glück eindeutig mehr examiniertes Fachpersonal in der Nachtwache und weniger Patienten pro Nachtschicht.

Was ist heute noch anders als vor 20 Jahren?
Die Patienten werden heute früher entlassen, und wir haben mehr Ältere, Kranke und Pflegebedürftige. Für den Nachtdienst bedeutet dies, dass sich die Pflegekraft permanent auf neue Patienten einstellen muss und diese mehr Hilfe in der Nacht benötigen. So sind zum Beispiel 30 Prozent der Patienten auf den konservativen Stationen nicht vollständig orientiert. Das hat Auswirkungen auf die Arbeit in der Nacht. Dazu kommen vermehrt Monitorüberwachungen, Neuzugänge und Antibiotikagaben. Insgesamt ist zwar die Anzahl der Patienten pro Pflegekraft in der Nacht zurückgegangen, doch die Betreuung ist viel engmaschiger als vor 20 Jahren. Ich vermute, dass die Anzahl der Patienten pro Pflegekraft wieder ansteigen wird. Denn der Trend zur Stationszusammenlegung kann auch Auswirkungen auf die Anzahl der Patienten pro Nacht haben. Ein weiterer Trend sind die Ein- und Zweibettzimmer im Krankenhaus. Das ist für Patienten zwar angenehm, doch für die Pflegekräfte bedeutet dies mehr Wege und eine höhere psychische Belastung. Denn man weiß nie, was sich hinter einer Tür verbirgt. Eine Anspannung entsteht dann automatisch.

Ihre Studie hat jedoch ergeben, dass die Pflegekräfte im Dauernachtdienst weniger angestrengt sind als Pflegende, die auch im Tagdienst arbeiten. Würden Sie daher Dauernachtwachen empfehlen?
Nein, so pauschal würde ich das nicht sagen. Es kommt immer auf die Lebenssituation an: 80 Prozent der Dauernachtwachen haben diese Arbeitszeiten gewählt, weil sie Kinder haben und so Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können. Aber Pflegende in der Nachtwache beklagen sich vorwiegend darüber, dass sie schnell arbeiten müssen, oft aus der Arbeit herausgerissen werden und zu viele Dinge gleichzeitig erledigen müssen. Ein menschlicher Körper kann sich zudem definitiv nicht auf eine Nachttätigkeit umstellen. Das hängt mit dem Hormon Melatonin zusammen, das um drei Uhr nachts die höchste Produktion hat. Wird die Ausschüttung durch Licht gehemmt, können dadurch Schlafstörungen entstehen. Von daher empfiehlt sich schon alleine aus gesundheitlichen Gründen eine Dauernachtwache nicht. Letztendlich arbeiten nur noch 21 Prozent der Pflegekräfte im Dauernachtdienst. In unserer Studie wurde auch deutlich, dass Dauernachtwachen immer das Gefühl hatten, dass sie wortwörtlich „im Dunklen bleiben“ und im Haus nicht wahrgenommen werden. Zudem können sie keine Teambesprechungen oder Fortbildungen besuchen, weil diese zu Zeiten stattfinden, in denen sie schlafen.

Lesen Sie hier das ganze Interview mit Prof. Christel Bienstein

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