• Historie der Pflegeausbildung

     

Historie der Pflegeausbildung

Unterschiedliche Bedarfe, Anlässe und politische Debatten zu Reformen in der Pflegeausbildung hat es in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik Deutschland immer wieder gegeben. Der Beitrag zeichnet zentrale Entwicklungsstränge nach, die die bildungs- und berufspolitische Debatte um die Generalistik geprägt haben und bis heute beeinflussen.

Pflegenotstand und erste europäische Harmonisierung (1965–1977)

Ein fulminantes Wirtschaftswachstum im Nachkriegsdeutschland führte zu einer massiven Verknappung von Arbeitskräften und der Anwerbung erster „Gastarbeiter“. Zur Linderung der Pflegepersonalknappheit warb man Fachpersonal aus dem Balkan und Asien an. Um den gravierenden Pflegenotstand abzumildern, führte man auf Vorschlag der Deutschen Krankenhausgesellschaft 1965 die Krankenpflegehilfeausbildung ein. Damit nahm der Gesetzgeber eine erste Ausdifferenzierung im Ausbildungs- und Tätigkeitsprofil des Pflegeberufs vor. „Grundpflege, Vitalzeichenerhebung und die Anwendung von Prophylaxen“ wurde dem neuen Berufsbild der Krankenpflegehilfe zugeschrieben, seltsamerweise aber auch in der Krankenpflegeausbildung belassen. 1970 gründete das Bundesministerium für Gesundheit angesichts eines hohen Reformbedarfs in der Pflegeausbildung eine „Kleine Kommission“, die sich mit der Weiterentwicklung der Pflegeausbildung beschäftigten sollte. Zur Bewältigung des anhaltenden Pflegepersonalmangels senkte der Deutsche Bundestag am 4. Mai 1972 die Zugangsvoraussetzungen für die Pflegeausbildungen ab (das Zugangsalter wurde auf 17 Jahre herabgesetzt). Unter anderem führte die Absenkung der tariflichen Wochenarbeitszeit von 1957 mit den üblichen 60 Stunden auf 40 Stunden im Jahr 1985 zu einer weiteren Verknappung von Personalressourcen in der Wirtschaft, was sich auch im Gesundheitswesen bemerkbar machte. Weitere Gründe für den Personalmangel waren aber auch schon zu dieser Zeit unzumutbare Arbeitsbedingungen und die schlechte Entlohnung in der Pflege. Die Nachkriegsgenerationen lehnten Mutterhäuser und Residenzzwang in „Schwesternwohnheimen“ ab. Die Emanzipationsbewegungen veränderten die altmodischen und patriarchalischen Strukturen zusehends. Pflege als Beruf zum Broterwerb in einem normalen bürgerlichen Leben wurde zum Ziel (siehe hierzu auch die Lerneinheit „Die Professionalisierung des Pflegeberufs“ in CNE.online).

Ziele der WHO und der EU – 1977 und 1987 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Programm „People‘s needs for nursing care“ und 1978 die Erklärung von Alma-Ata, in der „Primary Health Care“ und der Einbezug der Pflegeempfänger in die Entscheidungen über Behandlung und Pflege wesentliche Schwerpunkte waren. Die Einführung des „Pflegeprozesses“ in Deutschland, die Erweiterung des Ausbildungsziels und die ersten Schritte zum eigenständigen Pflegeauftrag im Gesetz von 1985 sind Auswirkungen dieser Entwicklungen. Aus Sicht des Gesetzgebers kann die Pflege „somit pflegerische Inhalte selbstständig erschließen und eigenverantwortlich durchführen bzw. delegieren“. Die WHO und auch die Europäische Union gehen in ihren Konzepten von einer generalistischen Pflegeausbildung für Menschen aller Altersgruppen aus.

1986 verabschiedete die WHO die Ottawa-Deklaration und das Programm „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“, dem „Gesundheit 21 – Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert“ folgte. Der Fokus liegt nun nicht mehr auf der dominierenden Expertokratie im Gesundheitswesen, sondern auf den Bedürfnissen der Bevölkerung. Um diesen Emanzipationsprozess zur fördern, benötigt man entsprechend qualifiziertes Personal. Die Wiener Erklärung von 1988 enthält folgenden Satz:

Das Pflegewesen kann seine Aufgabe in der primären Gesundheitsversorgung am besten erfüllen, wenn in der Pflegeausbildung eine solide Grundlage für die Pflegepraxis, besonders die Arbeit im Gemeinderahmen, gelegt wird und wenn die Pflegenden die sozialen Aspekte der Gesundheitsbedürfnisse berücksichtigen und zu einem breiteren Verständnis der Entwicklung im Gesundheitsbereich gelangen.

Im Jahr 2000 versprechen die damalige Bundesgesundheitsministerin und die WHO in der Münchner Erklärung, dass „es den Pflegenden und Hebammen ermöglicht wird, effizient, effektiv und unter Ausnutzung ihres vollen Potenzials sowohl als unabhängige wie als auf die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen angewiesene Fachkräfte zu arbeiten“.

 

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Aus CNE.fortbildung

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