• Zum 20. Geburtstag der Psych.Pflege Heute führte der aktuelle Herausgeber der Zeitschrift, Michael Schulz, ein Interview mit der Mitbegründerin und ehemaligen Herausgeberin, Hilde Schädle-Deininger.

     

Ideen und Identität für Pflegende

Zum 20. Geburtstag der Psych.Pflege Heute führte der aktuelle Herausgeber der Zeitschrift, Michael Schulz, ein Interview mit der Mitbegründerin und ehemaligen Herausgeberin, Hilde Schädle-Deininger.

Liebe Hilde Schädle-Deininger, die Psych.Pflege Heute wird 20 Jahre alt. Wie kam es damals dazu, dass die Psych.Pflege Heute ins Leben gerufen wurde?
Vor mehr als 30 Jahren gab es vor allem im sozialpsychiatrischen und gemeindepsychiatrischen Arbeitsfeld der Pflege die Überlegung, dass es zur Weiterentwicklung der Psychiatrischen Pflege nicht nur mehr spezifische Fachliteratur und die Dokumentation von Tagungen braucht, sondern auch eine eigene Zeitschrift für Psychiatrische Pflege.
Allerdings existierte aufgrund von Recherchen, wer von den Pflegenden privat eine Fachzeitschrift abonniert hat, die Befürchtung, dass die Zeitschrift nicht genügend Leserinnen und Leser bekommt. Die Idee wurde daher immer wieder verworfen.
Diese Diskussion wurde dann von einigen im Thieme Verlag mitarbeitenden Sozialpsychiatern gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Verlags aufgegriffen. Der Grundstein wurde – zwar mit Bedenken – 1994 in Offenbach am Main gemeinsam von Professor Dr. Manfred Bauer, Peter Eich (Thieme Verlag), Philomina Seidenstricker, Ulrike Villinger und mir gelegt.

Sie waren lange federführende Schriftleiterin der Zeitschrift. Was war aus Ihrer Sicht das Wichtigste, was die Zeitschrift ihren Lesern geben konnte?
Ohne Zweifel ist durch die Zeitschrift mehr Pflegewissen und Identität für unseren Beruf verbreitet worden und unsere Kolleginnen und Kollegen haben viele Anregungen und Ideen erhalten.
Wir haben uns immer um ein ausgewogenes Verhältnis von Theorie und Praxis bemüht und in diesem Zusammenhang viele Pflegende ermutigt, ihr Wissen und ihre Erfahrungen aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Sicher wurde durch die Zeitschrift die Psychiatrische Pflege auch konkreter
und greifbarer.

Was sind für Sie die großen positiven beziehungsweise negativen Entwicklungen der Psychiatrischen Pflege in den letzten 20 Jahren?
Positiv ist für mich die Entwicklung im tertiären Bildungsbereich, auch wenn sich bisher keine grundsätzliche Akademisierung des Pflegeberufs auf Bachelor- und Masterebene durchgesetzt hat. Dass sich die pflegerische Fachliteratur so erweitert hat, ist ebenfalls sehr erfreulich.
Als negativ sehe ich, dass durch die Sparmaßnahmen die Arbeit, vor allem im stationären Bereich, in dem Sinne leidet, dass die Kolleginnen und Kollegen ihre inhaltliche Arbeit immer mehr zurückfahren (müssen?), dass der Notwendigkeit von Experten der Pflege auf einer Station wenig Gewicht zukommt, außerdem, dass nach wie vor wenig psychiatrische Pflegeexperten im ambulanten und komplementären Bereich arbeiten.

Sie verfügen im Hinblick auf die Psychiatrische Pflege über große Erfahrung. Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie wird sich das Berufsfeld der Psychiatrischen Pflege in Zukunft verändern und warum macht es für junge Menschen durchaus Sinn, sich für diesen Beruf zu entscheiden?
Für mich ist es sicher, dass die Psychiatrische Pflege der Zukunft überwiegend ambulant arbeiten muss und wird. Allerdings muss die Pflege sich hier politisch positionieren und verdeutlichen, was passiert, wenn Betroffenen und Angehörigen Psychiatrische Pflege „vorenthalten“ wird. Außerdem werden wir entscheiden müssen, welche Qualifikations-grade in der Psychiatrischen Pflege mit welchem Profil gebraucht werden und in diese Überlegungen muss auch der Beitrag von Peers gleichwertig eingehen.
Trotz allen Stolpersteinen, die es in der Pflege gibt, hat der Einzelne gerade in der Psychiatrischen Pflege viel Gestaltungs-freiraum und psychiatrische Erkrankungen zeigen viele Aspekte des Menschseins. Von daher gilt es für uns, die wir den Beruf kennen, junge Menschen dafür zu begeistern, in der psychosozialen Versorgung eine psychiatrisch-pflegerisch sinnvolle, inhaltlich zufriedenstellende Aufgabe zu sehen.

Herzlichen Dank für das Interview.


Lesen Sie hier Glückwünsche anlässlich des 20. Jubiläums von Psych.Pflege Heute.
Außerdem den Beitrag „Blick zurück nach vorn“, der die Funktion der Fachzeitschrift innerhalb der Berufsgruppe aufzeigt und was ihr für die Zukunft zu wünschen wäre.