• Digitalisierung

     

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Die komplett digitale Klinik ist heute noch selten. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein ist seit Jahren dabei, von Papier auf Datei umzustellen.

Ein Piieep erklingt, wie an der Supermarktkasse. „Guten Morgen, Frau Kramer! Sie bekommen also ein EKG und ein Echo? Warten Sie doch bitte noch ein paar Minuten draußen.“ Mit einem Scanner und dem Barcode auf dem Patientenarmband hat die Pflegefachkraft in der Kardiologie die Patientin erfasst. Frau Kramer hat sonst kein Papier dabei – außer ihrem Krimi, den sie mitbrachte, um eventuelle Wartezeiten zu überbrücken. Digitale Dokumentation in der Klinik oder im ambulanten Bereich. Kaum ein Betrieb wird heute komplett ohne elektronische Datenerfassung arbeiten. Röntgenabteilungen zum Beispiel arbeiten vielfach schon lange mit Daten statt Filmen. Darüber wundert sich kaum jemand mehr – die Bilder sind inner- und außerklinisch stets verfügbar. Der oberärztliche Hintergrund hat auch von außerhalb der Klinik Zugriff auf die Bilder, die Anfahrtzeit entfällt – was den Patienten häufig wertvolle Zeit verschafft. Auch Labore sind schon lange dabei, auf digitale Ergebnisbögen umzustellen. Dass diese Bögen mitunter noch ausgedruckt werden, um sie zu lesen und abzulegen, ist sicherlich erstaunlich – und meist der Tatsache geschuldet, dass es noch keine Schnittstellen gibt. Also Orte, an denen die digitalen Daten des Labors mit denen der Patientenakte sinnhaft verknüpft werden können – außer in eine papiernen Mappe. Viele Betriebe arbeiten zurzeit sicherlich mit einer Mischung aus Papier und Datei. Darüber entstehen mitunter leicht skurrile Situationen: Die Visite schaut auf einen papiernen Ausdruck eines eher seltenen Laborparameters. Gleichzeitig tippt ein Mitarbeiter auf seinem Smartphone herum, auf der Suche nach den therapeutischen Implikationen, die dieser Wert liefert. 

Schritt für Schritt

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ist seit einer Weile dabei, die elektronische Patientenakte zu etablieren. Begonnen hat das Projekt 2011. Was bereits anzeigt, dass die
Digitalisierung einer Klinik nichts ist, das über Nacht entsteht. Es ist vielmehr ein Prozess. Schritt für Schritt haben die Mitarbeiter ihr System von Papier auf Bits und Bytes umgestellt. „Was wir gerade im Piloten haben, ist die elektronische Fieberkurve“, erklärt Gerhard Witte, Pflegedienstleiter am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Pilot heißt: Zwei Stationen an den Standorten Kiel und Lübeck arbeiten mit der digitalen Fieberkurve, sie probieren sie quasi aus. Das birgt gleichzeitig die Möglichkeit, berufsgruppenübergreifend Fehler zu erkennen und zu beseitigen – ein beschriebener Schritt in der Entwicklung eines Projekts. Alle anderen Stationen in Kiel arbeiten zurzeit noch mit der papiernen Fieberkurve. Im April 2016 soll der Pilot abgeschlossen sein, und die Fieberkurve wird an beiden Standorten eingeführt. „Das wird dann etwa ein Jahr brauchen“, schätzt Witte. Fast alles andere läuft am UKSH bereits digital – Stammblatt, Pflegedokumentation, zu 70 Prozent etabliert ist die elektronische Anordnung von Medikamenten. Selbst die Verwaltung von Blutkonserven geht über Piieep ... Aber halt, bei den Konserven gibt es noch einen Kontakt zu Papier. „Zurzeit kleben unsere Mitarbeiter noch die Chargen der Blutkonserven in die Fieberkurveein“, sagt Dietmar Voigt, Anwenderbetreuer elektronische Pflegedokumentation und Bereich Vorstand Krankenpflege und Patientenservice. Aber auch das soll bald analoge Geschichte sein: Dann werden via Barcode das Patientenarmband und die Nummer der Konserve gescannt und in der elektronischen Akte abgelegt.

Lesen Sie gesamten Beitrag Klicken statt schreiben aus der Zeitschrift CNE.magazin 3/2016

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