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    „Das Wesen der Menschlichkeit entfaltet sich nur in der Ruhe. Ohne sie verliert die Liebe alle Kraft ihrer Wahrheit und ihres Segens.“ (Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827), Schweizer Pädagoge und Sozialreformer)

     

Ruhe, bitte!

Seit Langem weiß man um die negativen Auswirkungen geräuschbelasteter Umgebungen auf Konzentration, psychosoziale Interaktion und Genese. Stationäre, pädiatrische Bereiche verdienen vor diesem Hintergrund eine besondere Aufmerksamkeit. Patientenorientierte Pflege soll sorgfältig, kompetent und zugewandt erfolgen. Besorgte, oftmals erschöpfte Eltern nehmen jede Chance wahr, bei ihren häufig schwerstkranken Kindern zu wachen. Gut nachvollziehbar und logisch, dass in diesem Umfeld jeder unnötig lärmende Stressor zu vermeiden ist.

Das menschliche Gehör erfüllt seit Anbeginn unseres Daseins bis heute die Aufgaben eines „Frühwarnsystems“ – mehr noch, es fungiert als Analysator aktuell wahrgenommener Reize.

Nach der Aufnahme des Schallereignisses durch das Außen-, Mittel- und Innenohr, dem sogenannten peripheren Hören, folgt innerhalb von Millisekunden das zentrale Hören, welches über Nervenbahnen (Hörnerv) und das Gehirn stattfindet.

Zentrales Hören läuft in zwei Stufen ab. Ein Übergang von automatisch unbewusster Verarbeitungsebene zur automatisch bewusst wahrnehmenden Verarbeitungsebene findet statt. Dies geschieht permanent – also auch im Schlaf. Wir sind mit einer Art sensibler Alarmanlage ausgestattet, die im übertragenden Sinne einen „Schatz“ – unser Überleben – sichert. Bei „Alarm“ (Schallereignisse, die das allgemeine Hintergrundgeräusch impulsartig um 30 dB übertreffen) stellt der menschliche Organismus eine verblüffende Kongruenz zur Wortbedeutung Alarm = à l’arme (zu den Waffen) her.

Endokrine, metabolische und vegetative Reaktionsketten werden durch die Hörwahrnehmung aktiviert – eine Vorbereitung auf Kampf oder Flucht erfolgt. Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Schweißsekretion, die Durchblutung der großen Muskulatur nehmen zu, Magensekretion und Durchblutung der Haut nehmen ab. Diese plakativ beschriebene Kausalkette der Überlebenssicherung kann willentlich nicht beeinflusst werden. Auf Lärm reagieren wir mit Stress – ob wir wollen oder nicht.

Die „Lärmwirkung“ auf den Menschen lässt sich grundsätzlich in drei Wirkungsbereiche untergliedern: die medizinische Auswirkung von Lärm, die psychologische und schließlich die soziale Lärmauswirkung.

Medizinische Lärmauswirkung auf unterschiedliche Organsysteme

Durch die bereits genannten Stimuli werden endokrine, metabolische und vegetative Systeme sowie der Elektrolythaushalt beeinflusst. Die Folge sind Stressreaktionen, die langfristig zu einer Chronifizierung eines Bluthochdrucks führen können und für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich gemacht werden.

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Quelle: JuKiP 1/2015; Ruhe, bitte! – Lärmreduzierung