• Reinigungskraft auf Intensivstation - Reportage in intensiv 1-12

    "Ich möchte die Intensivstation nicht gegen eine andere Station tauschen!"

     
  • Intensivmediziner am Bett einer Patientin - Reportage aus intensiv 1-12

    "Es macht Spaß, wenn man zusammen etwas erreichen kann."

     
  • Pflegende mit Mundschutz - Beitrag Pflege mit anderen Augen aus intensiv 1-12

    "Willkommen bei uns, wir sind anders."

     

Pflege mit anderen Augen

Reportage - Haben Sie sich schon einmal gefragt, was die Reinigungskraft, der Sie fast täglich begegnen, über Ihren Beruf denkt? Oder können Sie sich vorstellen, wie die angrenzenden Berufsgruppen, mit denen Sie täglich zu tun haben, die Intensivpflege sehen? Wir haben eine Reinigungskraft, einen Physiotherapeuten und einen Intensivmediziner zu ihrem persönlichen Blick auf die Intensivpflege befragt. In dieser Reihe darf natürlich die Intensivpflegekraft nicht fehlen, die erzählt, wie sie ihren eigenen Beruf sieht.

Jutta Schroth (55), gelernte Einzelhandelskauffrau, seit 17 Jahren Reinigungskraft auf der neurologisch/neurochirurgischen und den beiden chirurgischen Intensivstationen

Wie haben Sie Ihre Anfangszeit auf der Intensivstation erlebt, zwischen den schwer kranken Menschen und den Geräten und Schläuchen?

Am Anfang war alles komisch, da hat man ganz vorsichtig gearbeitet. Es war sehr schwierig, weil man nicht gut um die ganzen Geräte herum putzen konnte. Da muss man sehr aufpassen, dass man nichts umkippt oder abreißt und dabei die strengen Hygienevorschriften erfüllt.Damals hat es mich schwer belastet, wie krank die Patienten sind und wie oft welche sterben. Heute kann ich damit umgehen, ich denke, ich bin da reingewachsen.

Wie sind Sie mit dieser Belastung fertig geworden?

Damit musste ich allein fertig werden. Dann habe ich zu Hause meinem Mann viel erzählt und er hat mir immer zugehört. Aber wenn sehr junge Patienten schwer krank sind oder sterben, nimmt mich das auch heute immer noch sehr mit.

Welche Berührungspunkte haben Sie mit den Intensivpflegern?

Meine Vorarbeiterin sagt mir, was zu machen ist, meine Arbeit erledige ich selbstständig. Die Intensivpfleger sehe ich zwar, aber ich habe mit ihnen kaum etwas zu tun. Manchmal, wenn etwas dringend ist, bitten sie mich, etwas zuerst zu reinigen.

Was denken Sie über die Arbeit der Intensivpflegekräfte?

Ich denke, das ist ein körperlich und seelisch harter Beruf, in dem man viel unter Stress steht. Sie geben immer ihr Bestes, aber es ist ganz enorm, welcher Belastung sie ausgesetzt sind. Mir ist aufgefallen, dass die Pflegekräfte oft schon sehr jung ganz schön angeschlagen sind - der eine hat Probleme mit den Knien, der andere mit dem Rücken. Außerdem ist die Schichtarbeit heftig.

Erscheinen Ihnen die Pflegekräfte glücklich?

Ja, sie sind zumindest immer gut gelaunt. Sie müssen den Patienten ja auch Gutes tun, da muss man immer gute Laune haben.

Welches Erlebnis ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

Das ist mindestens schon zehn Jahre her, aber daran denke ich sehr oft: Eine schwer kranke ältere Dame lag auf der Station und immer, wenn ich an ihr Bett kam und das Bettgitter geputzt habe, wollte sie nach meiner Hand greifen. Sie tat mir so leid, weil sie so lange da lag und keine Angehörigen hatte, die sie besuchten. Wenn ich in das Zimmer kam, standen mir eigentlich schon die Tränen in den Augen. Aber dann ist die Frau nach einem Jahr im Krankenhaus gesund nach Hause gegangen. Später hat sie uns dann auch noch ein paar Mal besucht, das fand ich ganz toll.

Würden Sie gern auf einer anderen Station arbeiten?

Nein, ich möchte die Intensivstationen nicht gegen eine andere Station tauschen. Die Intensivstation ist nicht jedermanns Sache, aber mir macht meine Arbeit viel Spaß. Die Ärzte und Pfleger sind sehr nett. Sie behandeln mich ganz normal, sind immer freundlich und grüßen. Das ist nicht überall so. Ich könnte nicht auf einer Kinderkrebsstation arbeiten, das würde ich emotional nicht aushalten.

Könnten Sie sich vorstellen, als Intensivpflegerin zu arbeiten?

Ich finde den Beruf sehr interessant, man hat mit vielen Menschen zu tun, mit verschiedenen Krankheiten und wie man versucht, die Patienten zu heilen. Meine Tochter ist Krankenpflegerin, das war immer ihr Wunschberuf, aber ich kann nicht sagen, ob es mein Traumberuf wäre. Ich ziehe auf jeden Fall den Hut davor, was diese Leute leisten.

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