• Psychotraumatologie in der Bezugspflege

    Bezugspflegende sind für den Patienten zugleich Modell, Resonanzboden und Coach.

     
  • Selbstwirksamkeit - Psych.Pflege Heute 5-11

    Bezugspflegende helfen dem Patienten, den Bann des Schreckens zu brechen.

     
  • Traumaschema und traumakompensatorisches Schema

    Die zwischen Traumaschema und traumakompensatorischem Schema sich entspannende Dynamik produziert charakteristische Symptome.

     

Psychotraumatologie in der Bezugspflege

Neue Impulse für die Gestaltung der Pflegekraft-Patient-Beziehung

Durch die Einführung der Bezugspflege in den meisten psychiatrischen Einrichtungen hat die Beziehungsgestaltung als Aufgabengebiet der psychiatrischen Pflege eine deutlichere Kontur gewonnen. Als Zuständige für die Pflegeplanung und die Gestaltung des Pflegeprozesses ihrer Patienten sind Bezugspflegende dazu verpflichtet, ihr jeweiliges Handeln zu begründen und die Folgen ihres Handelns systematisch zu überprüfen. Damit sind sie dazu aufgefordert, sich und anderen zu vergegenwärtigen, was sie tun und warum sie das, was sie tun, so tun, wie sie es tun.

Bezugspflege in der Psychiatrie
Die strukturelle Verankerung einer reflexiven Ebene regt dazu an, implizites Erfahrungswissen explizit und so einer systematischen Überprüfung und Abwägung zugänglich zu machen. Dies stellt hohe Anforderungen an die psychiatrische Pflege. Denn die in der Kommunikation und Interaktion mit den Patienten stattfindenden Prozesse sind oft subtil und entziehen sich einer eindeutigen Objektivierung. Die über die psychiatrische Krankheitslehre vermittelten Wahrnehmungsraster können zwar eine grobe Orientierung geben, werden der konkreten Individualität des Patienten jedoch nicht gerecht. Unter Umständen können sie sogar kontraproduktiv für die Gestaltung der Beziehung sein, denn sie engen den Blick auf den Patienten, weil sie ihn vorstrukturieren, stets ein Stück weit ein.

Aktivitäten des täglichen Lebens
Als Bezugspunkt für ihre Interventionen dienen der Pflege bekanntlich die Aktivitäten des täglichen Lebens. In der damit gegebenen Verwobenheit mit der Sphäre des Alltäglichen finden wir einen weiteren Grund dafür, dass es Pflegenden oft schwer fällt, ihre Interventionen explizit zu machen. Denn die Handlungen, die zur Bewältigung des Alltäglichen erforderlich sind, sind in ihrer Unmittelbarkeit so selbstverständlich und nah, dass es einer gewissen Mühe bedarf, sich in eine Distanz zu ihnen zu bringen. Dies ist jedoch die Voraussetzung dafür, sie wahrnehmen und explizit vergegenwärtigen zu können.

Bezugspflegende in der Psychiatrie haben die Aufgabe, die Beziehung zu den ihnen zugeordneten Patienten so zu gestalten, dass eine Vertrauensbasis hergestellt wird. Damit schaffen sie die Voraussetzung für die Bearbeitung der Probleme, die den Patienten daran hindern, sein Leben so zu führen, dass er in hinreichender Weise Wohlbefinden und Zufriedenheit erfahren kann.

Beziehung als Lern- und Übungsfeld
Die Beziehungsgestaltung dient dem Ziel, den Patienten bei der Bewältigung seiner Probleme zu unterstützen bzw. dabei, einen besseren Umgang mit diesen Problemen zu finden. Zu diesem Zweck bieten Bezugspflegende ihm die Möglichkeit an, die Beziehung zu ihnen als Lern- und Übungsfeld zu nutzen. Sie unterstützen ihn bei der Entwicklung einer angemessenen Selbst- und Fremdwahrnehmung und helfen ihm dabei, in der Beziehung zu sich selbst und zu anderen Menschen Achtsamkeit zu entwickeln und destruktive Impulse zu regulieren. Sie sind für ihn zugleich Modell, Resonanzboden und Coach.

Mit den soeben beschriebenen Aufgaben ist die Bezugspflege integraler Bestandteil des therapeutischen Angebotes des jeweiligen Versorgungsbereiches. Während die Therapien die Probleme des Patienten vorwiegend diskursiv und somit auf einer Metaebene angehen, begegnet die Bezugspflege den Problemen auf der Ebene des konkreten Alltagshandelns. Strategien, die in der Therapie entwickelt und geplant werden, werden in der Bezugspflege auf der Ebene des Alltagshandelns erprobt und auf ihre Tauglichkeit hin überprüft. So erfolgt mittels der Bezugspflege die Realitätsprüfung für das, was in der Therapie erarbeitet worden ist.

Therapie und Bezugspflege sind wechselseitig aufeinander verwiesen, die Therapie kommt bei Menschen, deren Fähigkeit zur Bewältigung des eigenen Lebens erheblich eingeschränkt ist, nicht ohne das Lernfeld der Bezugspflege aus, umgekehrt bedarf die Begleitung des Alltagshandelns durch die Bezugspflege der reflexiven Durchdringung der Therapie, da die Betroffenen ihren Problemen ja in diesem Bereich begegnen.

Lesen Sie hier den ganzen Artikel zur Psychotraumatologie in der Bezugspflege

Psychiatriepflege und Psychotherapie
Stephanie Amberger, Sibylle Roll, Secil Akinci, Borwin Bandelow, Markus BangerPsychiatriepflege und Psychotherapie

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