• Rehabilitation nach Schlaganfall

     

Rehabilitation nach Schlaganfall

„Time is brain“ heißt es. Aber eigentlich benötigt der Slogan einen Zusatz: „Time is brain, function is life“. Denn die Alltagsfunktionen bestimmen, wie selbstständig ein Patient nach dem Schlaganfall leben kann.

 Je früher und strukturierter die Rehabilitation nach Schlaganfall einsetzt, desto besser sind die Chancen für die Betroffenen, ihr Leben mit einem größtmöglichen Maß an Teilhabe und Selbstbestimmung fortzusetzen. „Rehabilitation erfolgt immer in einem interdisziplinären Team“, erklärt Ralf Schmidt, Pflegedienstleiter in der Fachklinik Herzogenaurach. Was den Patienten dabei am besten unterstützt, ist die „aktivierende, therapeutische Pflege“, die mit allen anderen Therapien möglichst eng verzahnt ist. Therapeutische Pflege heißt: individuelle Patientenziele erreichen durch Beobachten, Interventionen anbieten, Reaktionen abwarten und Patienten und Angehörigen mit einbeziehen. Was können Pflegende in den Akutkliniken also tun, um den Patienten zu fördern und ihn bestmöglich auf die Rehabilitation vorzubereiten? Eine Maxime lässt sich formulieren: „Je öfter und frequenter Therapie erfolgt, desto besser sind die Aussichten für den Betroffenen“, sagt Schmidt. Denn über dieses Vorgehen lässt sich die sogenannte Neuroplastizität des Gehirns unterstützen.

Plastizität des Gehirns ist die Chance
„Das Gehirn ist plastisch“, erklärt Privatdozent Dr. Tobias Leniger, Chefarzt des Neurozentrums Niedersachsen (NZN), „das heißt, es kann sich nach einer Schädigung umorganisieren, neue Netzwerke bauen und so Funktionen wiedererlernen. Das ist die große Chance in der Rehabilitation.“
Neue bildgebende Verfahren, vor allem solche, die auch den Hirnstoffwechsel abbilden können – wie ein PET-Scan –, belegen diese These: Das Hirn reagiert auf Schäden – es will sich erhalten, will sich neu organisieren. Diesen Selbsterhaltungstrieb zeigt das Gehirn übrigens bis ins hohe Alter, auch wenn die Fähigkeit zur Reorganisation dann schwächer wird. Deshalb profitiert jeder Betroffene von einer Rehabilitation.
Nach einer Schädigung, wie einem Schlaganfall, ist das gesamte Gehirn in der Frühphase übererregt. Es fällt dem gestörten Organ schwer, Information richtig zu kanalisieren. „Rehabilitation hat das Ziel, eine möglichst eindeutige Zuordnung und damit die Funktion wiederherzustellen“, erklärt Leniger. Zudem sollten die neuen Netzwerke so nahe wie möglich an dem Ort angesiedelt sein, wo sie vor der Schädigung auch waren. Dann sind die Erfolge besser.

Früh und gut dosiert starten
Um das Gehirn bei der Neuorganisation zu unterstützen, sollten Pflegende in der Akutklinik die Patienten früh mobilisieren. Allerdings in den ersten Tagen wohldosiert. „Nach heutigem Wissensstand sollte die Rehabilitation zwar früh beginnen, aber anfangs nicht zu intensiv sein“, fasst Leniger zusammen. Hintergrund: Um den Infarktkern mit nekrotischem Gewebe befindet sich eine Zone namens „Tissue at risk“, also vitales Gewebe, in dem die Durchblutung vermindert ist. Die Nervenzellen sind dadurch zwar funktionell gestört, aber noch nicht zerstört. „Um dieses Tissue at risk – auch Penumbra genannt – ringen wir“, sagt Leniger. Dort sei die Funktion wiederherstellbar. Um das „Tissue at risk“ durch zu starkes Training nicht zu überfordern, sollten sich die Betroffenen anfangs nur gut dosiert belasten. „Das gilt je nach Infarktgröße zumeist für die ersten drei bis fünf Tage, danach kann die Rehabilitation losgehen“, sagt Leniger. Wie weit ein Patient in der Akutphase gehen sollte, „dafür braucht es durchaus Gespür“. Ärzte, Pflege und Therapeuten sollten eng zusammenarbeiten und sich besprechen: Wie ist der Befund? Wie zeigt sich der Patient klinisch? Wie sind die Komorbiditäten? Und dann zusammen mit dem Patienten entscheiden: Wie weit kann die Belastung gehen?

Lesen Sie den ganzen Beitrag: Lückenlos handeln – Rehabilitation nach Schlaganfall.

Aus dem CNE.magazin 2/2016

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