Rivanol ® für Umschläge

Ist es sinnvoll bzw. noch erlaubt, Rivanol ® für Umschläge zu benutzen?

CNE Expertin Sandra Bensch antwortet: Zwei Publikationen verweisen darauf, dass es nicht mehr sinnvoll ist, Rivanol® einzusetzen. Ethacridinlactat (Rivanol®) gehören zu den alten Wundantiseptika, die OUT sind. Gründe „sind häufig auftretende Lokalreaktionen/Hautallergien während der Anwendung, Verfärbungen an der (…) Wäsche (…).“ (Sellmer 2011, S. 10). Der Autor spricht dabei auch die ausgeprägte Wundheilungshemmung bei offenen exsudierenden Wunden an. Auch Protz weist daraufhin, dass der Einsatz von Rivanol® obsolet und entbehrlich sei. Die gerbende Wirkung und die Verfärbungen an der Oberfläche führen zum fehlerhaften Assessment und zur Reizung der Haut (vgl. Protz 2010, S. 15). Ein Review, das sich mit systemischen und topischen Antibiotika in Wunden befasst, spricht Rivanol® durchaus eine Wirkung zu, jedoch keinen Kausalzusammenhang für eine komplette Wundheilung: „Surrogate healing outcomes such as change in ulcer surface area and daily or weekly healing rate showed favourable results for cadexomer iodine, peroxide-based preparations and ethacridine lactate in some studies. These surrogate outcomes may not be valid proxies for complete healing of the wound.” (O’Meara et al. 2010, Abstract).

Ich interpretiere Ihre Frage so, dass in Ihrem Haus Rivanol® zum Kühlen bei geschlossener Hautdecke, jedoch Entzündungen in der Haut bzw. unter der Haut, genutzt wird, z. B. Neurodermitis, Erysipel, Phlegmonen, Gelenkentzündungen. Devillers et al. verweisen in diesem Kontext auf die Eignung lokal applizierter Externa wie Salben, Cremes und topischer Steroide, die täglich ein bis drei Mal frisch aufgetragen werden. Darauf befindet sich ein Baumwoll- und Gazeverband mit einer inneren feuchten und einer äußeren trockenen Schicht. Angefeuchtet werden kann das Ganze entweder mit Wasser oder mit anderen Antiseptika (vgl. Devillers et al. 2006). Als befeuchtende Lösung, die nicht hautreizend ist, eignet sich Ringer-Lösung und als Antiseptikum Polihexanid (PHMB), z. B. Lavasept® (vgl. Sellmer 2011, vgl. Protz 2010). Diese feuchten Verbände sollen in erster Linie schmerzstillend wirken (vgl. Seifert 1955).

Literatur

Devillers ACA et al. Efficacy and safety of „wet-wrap“ dressings as an intervention treatment in children with severe and/or refractory atopic dermatitis: a critical review of literature. In: British Journal of Dermatology, 2006; Jg. 154,: 579-585

O’Meara S. et al. Antibiotics and antiseptics for venous leg ulcers. In: Cochrane Database of Systematic Reviews. H. 1.; 2010

Protz K. (2010): Die Auswahl der adäquaten Wundauflage. Phasengerecht, atraumatisch, wirtschaftlich. In: CNE.Fortbildung, Lerneinheit 1, Heft 1, S. 9-15

Sellmer, W. (2011): Die zeitgemäße Versorgung chronischer Wunden. Online verfügbar

Seifert E. (1955): Der feuchte Verband. Münchener Medizinische Wochenzeitschrift. Bd. 97, H. 16, S. 530-531.

http://www.wundheilung.bbraun.de/documents/Services/Lavasept_Prospekt_d_03_09_9998215.pdf