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Rollentausch: plötzlich Patient

Ralph Schneller ist seit 41 Jahren Krankenpfleger. Ihn kann so schnell nichts umhauen. Erst ein Unfall bringt ihn aus dem Gleichgewicht – zeigt ihm aber auch, worauf es ankommt. Ein Erfahrungsbericht.

Es war ein wunderschöner winterlicher Sonntag. 50 cm Schnee, nachts minus 15°C. Meine Frau und ich spazierten um unseren Lieblingssee. Plötzlich, als würde mir jemand mit einem Prügel in die Beine schlagen, zog es mir die Füße weg – ich war auf einer verdeckten Eisplatte ausgerutscht. Noch im Fallen hörte ich ein lautes RRRRRSCHT. Dann ging nichts mehr. Das große Programm: Bergwacht, mehrere Träger. Denn ich bin 190 cm groß und wog zur damaligen Zeit beinahe 150 kg. Es war mir peinlich, dass ich nichts tun konnte und die sich mit mir so abschleppen mussten.

Dekubitus lässt grüßen
Im Krankenhaus der Arzt zur Krankenschwester: „Schauen Sie, wie wundervoll für mich, ein Stück aus dem Lehrbuch: Quadrizeps-Sehnenruptur, ganz selten, noch seltener beidseits. Das wird lange dauern.“ Sehr beruhigend. Erst OP, dann Streckschiene, dann sechs Wochen absolute Bettruhe. Die nächsten vier Tage Rückenlage. Schon in der ersten Nacht spürte ich gewisse Körperstellen: Dekubitus lässt grüßen. Hier kam mir zugute, dass ich Krankenpfleger war. Einen Dekubitus wollte ich nicht auch noch. So lagerte ich mich selbst in Mikrolagerungen mit einem übrig gebliebenen Handtuch. Für mich bisher unvorstellbar, was Millimeter ausmachen können, wenn es um den eigenen Hintern geht. Dann Montagmittag OP, Wachstation und der Moment des Aufwachens. Die einzige Zeit, in der ich richtig Schmerzen hatte. Ich heulte wie ein Kind, und die Kollegin spritzte erst nach mehrmaligem Betteln dreimal nach, bis es endlich besser war.

Absolute Bettruhe
Am nächsten Tag waren meine Knie dick wie zwei aufgeblasene Luftballons und eingepackt in Macron-Schienen. Die haben unten eine Stahlkante, damit man die Beine nicht beugen kann. „Wenn Sie beugen, reißt die OP-Naht, und alles geht wieder auf null.“ Welch hoffnungsvolle Aussicht. „So, und ab jetzt: sechs Wochen absolute Bettruhe“, fügte der Chefarzt hinzu. Zwei Stunden später steht ein KGler vor mir mit Rollator: „Herr Schneller, wir stehen jetzt auf“. „Sind Sie sicher, dass Sie mich meinen?“ fragte ich. „Ja klar, hat der Chef so gesagt! Wie viel dürfen Sie belasten? Ach, beidseits? Aha, na dann.“ Von Stehen konnte nicht die Rede sein, mehr ein Hängen und das Gefühl, auf Puddingbeinen zu stehen. Ich hatte Schweißausbrüche. So viel zum Thema Bettruhe.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: "Rollentausch: plötzlich Patient" aus dem CNE.magazin 5/2016.

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