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Tabletten gegen den Stress

Pflegende greifen offenbar immer häufiger zu Suchtmitteln – das ergab eine Umfrage des Pflegewissenschaftlers Jürgen Osterbrink. Wie zeigen sich Abhängigkeiten und wie sollten sich Führungskräfte und Kollegen verhalten? Ein Überblick.

Laut dem „Jahrbuch Sucht 2017“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sind bis zu 1,9 Millionen Menschen medikamentenabhängig, bei knapp 1,8 Millionen besteht eine Alkoholsucht. Viele von ihnen sind berufstätig und schaffen es auch bei der Arbeit nicht, auf ihren Suchtmittelkonsum zu verzichten; vor allem wenn stressfördernde Arbeitsbedingungen herrschen. Im Pflegeberuf sind die physischen und psychischen Belastungen seit vielen Jahren besonders hoch. Schichtarbeit und zu wenig Personal, zu viel Stress und die Sorge, sich nicht ausreichend um die Patienten kümmern zu können – das belastet viele Pflegende. Und wer unter Druck und Dauerstress steht, greift eher zu Zigaretten, Alkohol oder Medikamenten, um kurzfristig eine stimulierende oder entspannende Wirkung zu erreichen. Laut Statistischem Bundesamt rauchen knapp 30 Prozent der Pflegenden, was deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 25,7 Prozent liegt.

Pillen in Griffweite
Zum Konsum von Alkohol, Medikamenten und illegalen Drogen führte Jürgen Osterbrink, Professor für Pflegewissenschaft an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg, 2014 eine Befragung und einen Ländervergleich in Deutschland und Österreich durch. Auf die Frage, ob es in der Pflege ein Suchtmittelproblem gibt, antworteten 60 Prozent der deutschen und 40 Prozent der österreichischen Pflegekräfte mit Ja. „Hier ist Gefahr im Verzug“, sagt Osterbrink. „Der Druck auf Pflegekräfte nimmt vor allem in Deutschland immer mehr zu, in Österreich ist die Personaldecke noch etwas dichter.“ Seit Mitte der 90er Jahre sind hierzulande etwa 80 000 Stellen nicht wiederbesetzt oder abgewickelt worden, zugleich steigt die Zahl alter, multimorbider Patienten. „Kommen zum beruflichen Druck noch private Probleme dazu, kann der ständige Stress zu einem Suchtmittelproblem führen“, so der Pflegewissenschaftler. Am Arbeitsplatz kann im Grunde jede Form von Suchtmittel vorkommen, eine große Rolle aber spielt Alkohol. So gaben 30 Prozent der rund 1300 befragten Pflegenden an, täglich Alkohol zu trinken. Viele Betroffene konsumieren illegale Drogen wie Cannabis, eine weitere große Gruppe greift zu verschreibungspflichtigen Medikamenten. „Für Mitarbeiter im Krankenhaus ist es relativ leicht, sich Suchtmittel zu beschaffen“, so Osterbrink, „sie
öffnen den Medikamentenschrank und haben alles in Griffweite. Tranquilizer etwa fallen nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Da fällt es selten auf, wenn die eine oder andere Tablette fehlt.“

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Aus CNE.magazin 03/2019

 

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