• Schuldgefühle entstehen in uns, wenn wir bewusst oder unbewusst überzeugt sind, etwas Falsches oder jemandem Unrecht getan zu haben. Die Fähigkeit, diese Gefühle zu erleben, wird laut tiefenpsychologischer Theorien in bestimmten Kindheitsphasen erworben.

     

Vom Gefühl der Schuld

Ob durch eigene Fehler oder nicht – Pflegende geraten ständig in Situationen, die sie mit ihrem Gewissen hadern lassen. Warum ist das so? Wir haben uns einige Gedanken zum Thema Schuldgefühle gemacht.

Michael Krauss, damals gerade frisch examinierter Gesundheitsund Krankenpfleger, ahnte nichts Böses, als er an einem Winternachmittag auf der Landstraße ein Auto am Randstreifen stehen sah. Drinnen ein bewegungsloser Fahrer, den seine Frau heftig an der Schulter schüttelte. Michael Krauss hielt an. „Hans, Hans“ – die Frau war völlig aufgelöst, ihr Mann leblos, ohne Atmung. Wie sich später herausstellte, hatte er einen Herzinfarkt gehabt. Michael Krauss setzte einen Notruf ab und reanimierte. Nach ein paar Minuten wurde der Mann rosig und schien wieder zu atmen, sodass der Pfleger die Wiederbelebung unterbrach – und versuchte, die Ehefrau zu beruhigen. „Nach zwanzig Minuten kam endlich der Notarzt“, erzählt Michael Krauss. Wenige Stunden später verstarb der Mann. Und der Pfleger konnte die ganze Nacht nicht schlafen. „Ich war aufgewühlt – könnte der Mann noch leben, wenn ich nicht aufgehört hätte zu reanimieren?“ Am nächsten Tag hängt er sich ans Telefon und redet mit „Experten“, die er kennt – dem Stationsleiter der Intensivstation und einer Tante, die Anästhesistin ist. „Nachdem sie mich beruhigt und mir bestätigt hatten, dass ich nichts falsch gemacht hatte, ging es mir besser“, sagt er.

Schuld versus Schuldgefühle

Die meisten Pflegenden können Michael Krauss‘ Sorge, falsch gehandelt und damit eventuell Schuld auf sich geladen zu haben, wahrscheinlich gut nachvollziehen. Das Thema „Schuld“ und „Schuldgefühle“ ist trotzdem so komplex, dass Philosophen und Ethiker ganze Bände von Gedanken dazu formulieren. Sie sprechen zum Beispiel von Schuld, wenn jemand gegen sittliche, ethisch-moralische oder gesetzliche Wertvorstellungen verstößt. Vorausgesetzt wird, dass der Schuldige die Möglichkeit hatte, die schlechte Tat zu unterlassen, er also wählen konnte. Daneben hat Schuld etwas damit zu tun, für sein eigenes Tun verantwortlich zu sein und dafür geradezustehen. Außerdem müssen das eigene Handeln und der Schaden, den ein anderer erlitten hat, ursächlich zusammenhängen. Die Folgen können ganz unterschiedlich sein, je nachdem um welche Schuld es sich handelt, wer man ist und in welchem Land man lebt: keine Konsequenzen, Gefühle der Schuld oder juristische Sanktionen bis hin zur Todesstrafe.

Schuldgefühle entstehen in uns, wenn wir bewusst oder unbewusst überzeugt sind, etwas Falsches oder jemandem Unrecht getan zu haben. Die Fähigkeit, diese Gefühle zu erleben, wird laut tiefenpsychologischer Theorien in bestimmten Kindheitsphasen erworben.

Wichtig: Schuld und Schuldgefühle gehören nicht zwangsläufig zusammen. So soll es Mörder geben, die trotz schrecklicher Taten mit ruhigem Gewissen zu Bett gehen. Andere Menschen würde dagegen kein Gericht der Welt je für irgendetwas verurteilen können, und sie fühlen sich dennoch ständig schuldig.

Lesen Sie den ganzen Artikel aus dem CNE.magazin 01/2015 „Vom Gefühl der Schuld

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