• Red Flags erkennen: Ein roter Fleck auf Sabines LWS misst etwa 2,5 x 1,5 cm. Konzentriert sie sich darauf, spürt sie ein leichtes Jucken und Brennen.

     

Der rote Fleck

Nach einem Umzug hat Sabine Loose starke Schmerzen in beiden Ellenbogengelenken, auch der Nacken tut ihr weh. Die bei der Untersuchung gefundenen Befunde passen für Physiotherapeut Prof. Dr. Harry von Piekartz allerdings nicht so recht zusammen. Merkwürdig findet er auch etwas anderes: den kleinen roten Fleck auf Sabines Rücken.

Sabine Loose, die in Wirklichkeit anders heißt, ist 23 Jahre alt, ledig und wohnt alleine. Sie hat eine Vollzeitstelle als Kassiererin und geht in ihrer Freizeit häufig mit ihrem Hund spazieren. Seit sie vor drei Wochen umgezogen ist, hat sie zunehmende dumpfe, tief sitzende Schmerzen in beiden Ellenbogengelenken, die unabhängig von bestimmten Bewegungen sind, sowie bilaterale Nackenschmerzen. Kopfschmerzen hat sie keine. Durch die Einnahme von 50mg Paracetamol kann sie ihre Schmerzen (7/10) kurzfristig um zwei Punkte senken, doch nach ein paar Stunden ist der Schmerz wieder da. Obwohl Sabine Loose nicht mehr arbeitet als sonst, werden die Schmerzen zunehmend schlimmer. Zusätzlich leidet sie seit vier Jahren unter Rückenschmerzen. Normalerweise sind diese diffus im Bereich der Lendenwirbelsäule (L 4/L 5) und werden zum einen stärker, wenn sie viel heben und tragen muss, zum anderen zwei bis drei Tage vor ihrer Menstruation. Seit sieben Tagen sind die Schmerzen eher „stechend“, und ab und zu hat Sabine auf der linken Seite ein brennendes Gefühl auf Höhe L 4/L 5. Zudem hat sie den Eindruck, dass die Beschwerden auf der linken Seite in den lateralen und zum Teil in den ventralen Oberschenkel ausstrahlen. Die gleiche Symptomatik spürt sie auf der rechten Seite – allerdings deutlich weniger. Wenn sie über ihre Haut am linken Oberschenkel streicht, fühlt es sich oft „pelzig“ an. Während der vergangenen Wochen hat sich die Stelle der Symptome auf ihren Oberschenkeln von medial nach lateral verlagert. Ansonsten fühlt sich Sabine gesundheitlich nicht eingeschränkt. Sie ist lediglich häufig müde, seit sie in ihre neue Wohnung gezogen ist. Wenn sie schläft, erholt sie sich jedoch gut.
Was Sabine am meisten Sorgen bereitet, sind die Schmerzen in beiden Ellenbogengelenken. Morgens wacht sie mit diesen auf (VAS 3/10) und im Laufe des Tages werden sie immer schlimmer (VAS 5/10). Am Wochenende sind die Schmerzen weniger, aber immer noch vorhanden. Weil Sabine sich nicht erklären kann, warum die Beschwerden in der letzten Zeit schlimmer geworden sind, beschloss sie, ihren Hausarzt aufzusuchen, welcher sie zur Physiotherapie geschickt hat.

Die dumpfen, bilateralen Schmerzen in den Ellenbogengelenken hängen möglicherweise mit Sabines Nackenschmerzen oder mit neurodynamischen Dysfunktionen zusammen. Die Topografie der Schmerzen scheint allerdings nicht typisch neurodynamisch zu sein. Durch den Umzug könnte es möglicherweise zu einer Überlastung ihrer Arme gekommen sein. Das erklärt allerdings nicht, warum die Schmerzen in den Ellenbogen und im Nacken immer noch vorhanden und die stechenden und brennenden Rückenschmerzen zur gleichen Zeit entstanden sind. Sabine gibt keine Traumata des Nackens oder der Ellenbogen an und klagt auch nicht über Schmerzen oder Blockierungen in den Ellenbogengelenken, die auf eine intraartikuläre Dysfunktion oder eine „Gelenkmaus“ hinweisen könnten – zumal eine solche Dysfunktion wahrscheinlich nicht auf beiden Seiten gleichzeitig auftreten würde. Hintergrund der plötzlichen multilokalen Beschwerden könnte eine beginnende System- oder neurologische Erkrankung sein. Daher frage ich als nächstes mögliche Hinweise auf neurologische Erkrankungen ab.

Lesen Sie hier den ganzen Artikel aus physiopraxis 7/8 2013 "Der rote Fleck".

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