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Effektiv trainieren

Die körperliche Leistungsfähigkeit des Menschen ist bedingt durch ein multifaktorielles und komplexes Zusammenspiel von physischen und psychischen Variablen. Dieses Zusammenspiel kann bislang erst ansatzweise und lediglich für einige Leistungskomponenten in seiner Komplexität verstanden werden.

Aus diesem Grund existieren eine Vielzahl von Modellen, die versuchen, diese Komplexität mehr oder weniger zu reduzieren. Führt man die Modelle in ihrem Kern zusammen, kristallisiert sich ein Basismodell der körperlichen Leistungsfähigkeit heraus, das aus vier Komponenten besteht.

Intuitiv möchte man den Komponenten der körperlichen Leistungsfähigkeit – Konstitution, Kondition, Koordination und Psyche – einen hierarchischen Aufbau unterstellen, indem man die konstitutionellen Voraussetzungen als Basis sieht und darauf aufbauend konditionelle, dann koordinative und schließlich psychische Faktoren. In Wirklichkeit interagieren diese Systeme aber in komplexer Art und Weise, und wir wissen heute, dass eine Veränderung eines Subsystems immer auch Auswirkungen auf ein oder mehrere andere Subsysteme hat. 

Beispielsweise könnte ein Schlaganfall lediglich direkte Auswirkungen auf ein bestimmtes Hirnareal haben. In der Folge wird aber ein Teil der Skelettmuskulatur nicht mehr vollständig aktiviert, es kommt umgehend zu motorischen Störungen, schließlich zu Masseverlusten der betroffenen Muskeln und langfristig zum Abbau von Knochenmasse. Weiterhin sind häufig psychische Veränderungen zu beobachten, die ebenfalls wieder auf physische Komponenten rückkoppeln können.

Die Leistungsfähigkeit besitzt demnach neben einer genetischen auch eine verhaltensbedingte Ausprägung. Durch unser Verhalten, zu dem auch Krankheit und traumatische Ereignisse gezählt werden können, wirken wir spezifisch auf bestimmte Komponenten der Leistungsfähigkeit ein. Dies hat im Fall des oben beschriebenen Schlaganfalls weitreichende negative Auswirkungen. Im Fall eines zielgerichteten Trainings können im Gegensatz dazu positive Effekte erzielt werden. Unter Therapeuten gilt in der neurologischen Rehabilitation für ein effektives Training häufig die Faustformel „repetitiv, intensiv, aufgabenspezifisch“. Der vorliegende Beitrag stellt dazu die wichtigsten Befunde aus der Trainings- und der Bewegungswissenschaft dar, die sich mit den konditionellen und koordinativen Leistungsvoraussetzungen beschäftigen.

Ziel ist es, einerseits Parallelen zu sportlichem Training zu beschreiben und andererseits Möglichkeiten aufzuzeigen, die bestehenden Trainingskonzepte in der Neurorehabilitation auf dem Hintergrund sportwissenschaftlicher Erkenntnisse weiterzuentwickeln.

Biologische Anpassung als Grundlage von Training

Um effektiv zu sein, muss Training eine Anpassungsreaktion auslösen, die zu einer möglichst großen Verbesserung der in genannten Voraussetzungen der körperlichen Leistungsfähigkeit führt.

Regelkreis Die biologische Grundlage einer solchen Anpassung bildet ein geregeltes System, bestehend aus mindestens einem Messglied (Sensor oder Messfühler, erfasst Ist-Wert), einem Regler (Komparator, vergleicht Ist- und Soll-Wert) und einem Stellglied (wirkt der gemessenen Abweichung von Ist- zu Soll-Wert entgegen). Ein derartiger Regelkreis reagiert auf eine Störgröße, die von außen eingebracht wird, indem er eine Korrektur der Regelgröße bewirkt.

Als Beispiel soll an dieser Stelle die Anpassung der Knochenmasse angeführt werden. Die Deformation des Knochens ist hier die Regelgröße. Die Regelgröße muss in einem definierten Bereich liegen, damit Auf- und Abbauprozesse im Gleichgewicht (Homöostase) sind. Dies ist z. B. bei einem gesunden Menschen mit einer durchschnittlichen körperlichen Beanspruchung im Alltag der Fall. Wird der Mensch krank, erleidet er einen Unfall und bewegt sich weniger oder muss gar längere Zeit im Bett liegen, wirken geringere Kräfte auf den Knochen, und dieser wird in der Folge weniger stark deformiert. Mechanosensoren registrieren die Deformation und übermitteln diese Information an das zentrale Nervensystem. Von dort werden jetzt verstärkt knochenabbauende Zellen aktiviert und die Knochenmasse sinkt. Dieser Prozess wird so lange fortgeführt, bis die Regelgröße wieder im Sollbereich liegt. Durch ein gezieltes Training, das z. B. begleitend während einer längeren Bettruhe über mehrere Wochen durchgeführt wird, kann der inaktivitätsbedingte Knochenabbau zum Teil verhindert werden.

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Aus der Zeitschrift neuroreha 4/2015

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